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Marburg Geiselnahme-Prozess: „Frau hätte sterben können“
Marburg Geiselnahme-Prozess: „Frau hätte sterben können“
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07:49 25.02.2020
Symbolfoto: Eine modellhafte Nachbildung der Justitia steht im Raum eines Richters des Landgerichts neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Quelle: Volker Hartmann/dpa
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Marburg

Der zweite Verhandlungstag im Geiselnahme-Prozess und schwerer Körperverletzung vor der 1. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Dr. Marco Herzog wurde mit der Vernehmung von zwölf Zeugen fortgesetzt. Einige Zeugen aus dem näheren Umfeld des 45-jährigen Angeklagten und seiner geschädigten Frau wurden befragt.

So schilderte die 43 Jahre alte­ Ehefrau eines Cousins des ­Angeklagten, dass sie am Tattag ­einen Anruf von einem Cousin erhalten habe. Dieser hatte sie gebeten, mit ihrem Mann zu der gemeinsamen Wohnung der ­Geschädigten und des Angeklagten zu fahren, um sich über den Gesundheitszustand der Frau zu informieren.

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Acht Schnitt- und Stichverletzungen soll der Angeklagte seiner Frau mit einem Küchenmesser zugefügt haben, bevor er mit den drei gemeinsa­men Kindern davonfuhr. Dem 45-jährigen Familienvater wird vorgeworfen, seine Frau am Ostersamstag vergangenen Jahres im Badezimmer der gemeinsamen Wohnung in Cyriaxweimar lebensgefährlich verletzt und sie dann zurückgelassen zu haben (die OP berichtete).

Mögliches Motiv: Untreue

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der aus Syrien stammende Mann seine Frau verdächtigt hatte, ihm untreu gewesen zu sein. Dies hatte der Angeklagte in seiner Ansage zwar auch bestätigt. Er hatte allerdings abgestritten, seine Frau mit Absicht verletzt zu haben.

Zahlreiche beteiligte Polizeibeamte von der Kriminalpolizei Marburg sowie der Spurensicherung, die mit dem Verfahren und den Ermittlungen betraut waren, gaben gestern ihre Erkenntnisse aus Vernehmungen und Tatortbildern dem ­Gericht wieder.

Festgestellt wurde so beispielsweise, dass sich nach Angaben der ermittelnden Beamten kein Spachtel mehr im Badezimmer befunden habe. Auch von dem Tatwerkzeug, das sich als ein großes Küchenmesser herausstellte, ist nichts am Tatort gefunden worden.

Notruf: Angeklagter bat um Hilfe für Ehefrau

Was am Tatort gefunden wurde, war eine riesige Blutlache, die auf die zahlreichen Stichverletzungen zurückzuführen­ sind, so der Gutachter, ein Rechtsmediziner, der vom ­Gericht über Art und Tiefe der Verletzungen befragt wurde.

Er betonte, dass die erlittenen Stichverletzungen auch zum Tod hätten führen können, wenn ­eine ärztliche Versorgung nicht zeitnah erfolgt wäre. „Die Frau hätte sterben können, wenn ihr nicht binnen Stunden geholfen wäre“, betonte der Gutachter. Durch zahlreiche eingegangene Notrufe in der Leitstelle der Feuerwehr und Rettungsdienst, wurde hingegen auch ein Anruf des Angeklagten festgehalten, der darum bat, dass seiner Frau geholfen werde. 

Eine ermittelnde Beamtin der Polizei Marburg, teilte mit, dass bei der in Inaugenscheinnahme der Wohnung im Messerblock in der Küche zwei größere Messer fehlten. Die weiteren dem Messerblock zugeordneten Messer­ konnten in Spüle und Spülmaschine gefunden werden. 

Für die Nahbereichssuche zur Aufspürung eventueller Tatwerkzeuge wurde sogar ein Spürhund eingesetzt, berichteten die Beamten. Doch vergebens. 

Auch auf Aussagen des Angeklagten vom ersten Verhandlungstag wurden mehrere Zeugen angesprochen, um eventuelle Widersprüche aufzuklären. So kam mehrfach die Nachfrage, ob die Badezimmertür – hinter der sich die Bluttat ereignete – mittels eines Schlüssels verschlossen gewesen sei oder nur geschlossen wurde, so dass die anwesenden Kinder von dem Vorfall nichts mitbekamen. Doch keiner der Zeugen konnte hierauf eine klärende Aussage treffen.

von Jörn George

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