Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Gemeinsam den Klimawandel wegboxen
Marburg Gemeinsam den Klimawandel wegboxen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 13.08.2021
Dr. Michael Bilharz (links) ist der Initiator der Klimawette. Er beobachtet, wie vier Marburger versuchen, „eine Tonne CO2“ wegzuboxen.
Dr. Michael Bilharz (links) ist der Initiator der Klimawette. Er beobachtet, wie vier Marburger versuchen, „eine Tonne CO2“ wegzuboxen. Quelle: Foto: Manfred Hitzeroth
Anzeige
Marburg

Doch das große Ganze besteht auch aus vielen kleinen ökologischen Puzzleteilchen. Und so hat sich jetzt Bilharz für die von ihm initiierte Aktion der Klimawette drei Monate unbezahlten Urlaub genommen und mit einem E-Bike-Lastenrad auf eine 6 000 Kilometer lange Tour durch Deutschland begeben, bei der er für ganz konkrete Alltagsaktionen von möglichst vielen Menschen wirbt, um dem Klimawandel zu begegnen.

Am Mittwoch präsentierte er seine Aktion auf dem Marburger Marktplatz. Es war die 100. Station auf seiner Route, wonach er dann weiter Richtung Lahntal und ins Siegerland fuhr.

„Versprechen kann man viel. Aber wir müssen messen, was wir erreichen“, sagt Michael Bilharz. Es reiche auch für jeden Einzelnen nicht aus, sich abstrakte Ziele zu setzen. Und so hat der studierte Biologe sich zum Ziel gesetzt, bis zur nächsten Weltklimakonferenz in Glasgow Anfang November deutschlandweit eine Million Menschen zu gewinnen, die zusammen eine Million Tonnen CO2 einsparen. 1 157 Marburger sollten jeweils eine Tonne CO2einsparen, um den Anteil der Stadt Marburg zum Deutschland-Ziel beizutragen, hat der Umweltaktivist berechnet. „Das ist zu schaffen und wäre gleichzeitig ein beeindruckendes Zeichen für den Klimaschutz“, meint Bilharz. Auf der Homepage „www. ­dieklimawette.de“ zeigt er die Möglichkeiten auf, die jeder Einzelne hat, die nächste Tonne CO2 schnell und wirksam einzusparen.

Flasche Zaubertrank

Aus einer Liste von 20 Vorschlägen kann man hierzu seinen eigenen Vorsatz für den Klima-Sommer heraussuchen, ob nun Ernährungs- oder Mobilitätschallenge – vom LED-Lampentausch über den fleischfreien Monat oder den autofreien Arbeitsweg bis hin zum solaren „Balkonkraftwerk“. Zum anderen kann man aber auch konkrete Klimaschutzprojekte von gemeinnützigen Kompensationsdienstleistern durch eine Spende möglich machen und damit tonnenweise CO2 vermeiden. Zur Auswahl stehen Solar- und Effizienzprojekte ebenso wie Aufforstungs- und Pflanzenkohle-Projekte.

Weil Umweltpädagogik auch von Spaß und Action lebt, brachte der Initiator der Klimawette eine kleine Flasche „Zaubertrank“ mit, der symbolisch für die kleinen Tricks auf dem Weg zum CO2-Einsparen steht. Damit ausgerüstet konnten Marburger Klimaaktivisten sich von Bilharz mitgebrachte Boxhandschuhe überstreifen und dann gemeinsam eine für das persönliche Klimaziel stehende Tonne wegboxen. „Beim Einsatz für den Klimaschutz kann sich schon auch der Frust ansammeln. Deshalb darf der Spaß nicht zu kurz kommen“, wirbt Bilharz für seine spielerische Herangehensweise.

Die CO2-Städteliga der Klimawette ermöglicht übrigens einen direkten Vergleich mit anderen Städten. Denn alle Teilnehmer werden über ihre Postleitzahl automatisch den jeweiligen Städten „gutgeschrieben“. Bisher liegt Gilching, eine Vorstadt von München, in dieser Liga übrigens auf Platz 1, und Marburg belegte am Mittwoch Rang 377. Das kann sich aber noch ändern.

Werben für die Idee

Zumindest versprach die Marburger Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD), die den Gast auf dem Marktplatz empfing, für die Idee zu werben. Klimaschutz sei für die Stadt Marburg mittlerweile eine Querschnittsaufgabe, die von der Kindertagesstätte bis zum Ernährungsrat mit Leben gefüllt werde. Das Ziel sei es, dass möglichst viele Marburger ihren CO2-Fußabdruck reduzieren. Und bei der Aktion „Stadtradeln“ solle dieses Jahr sogar die doppelte Anzahl an gefahrenen Kilometern zusammenkommen, hofft Dinnebier.

Die Versprechungen der Stadträtin hörte Bilharz gerne. Er spornt die Marburger aber noch mehr an. Denn auch wenn schon vieles getan worden sei, gelte Folgendes: „Wir müssen alle noch eine Schippe drauflegen.“ Denn der vor Kurzem veröffentlichte Bericht des Weltklimarates habe es deutlich gemacht, dass sich die Welt momentan statt der auf 1,5 Grad gedeckelten globalen Erwärmung eher auf dem 3-Grad-Pfad befinde.

Die Klimawette

Wie geht die Klimawette ganz konkret? Schafft die Stadt Marburg es, mehr als 1 000 Marburger zu aktivieren, dass sie sich bei der Aktion persönlich anmelden und sich zum Einsparen verpflichten? „Die Stadt Marburg nimmt die Klimawette gerne an. Wir sind schon viele Schritte gegangen auf dem Weg, die Klimakrise zu stoppen. Ins Ziel kommen wir aber nur, wenn wir den Weg gemeinsam gehen“, meint Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD), die den Umweltaktivisten und Wett-Initiator Dr. Michael Bilharz aus der Hauptstadt am Marktplatz empfangen hatte.

Dinnebier ist sich sicher, dass mindestens 1 157 Marburger bis November jeweils eine Tonne CO2 „wegboxen“. Und dafür bietet die Stadt Marburg zusätzliche Anreize. Unter den Marburgern, die die Stadt bei der Klimawette unterstützen und sich anmelden, verlost die Stadt ein E-Bike im Wert von bis zu 3 500 Euro, ein Fahrrad im Wert von bis zu 1 000 Euro und ein Solar-Balkon-Modul im Wert von bis zu 500 Euro.

Anmeldung zur Klimawette geht unter www.dieklimawette.de. Aus den Teilnehmern der Stadt Marburg werden von den Organisatoren der Klimawette die drei Preisempfänger ermittelt und der Stadtverwaltung mitgeteilt. Die Preisübergabe erfolgt dann seitens des Magistrats.

Von Manfred Hitzeroth