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Marburg Die Gasversorgung ist sicherer geworden
Marburg Die Gasversorgung ist sicherer geworden
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17:59 11.09.2020
70.000 Einzelteile – wie diese Düsen – lagern im Enermess-Lager in Gisselberg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das war ein Mammutprojekt! Die Stadtwerke Marburg haben in den vergangenen Monaten alle mehr als 22.000 Gasgeräte in Marburg erfasst und auf so genanntes H-Gas umgestellt. „H“ steht für „high“, zu Deutsch „Hoch“ und bezeichnet den Energiegehalt des Gases.

Hintergrund: In den Niederlanden wird die Förderung von L-Gas (L steht für „low“, niedriger Energiegehalt) eingestellt, nachdem es in den Fördergebieten schon zu einzelnen Setzungen gekommen war. Die Umstellung auf das H-Gas ist bundesweit erforderlich.

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Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller und der verantwortliche Projektleiter Thomas Brandherm ziehen eine zufriedene Bilanz: Im Zuge der Umstellung während der vergangenen zweieinhalb Jahre wurde die Versorgungssicherheit erhöht.

Bei Großseelheim entstand eine zweite Erdgaseinspeisung in das Netz, das Marburg versorgt. Und: Fast 1.500 Geräte hatten Mängel, die meisten davon an der Abgasanlage, und wurden repariert oder ausgetauscht.

Als verantwortlicher Netzbetreiber mussten die Stadtwerke Spezialisten in jeden Haushalt mit Gasanschluss schicken, die die Gasgeräte erfasst, auf das neue Gas angepasst und nötigenfalls ausgetauscht haben.

Umstellung dauerte ein halbes Jahr

„Das war eine logistische Herausforderung“, blickt Dr. Müller zurück, immerhin mussten innerhalb eines Zeitraum von nur wenigen Wochen alle Gasgeräte auf das neue H-Gas angepasst sein. Von Januar bis Dezember 2018 wurden alle Erdgasgeräte erfasst.

Alle erfassten Endgeräte in Marburg wurden physikalisch für die Verwendung der neuen Erdgasqualität zwischen Februar und Herbst 2019 angepasst. Das Marburger Gasnetz wurde mit Fertigstellung der Entnahmestelle bei Großseelheim hydraulisch geteilt, und es entstanden zwei Schaltkreise. Am 16. Juli und am 3. September 2019 wurde das Erdgas H in die beiden Schaltkreise des Marburger Netzes eingespeist.

Bis zu sechs Monate dauerte es dann, bis die letzten Geräte angepasst waren. Zusätzliche Verzögerungen gab es, berichtet Brandherm, wegen teils erheblichen Wartungsrückständen und nicht immer vorbildlicher Termintreue. So verzeichneten die Stadtwerke mehr als 3.100 vergebliche Anfahrten.

Kosten von 280 Euro pro Gerät

Für die Stadtwerke Marburg hat die Umstellung auch langfristige Folgen: Auf dem früheren EAM-Gelände in Gisselberg entstand das Lager für alle Ersatzteile, die für die Anpassung benötigt werden – 70.000 Einzelteile im Gesamtwert in siebenstelliger Höhe. Dieses Lager, angemietet von dem Dienstleister Enermess (Energie Mess- und Servicedienste GmbH) aus Magdeburg, bleibt bestehen und ist so etwas wie eine Logistikzentrale für die Erdgasumstellung in Norddeutschland. Von hier aus werden die Fachleute der beauftragten Dienstleister mit den notwendigen Ersatzteilen versorgt – von der Düse bis zum Gaszähler.

Insgesamt hat das Projekt Umstellung in Marburg 5,5 Millionen Euro gekostet, das sind 280 Euro pro Gerät. Die Kosten werden auf alle Gasabnehmer bundesweit umgelegt.

Zahlen und Fakten zur Gasumstellung:

  • 22.082 Gasgeräte bei 16.106 Verbrauchsstellen: 1.870 Kochgeräte, 7.362 Wasserheizer, 10.102 Heizgeräte, 2.748 Sonstige (davon 900 Labor- und Bunsenbrenner).

  • 1.380 Geräte nicht anpassungsfähig und deswegen ausgetauscht.

  • 130 Kunden verweigerten den Zutritt zur Wohnung.

  • 60 Kunden wurde deswegen die Gaszufuhr vorübergehend gesperrt.

  • 30 Geräte wurden bei der Anpassung beschädigt (etwa durch handwerkliche Defekte oder fehlerhafte Daten von Herstellern).

  • 1.153 Geräte mit zunächst unklarer deutscher Zulassung; nach Einzelabklärung nur 11 Geräte ohne Zulassung.

  • Die ältesten gefundenen Geräte: ein Wandheizofen und zwei Raumheizer aus der Zeit von 1948 bis 1956.

Von Till Conrad

11.09.2020
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