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Marburg Strafkammer sieht Bluttat als erwiesen an
Marburg Strafkammer sieht Bluttat als erwiesen an
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07:46 26.02.2020
Blick auf Cyriaxweimar: Hier ereignete sich die Bluttat. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

Am dritten Tag des Prozesses gegen einen 45-jährigen Syrer wurde am Dienstag das Urteil gesprochen. Acht Stich- und Schnittverletzungen soll der Angeklagte seiner Ehefrau mit einem Messer zugefügt haben, bevor er mit den drei gemeinsamen Kindern davonfuhr. Von der 1. Strafkammer des Landgerichts wurde der Angeklagte aufgrund des Vorfalls am Ostersamstag 2019 in Cyriaxweimar zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monate verurteilt.

Nach einer eingehenden Beratung des Gerichts sprach der Vorsitzende Richter Dr. Marco Herzog das Urteil: Der Angeklagte habe sich der ihm vorgeworfenen Taten – Geiselnahme und schwere Körperverletzung – strafbar gemacht. Ihm werde zugute gehalten, dass die Zeit der Geiselnahme seiner Frau zeitlich begrenzt war, sowie dass dieser nach der Tat den Notruf abgesetzt habe. Somit sei gewährleistet gewesen, dass seine durch die Schnitt- und Stichverletzungen verletzte Frau an diesen Verletzungen nicht gestorben sei. 

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Das Gericht ist ebenfalls davon überzeugt, dass sich die Tat so zugetragen hat, wie die Ehefrau des Angeklagten und Nebenklägerin dies bei sämtlichen Vernehmungen und auch vor Gericht wiedergeben hat. 

Notruf spricht für den Angeklagten

Dem Angeklagten hingegen seien Widersprüche in seiner Aussage vorgeworfen worden, so dass seine Einlassung teilweise in den zurückliegenden Prozesstagen widerlegt worden seien. 

Schlussendlich verurteilte das Gericht den 45-jährigen Syrer zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten und ordnete Haftfortdauer an. Außerdem wurden dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens sowie die Auslagen der Nebenklägerin auferlegt. Weder die Verteidigung noch die Staatsanwaltschaft haben auf Rechtsmittel verzichtet. So ist nun abzuwarten, ob es hier in Revision oder Berufung gehe. 

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft schilderte umfangreich erneut die Erwägungsgründe für die Strafzumessungen, die die Staatsanwaltschaft forderte. Hier sehe das Gesetz eine Mindeststrafe für die Geiselnahme nicht unter fünf Jahren Freiheitsstrafe sowie für die gefährliche Körperverletzung eine Strafzumessung von 6 Monaten bis 10 Jahre. Die Staatsanwaltschaft hält dem Angeklagten hingegen zu Gute, dass er circa eine halbe Stunde nach der Tat, als er sich bereits auf der Flucht mit seinen Kindern befunden habe, einen Notruf abgesetzt habe. 

Verteidiger: Mandant ist schuldig

Dass hingegen seine schwerverletzte Frau sich eigens bereits aus dem Haus bewegen konnte und durch Nachbarn betreut und Hilfe verständigt wurde, habe der Angeklagte nicht wissen können. 

Auch sei aus der Beweisaufnahme bewiesen, dass der Angeklagte sich seiner Frau bemächtigt habe, in dem dieser zur Klärung des Sachverhalts die Tür des Badezimmers mittels Schlüssel verschloss. Somit fordert die Staatsanwaltschaft unter Berücksichtigung aller Für und Wider, den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten zu verurteilen.

Der Vertreter der Nebenklage stimmte vollumfänglich der Staatsanwaltschaft zu. Er stellte nochmal klar heraus, dass der Angeklagte weder ein umfangreiches Geständnis abgelegt habe noch Reue gezeigt oder sich entschuldigt habe. Der Verteidiger stellte heraus, dass sich sein Mandant schuldig gemacht habe. So sei in diesem Fall nicht mit einem Freispruch zu rechnen. 

Angeklagter beteuert, er könne sich nicht an Tat erinnern

Der Verteidiger betonte allerdings, dass er im Vorfeld des Verfahrens mehrfach auf seinen Mandanten eingeredet und ihm nahegelegt habe, er solle sich überlegen, ob er ein Geständnis ablegen wolle, da sich dieses strafmildernd hätte auswirken können, so der Verteidiger.

Allerdings habe der Angeklagte beteuert, dass er sich nicht an die Tat erinnern und sich ebenfalls auch nicht erklären könne, wie die zahlreichen Stichverletzungen seiner Frau zustande gekommen seien. Der Verteidiger bat das Gericht um ein mildes Urteil und betrachtete eine Strafhöhe von zwei Jahren und fünf Monaten als angemessen. 

Das Schlusswort trug der Angeklagte unter Tränen vor. Darin sagte er, dass es ihm sehr leid täte, was passiert sei. Sein Leben sei kaputt, er vermisse seine Kinder, und er sei auch nur ein Mensch. Auch stellte der Angeklagte heraus, dass er kein Krimineller sei.

von Jörn George

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