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Marburg Schließung ist „Vollkatastrophe“
Marburg Schließung ist „Vollkatastrophe“
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08:00 16.07.2019
Eine Hebamme steht auf diesem Symbolfoto neben einem Säuglingsbett in einer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Quelle: Arno Burgi
Marburg

Schon kurz, nachdem die OP über die Schließung berichtet hatte, wetterte die Gewerkschaft auf Facebook, dass sich der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband, unter dessen Dach das Krankenhaus geführt wird, wie ein „stinknormaler Konzern“ benehme – es gehe nicht um die bestmögliche Versorgung oder gar um die Beschäftigten. „Auf der Strecke bleiben engagierte Kolleginnen, die jahrelang ihr Bestes gegeben haben und der Geburtshilfe in Wehrda einen Spitzenruf erarbeitet haben“, hieß es da.

Gewerkschaftssekretär Fabian­ Dzewas-Rehm konkretisiert im Gespräch mit der OP: „Für die Region ist die Schließung eine­ Vollkatastrophe. Dieses fortgesetzte Kreißsaalsterben ist ­gesundheitspolitisch ein Offenbarungseid. Dort müsste die ­Politik einschreiten.“

Nun ist die Katze aus dem Sack: Das Diakoniekrankenhaus #Marburg-#Wehrda schließt die Geburtshilfe und die Frauenklinik...

Gepostet von ver.di Lbz. Hessen: Fachbereich 03 am Freitag, 12. Juli 2019

Für Rehm ist klar, dass es die Wahlfreiheit über den Geburtsort geben müsse – „die ist nicht mehr gegeben“. Es laufe­ etwas „grundsätzlich falsch“ – die Diakonie müsste, wenn sie den christlichen Gedanken ernst nehme, auch „unter der Voraus­setzung eines Defizits die ­Geburtshilfe fortführen. Denn was gibt es Wichtigeres, als die Geburt zu ermöglichen?“, fragt der Gewerkschaftssekretär.

Eine weitere Befürchtung: Zwar werde das UKGM die zusätzlichen Geburten nun übernehmen, denn das hatte die Klinik bereits angekündigt. „Aber das geht natürlich in erster Linie wahrscheinlich auf Kosten der dort Beschäftigten, die diese Arbeitsbelastung nun zusätzlich schultern müssen.“

OB Spies: "unterstützen sinnvolle Lösungsansätze"

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sagt auf Anfrage der OP: „Natürlich ist es sehr bedauerlich, dass das Diakonie-Krankenhaus in Wehrda seine Geburtsstation­ nun so kurzfristig geschlossen hat. Sie war ein von vielen Paaren gewünschter, ausdrücklich­ gewählter und sehr beliebter Ort, um Kinder zu bekommen.“ Wenn es allerdings nicht mehr genug Fachpersonal für die ­Geburtsstation gebe, sei der Betrieb „leider nicht mehr möglich. Wir sind froh und dankbar, dass das UKGM ebenso kurzfristig einspringen kann. Unser Ziel muss dennoch sein, dass Frauen sich die Bedingungen einer Entbindung aussuchen können und größtmögliche Wahlfreiheit haben. Dabei unterstützen wir gerne alle sinnvollen Lösungsansätze.“

Darüber hinaus hatte die Marburger Stadtverordneten-Versammlung am 28. Mai beschlossen, in der Causa Geburtshilfe-­Schließung das Gespräch mit dem Land zu suchen. „Die Krankenhausversorgung liegt in der Zuständigkeit des Landes und des Landkreises, die Stadt Marburg nimmt eine ­begleitende und unterstützende Rolle ein“, erläuterte Spies. Der Magistrat habe nach dem Stadtverordnetenbeschluss vor sechs Wochen Gespräche aufgenommen – „und ist nun von der aktuellen Entwicklung überrascht worden“.

Landrätin: "wichtig, Versorgung sicherzustellen"

Landrätin Kirsten Fründt (SPD) sagte auf Anfrage der OP: „Mit Bedauern habe ich diese Nachricht zur Kenntnis genommen. Wichtig ist jetzt, die ­geburtshilfliche Versorgung und Betreuung von Schwangeren im Landkreis weiter sicherzustellen. Dazu befinden wir uns natürlich regelmäßig im Austausch mit unserem Netzwerk Geburt.“ Auch das UKGM spiele dabei eine wichtige Rolle. „Die Signale, die von dort kommen, sind ja positiv und ich habe den Eindruck, dass das UKGM auf diese Situation vorbereitet ist. Auch die Frage einer weiteren Nutzung der vorhandenen und gut ausgestatteten Räumlichkeiten in Wehrda ist ja noch nicht abschließend geklärt“, so Fründt.

So reagierten die OP-Facebook-Fans auf das Aus:

Wegen akuten Personalmangels:

Gepostet von Oberhessische Presse am Freitag, 12. Juli 2019

von Andreas Schmidt