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Marburg Wie trifft die Gasumlage die Verbraucher?
Marburg Wie trifft die Gasumlage die Verbraucher?
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20:30 06.08.2022
Die Anzeige einer Gasuhr in einem Privathaus.
Die Anzeige einer Gasuhr in einem Privathaus. Quelle: Bernd Weißbrod
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Marburg

Mit einer staatlichen Gasumlage will die Bundesregierung ab Oktober Gasversorger wie Uniper stützen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende günstigere Gaslieferungen aus Russland kaufen müssen. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dies noch höhere Gaspreise ab dem Herbst. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt. Auf eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden kämen nach Berechnungen des Portals Verivox Mehrkosten zwischen 357 und 1 190 Euro zu.

Umstritten ist noch, ob die Mehrwertsteuer auf die Umlage gestrichen wird. Dann würden die Mehrkosten um bis zu 200 Euro niedriger ausfallen.

Doch 1,5 bis 5 Cent ist eine große Spanne. Mit welchem Betrag ist nun tatsächlich zu rechnen? Auch die Marburger Stadtwerke können derzeit nach eigenen Angaben noch nicht abschätzen, wie hoch die Umlage für ihre rund 16 000 Gaskunden ausfallen wird. Vereinzelt seien dazu auch schon Kundenfragen bei den Stadtwerken eingegangen, berichtet Stadtwerke-Sprecher Jonas Becker auf OP-Anfrage. „Auch dabei müssen die Stadtwerke antworten, dass zunächst die konkrete Höhe der Umlage bekannt sein muss“, sagt Becker und versichert: „Sobald die Höhe bekannt ist, werden die Kundinnen und Kunden der Stadtwerke informiert.“

Die wesentliche Größe der Gasumlage bemisst sich am ursprünglichen Einkaufspreis der Importeure und dem Preis, zu dem sie die ausbleibenden Mengen nachbeschaffen müssen, erläutert Sandra Hübner, Sprecherin des Energieversorgers EAM, auf Anfrage der OP. „Beide Werte können wir als Endkundenlieferant nicht einschätzen“, so Hübner.

Veröffentlichung spätestens 15. August

Nach dem, was aus dem aktuellen Entwurf der Gasbeschaffungsverordnung bekannt ist, soll die Umlage spätestens am 15. August vom Marktgebietsverantwortlichen veröffentlicht werden. Das sei für die EAM die Trading Hub Europe. Nach eigenen Angaben hat die EAM einen geringen Rückgang der Gasbezüge in den vergangenen drei Monaten registriert. „Ob dies Witterungsgründe hat oder aufgrund von Einsparungen geschehen ist, können wir derzeit nicht einschätzen“, sagt Hübner. Auch die Analyse, ob vor allem Gewerbe- und Industriekunden oder Privathaushalte weniger verbrauchten, laufe noch.

Nicht nur Privatkunden, sondern auch Gastronomen blicken mit Sorge auf die drohende Preiserhöhung. „Das wird schon spürbar sein", sagt Felix Heinzmann, der mit seinem Cousin Peter unter anderem das Wirtshaus „Emils“ und das Hotel „Stümpelstal“ leitet. Gas wird dort nicht nur zum Heizen der Gasträume und Hotelzimmer gebraucht, sondern auch zum Kochen und für Warmwasser.

„In der Gastronomie muss es letztendlich auf den Endverbraucher umgelegt werden“, sagt Heinzmann. Allerdings seien die Preise in der Gastronomie ohnehin schon erhöht worden, weil buchstäblich alles teurer werde – von Lebensmitteln bis Energie. Nun kommen im Herbst noch die Mindestlohn-Erhöhung und eben die Gasumlage hinzu: „Das wird uns in der Form belasten, dass der Absatz sinkt.“

Auch das Studentenwerk Marburg wird die Gasumlage betreffen. Zwar wird die Mensa nicht mit Gas beheizt, aber die Wohngebäude. Genaue Angaben zur Höhe kann Gerald Pauly vom Studentenwerk aber nicht machen, da der Versorger die Umlage erst beziffern müsse. Allerdings können laut Pauly einige Wohngebäude von Gas zu Öl umgestellt werden.

Von unseren Redakteuren