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Marburg „Gehirne lernen am besten in Gemeinschaft“
Marburg „Gehirne lernen am besten in Gemeinschaft“
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13:00 07.10.2021
Diskussionsrunde über asynchrones Lernen.
Diskussionsrunde über asynchrones Lernen. Quelle: Rainer Waldinger
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Marburg

Björn Gemmer, der Schulleiter der Steinmühle und neue Vorsitzende der Vereinigung „Die Internate“, war zufrieden: Zum ersten Mal seit Corona trafen sich Vertreter der Internate in Deutschland zu einer großen Tagung in Marburg – und nahmen wichtige Erkenntnisse mit nach Hause. 135 Vertreterinnen der Mitgliedsinternate waren nach Marburg gekommen, um im Wesentlichen über Lehren für den Unterricht nach der Corona-Krise zu diskutieren. „Die Digitalisierung an Schulen ist nicht mehr umkehrbar“, sagt Gemmer, und: „Die Aufarbeitung von Inhalten muss sich ändern; Phasen von Teamarbeit sind dringend notwendig.“

Die Experten, die die Steinmühle aufgeboten hatte, befassten sich vor allem mit Konsequenzen aus dem Lernen unter Corona-Bedingungen. „Es reicht nicht aus, den Schülerinnen und Schülern Arbeitspapiere zu mailen und selbstständig ohne Anleitung bearbeiten zu lassen“, sagt etwa der Marburger „Digitalisierungspapst“ Professor Jürgen Handke. Die Aufarbeitung von Inhalten müsse sich ändern, fordert Handke und findet dabei in Gemmer einen Unterstützer.

Bedeutung des Nachahmungsunterrichts

Professor Dr. Martin Korte (TU Braunschweig) forscht vor allem über zelluläre Grundlagen von Lernen und Gedächtnis. Er ging in seinem Vortrag auch der Frage nach, warum unsere Gehirne zum Lernen einen realen Mentor benötigen, warum Nachahmungsunterricht so wichtig ist und warum effektives Lernen das Umfeld der Schule braucht. „Gehirne lernen am besten in einer Gemeinschaft“, sagt Professor Korte. Nach der Phase der digitalen Informationsbeschaffung müsse am besten eine Gruppenphase, der Austausch mit anderen, folgen. Professor Dr. Klaus Zierer (Uni Augsburg) schließlich definiert nachhaltiges Lernen als Lernen, das mit Freude geschieht. Und hier seien Internate in der Lage, das besser umzusetzen als herkömmliche Schulen. Arbeitsgruppen, Sportangebote, Gilden böten hervorragende Voraussetzungen.

In einer Podiumsdiskussion der drei Experten, an der auch Uni-Vizepräsidentin Professor Dr. Evelyn Korn teilnahm, ging es vor allem um den Begriff des „asynchronen Lernens“. Er beinhaltet, so Gemmer, immer individuelles Lernen auch zu verschiedenen Uhrzeiten, und bietet die Möglichkeiten, im Internet zu lernen. Asynchrones muss aber kein digitales Lernen sein. „Hier muss jede Schule sich eigene Ziele setzen. Der Lehrer werde zunehmend vom Wissensvermittler zum Berater. Für Ganztagsschulen, besonders für Internate, sei besonders spannend, wie der Austausch über das asynchron gelernte anschließend organisiert wird. „Die Schülerinnen und Schüler sehen sich ja wieder.“

Von Till Conrad

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