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Marburg Gedichte über „Endlichkeit und Vergänglichkeit“
Marburg Gedichte über „Endlichkeit und Vergänglichkeit“
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16:48 21.11.2020
Gedichte über „Endlichkeit und Vergänglichkeit“ sind Thema einer Anthologie. Quelle: dpa
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Marburg

Alles Leben ist endlich, alles ist vergänglich. Selbst Berge werden irgendwann abgetragen. „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon“, heißt es in Psalm 90,10 der Lutherbibel.

„Unser Buch lädt zu einem gelassenen Umgang mit Alter und Sterben ein – allerdings ohne eine christliche Botschaft. Vielmehr lag uns daran, durch eine Auswahl literarisch hochrangiger Gedichte nach eher klassischem Geschmack die Kunst nicht nur als etwas Schönes zu begreifen, sondern deutlich zu machen, dass sie durchaus auch Tröstliches hat.“

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Das Spektrum der von ihnen ausgewählten Autorinnen und Autoren reicht von Francesco Petrarca (1304–1374) bis Wilhelm Busch (1832–1908), von Theodor Fontane (1819–1898) bis Wolfgang Bächler (1925–2007), von Lars Gustafsson (1936–2016) bis Ibn Hazm (994–1064), von Ingeborg Bachmann (1926–1973) bis Friederike Mayröcker (geboren 1924) und von der japanischen Hofdame Izumi Shikibu (um 974–1033/34) bis Ernst Jandl (1925–2000). Abgedeckt werden sehr unterschiedliche Kulturen und Epochen.

„Unsere Auswahl wurde ohne literaturwissenschaftlichen Anspruch und nicht im Streben nach Vollständigkeit getroffen“, schreiben die Autoren in ihrem Nachwort. Beispiele aus Christentum und Islam seien selten, weil beiden Religionen „die hier im Vordergrund stehende Perspektive des Endlichen eher fremd ist“. Auch bei den alten Griechen und Römern sind sie kaum fündig geworden. „Offenbar überließ man in der Antike diese Thematik lieber den Philosophen und bevorzugte in der Lyrik Liebe, Satire und mythische Stoffe“, so Groll und Walther. Für ihre Auswahl sei entscheidend gewesen, dass ein Gedicht durch seine „Wortkunst“ ihrem subjektiven Bedürfnis nach Schönheit und Ordnung entgegenkomme.

Groll und Walter wurden beide 1940 geboren. Kennengelernt haben sie sich an einem humanistischen Gymnasium in München. Seither sind sie Freunde, der Kontakt ist nie abgerissen. „Rund vier Jahre lang haben wir an der Anthologie gearbeitet“, sagt Walther.

Bewusst ist den beiden Herausgebern, dass Lyrik auf dem heutigen Buchmarkt nur noch eine untergeordnete Rolle spielt – auch wenn der Literaturnobelpreis in diesem Jahr an eine Lyrikerin (die US-Amerikanerin Louise Glück) und der deutsche Buchpreis an ein Heldinnenepos von Anne Weber gingen. So hätten sie von Verlagen zwar positive Rückmeldungen für ihre Auswahl erhalten, verlegen wollte das Buch aber kein Verlag. Das Argument: „Lyrik geht nicht.“

So haben sie viel Geld in die Hand genommen und ihre Anthologie „Endlichkeit und Vergänglichkeit“ eben im Selbstverlag herausgegeben. Die Auswahl der Gedichte, das Layout des Buches, Verhandlungen mit Verlagen – all das hat sie fast vier Jahre lang in Anspruch genommen. Für sie fallen nicht nur Druckkosten an, sondern auch Tantiemen für Abdruckgenehmigungen für jüngere Gedichte. Denn das Urheberrecht schützt das geistige Eigentum der Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst bis 70 Jahre nach ihrem Tod.

Sie hätten viele positive Reaktionen von Leserinnen und Lesern erhalten, sagt Walther. Die Anthologie habe sich „zu einem Projekt entwickelt, von dem wir voll überzeugt sind“. Der Marburger ergänzt: „Wir haben eine Lücke entdeckt, das Buch ist etwas Beständiges.“

Mathias Groll / Christian Walther: „Endlichkeit und Vergänglichkeit. Eine Lyrik-Anthologie“, tredition, 234 Seiten, 18,99 Euro; ISBN 978-3-347-00105-3.

Von Uwe Badouin

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