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Marburg Gemeinsam für die Ernährung
Marburg Gemeinsam für die Ernährung
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11:58 10.08.2021
Christoph Feist, Christian Weingran und Claudia Smolka (von links) engagieren sich gemeinsam im Ernährungsrat Marburg und Umgebung.
Christoph Feist, Christian Weingran und Claudia Smolka (von links) engagieren sich gemeinsam im Ernährungsrat Marburg und Umgebung. Quelle: Lucas Heinisch
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Marburg

Die Marktstände stehen am frühen Mittwochmorgen in der Frankfurter Straße in Marburg, die Menschen schlendern an den Ständen vorbei und kaufen ein. Es gibt hier unter anderem Obst und Gemüse aus regionalem Anbau und Bio-Käse sowie Bio-Fleisch aus dem Landkreis. Das Angebot an den Marktständen ist damit ein gutes Beispiel für das, was der Ernährungsrat Marburg und Umgebung (EMU) in der Region unterstützen will. Die Mitglieder des EMU beschäftigen sich mit der Frage, wie man Ernährung wieder nachhaltiger macht. Dafür brauche es mehr Regionalität, mehr Gerechtigkeit und auch mehr Bio-Produkte, sagt Christian Weingran. Der 71-Jährige engagiert sich mit anderen Bürgerinnen und Bürgern im EMU. Zu diesen Menschen gehören Claudia Smolka, die selbst einen Marktstand betreibt, und Christoph Feist. Unter dem Motto „Marburg isst anders“ setzen sie sich gemeinsam für eine nachhaltige Ernährung in Marburg und Umgebung ein.

Lokal, vielfältig, nachhaltig

Um dem Motto gerecht zu werden, müsse man zum Beispiel „die Regionalprodukte erreichbar machen und die Vielfalt erhalten“, sagt Smolka. Auf einem Markt wie in der Frankfurter Straße „sieht man die Leute, die die Sachen herstellen. Die Ernährung hat einen großen Einfluss, wenn es um Nachhaltigkeit geht“, fügt Weingran hinzu. Bei Nachhaltigkeit müsse man beispielsweise auch an kürzere Transportwege denken, durch die man Emissionen einsparen könne. „Das Thema Ernährung birgt ein riesen Potenzial“, ergänzt Feist. Doch ohne Diskussionen oder alleine funktioniere das Vorhaben nicht. „Man kann das Ganze nur im Gespräch erreichen“, sagt Feist entschlossen. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen möchte man auf Themen wie Lebensmittelerzeugung und Ernährung aufmerksam machen. Eine Gruppe innerhalb des Ernährungsrates stellt derzeit zum Beispiel ein Projekt auf die Beine, bei dem es um die solidarische Vermarktung von Lebensmitteln geht. So wird unter anderem versucht, Käse und Fleisch gemeinsam zu verkaufen. „Wenn man Käse produziert, produziert man Fleisch. Milch und Fleisch gehören zusammen“, erklären Feist und Smolka. Weitere Projekte sind in Planung, und dafür braucht es engagierte Mitglieder.

Beim EMU geht es auch darum, dass Personen unterschiedlichster Hintergründe zusammenkommen. Dazu gehören zum Beispiel Menschen aus der Zivilgesellschaft, Landwirtschaft oder der Gastronomie. Die lokale Politik und Verwaltung sollen ebenfalls eingebunden werden, um über nachhaltige Ernährung und deren Einbindung in den Alltag zu beraten.

Es braucht Zeit

Feist, Smolka und Weingran wirken alle im Ernährungsrat mit, doch nicht unbedingt aus den gleichen Beweggründen. Christoph Feist beschäftigt sich schon lange mit landwirtschaftlichen Themen. „Ich bin gute 30 Jahre im Berufsleben im landwirtschaftlichen Vertrieb“, erzählt er. Bei seiner Arbeit auf dem Hof Fleckenbühl gehe es auch um Ernährungsbildung. Der EMU und das Thema Ernährung seien für ihn „ein Herzensanliegen“. Die Motivation für sein Engagement kommt auch durch die Gesellschaft. „Die hoffnungsvolle Stimmung in der Gesellschaft treibt mich an. Die Hoffnung sollte man nicht verpuffen lassen“, erklärt Feist.

Claudia Smolka beschäftigt sich durch ihre Bio-Ziegenkäserei in Seelbach tagtäglich mit Ernährung und Lebensmitteln. Beim EMU „kann man gestalterisch mitwirken und wir sollten den Raum gestalten, in dem wir leben“, sagt sie. Der EMU hat aber auch etwas mit Gemeinschaft zu tun. Auf dem Hof „arbeiten wir immer“ und beim Ernährungsrat könne man Freundschaften knüpfen. Der „Dritte im Bunde“, Christian Weingran, findet Ernährung einfach spannend. „Ich habe mich immer für Essen interessiert und habe immer gerne gekocht“, erzählt der 71-Jährige. Er ist der Überzeugung, dass es gute Lebensmittel nur gibt, „wenn man Vielfalt und Gerechtigkeit hat“.

Bei einem Thema sind sich alle einig: Veränderungen kommen nicht von jetzt auf gleich. „Der Ernährungsrat ist kein Sprintlauf, sondern ein Dauerlauf“, sagt Feist. Dem stimmt auch Smolka zu: „Es braucht Durchhaltevermögen.“ Weingran ergänzt zudem, dass es Zeit brauche, um etwas Vernünftiges zu etablieren. „Wir wollen, dass der Verein groß wird. Wir brauchen ihn. Jeder kann dazu kommen“, resümiert Weingran.

Der Ernährungsrat Marburg und Umgebung

Der Ernährungsrat Marburg und Umgebung (EMU) hat sich im Oktober 2020 gegründet und versteht sich selbst als Impulsgeber, um zum Beispiel Projekte anzuregen und Entwicklungen im lokalen Ernährungssystem anzustoßen. Der EMU möchte auf die Erzeugung von Lebensmitteln und die Ernährung aufmerksam machen. Er strebt einen aktiven Dialog zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft, Land- und Ernährungswirtschaft, Gastronomie sowie Bildung und Wissenschaft an. Die lokale Politik und Verwaltung sollen ebenfalls mit eingebunden werden.

Im Ernährungsrat arbeiten die Mitglieder in Arbeitskreisen zusammen. In den Arbeitskreisen werden beispielsweise Themen wie Ernährungsbildung, Abfallvermeidung oder regionale Wertschöpfung behandelt. Der EMU ist Teil des nationalen und des hessischen Netzwerkes der Ernährungsräte. Er ist offen für alle.

  • Interessierte können den EMU über folgende E-Mail-Adresse erreichen: info@ernaehrungsrat-marburg.de

Von Lucas Heinisch

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