Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg So lief das Solidaritäts-Shopping in Marburg
Marburg So lief das Solidaritäts-Shopping in Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:56 19.08.2020
Bis zum 15. August konnten die Marburger ihr „Stadt-Geld“ ausgeben. Foto: Stefanie Profus/Stadt Marburg
Bis zum 15. August konnten die Marburger ihr „Stadt-Geld“ ausgeben. Quelle: Stefanie Profus/Stadt Marburg
Anzeige
Marburg

Die Frist fürs Shopping mit Steuergeld ist abgelaufen: Bis zum vergangenen Wochenende konnten in der Universitätsstadt die Stadtgeld-Gutscheine im Wert von 1,9 Millionen Euro eingelöst werden.

Rund 600.000 Euro waren vor einer Woche noch offen, zum Ende der Aktion hat der Shopping-Drang der Marburger dann noch einmal angezogen, es sind rund 80 Prozent – das entspricht 1,43 Millionen Euro – abgerufen worden. Das teilte die Stadtverwaltung auf OP-Anfrage mit.

Bis auf 23.000 Euro, die als Spende in den Corona-Hilfsfonds für Studenten der Philipps-Uni fließen werden, sei das Geld von Bürgern in Betrieben ausgegeben worden. Der Schlusstag war der Rekord-Einlöse-Tag: 6.674 Gutschein-Codes gingen über die Ladentheken, Gegenwert: 66.000.

In den vergangenen Wochen konnte jeder Erwachsene einen 20-Euro-Gutschein, jedes Kind bis 17 Jahre einen 50-Euro-Gutschein einlösen – in all jenen Geschäften, die während des Lockdowns im Frühjahr unter der Zwangsschließung litten.

3.500 Jobs hängen an Marburger Gastronomie

Die Branchen, die laut Stadtverwaltung am meisten von der Taschengeld-Aktion profitiert haben, sind die Gastronomie (19 Prozent) und der Dienstleistungsbereich (10 Prozent). 27 Prozent des Stadtgelds wurden laut Auswertung in Bekleidungsgeschäften eingelöst, 23 Prozent in weiteren Einzelhandelsgeschäften, 18 Prozent in Kaufhäusern, 9 Prozent in Schuhgeschäften, 8 Prozent in Buchläden und jeweils 7 Prozent in Spielwaren- und Elektro-Geschäften.

Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, bezeichnete die Aktion schon zu Beginn als „effektive Hilfe, um Entlassungen zu vermeiden“. Letztlich helfe das Geld Bürgern, um Waren zu kaufen, aber vor allem den Unternehmen. Jan Röllmann, Stadtmarketing-Chef, sieht es als Beitrag, den Lieblingsläden beim Überleben zu helfen. Sorgen macht man sich vor allem um den Oberstadt-Einzelhandel und die Gastronomie, mit der alleine rund 3.500 Menschen Geld verdienen, aber auch um Geschäfte im Kaufpark Wehrda.

550 Geschäfte nahmen teil

Der Grundgedanke scheint verinnerlicht worden zu sein: Wie die Stadt mitteilt, sind 70 Prozent des Stadtgeldes im lokalen Handel – im Innenstadtbereich, vor allem in Universitätsstraße und Oberstadt – eingelöst worden, 13 Prozent im oder um den Kaufpark Wehrda. 550 Geschäfte nahmen teil, die laut Statistik bei der Gutschein-Einlösung meist deutlich mehr als nur den Gegenwert einnahmen.

Wieso überhaupt vom Taschengeld etwas übrig blieb? Laut Patricia Grähling von der Pressestelle lag das nicht an Shopping- oder Spenden-Unlust, sondern daran, dass einige der 75.000 Gutschein-Briefe – rund 2.000 – gar nicht erst zugestellt werden konnten. Rund ein Viertel des offenen Betrags (gesamt rund 400.000 Euro, der aber wegen offener Abrechnungen noch sinken könne) geht somit auf jene zurück, die zwar in Marburg gemeldet sind, aber tatsächlich nicht mehr in der Stadt wohnen.

Als „großen Erfolg und tolles Zeichen der Solidarität mit den Betrieben vor Ort“, bezeichnet Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) die Aktion, die als „Anstoß und Motivation für das lokale Einkaufen“ gedacht war und das Ziel „mit Wucht“ erfüllt habe.

Von Björn Wisker

19.08.2020
19.08.2020
17.08.2020