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Marburg Auch ein Garten kann Bio werden
Marburg Auch ein Garten kann Bio werden
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15:58 29.07.2020
Gartenarchitekt Jens Maute will sich zum zertifizierten Bioland-Gartenbauer klassifizieren – und sucht Mitstreiter. Quelle: Ina Tannert
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Ist diese Staude eigentlich Bio? Diese Frage dürften Gartenbesitzer vermutlich selten zu hören bekommen. Es ist auch noch kaum bekannt, dass nicht nur Lebensmittel, Kleidung, Baustoffe oder andere Dinge des Alltags nachhaltig und ökologisch produziert und transportiert werden können – sondern auch das, was im heimischen Garten wächst, steht oder liegt. Das sagt der Marburger Garten- und Landschaftsbauer Jens Maute, der sich aus einem bestimmten Grund näher mit dem Thema befasst hat.

Er versucht bereits im privaten wie beruflichen Alltag möglichst klimaschonend zu leben, achtet darauf, welche Lebensmittel er kauft, wie oft man tatsächlich ins Auto steigen muss oder eben woher seine Arbeitsmittel stammen: Samen, Setzlinge, Pflanzen aller Art, aber auch Kies, Holz und Stein zur Gartengestaltung. All das findet regelmäßig seinen Weg auf Baustellen und in Gärten aller Art. Und gerade die, draußen in der Natur, meistens mit viel Grün – werden fast schon automatisch als natürliche Umgebung mit Bio-Potenzial wahrgenommen. Das sei in der Regel aber nicht der Fall. Nur wenige machten sich Gedanken, woher das schöne Grün, die farbenfrohen Blumen oder die hübsche Steinterrasse eigentlich ursprünglich stammen, ob die als nachhaltig oder ökologisch zu bezeichnen sind, „in der Gartengestaltung existiert das bei den allermeisten Leuten noch nicht“. Vielleicht aber wandelt der Gartenbesitzer auf Stein aus fernen Ländern, der auf langen Transportwegen importiert wurde, mit entsprechend hoher CO2-Bilanz. Die exotische Blume wurde vielleicht ebenfalls auf der anderen Seite der Welt unter viel Pestizid-Einsatz gezüchtet und auch der Gartenschmuck aus Tropenholz muss erst einmal hergebracht werden.

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Das lehnt Maute schon jetzt ab, will sein Angebot noch um einen geprüften Bio-Bereich ergänzen. Dazu muss er sein Unternehmen nach den Richtlinien von Bioland zertifizieren lassen. Bioland zertifiziert nicht nur ökologisch nachhaltig erzeugte Lebensmittel nach strengeren Richtlinien als andere Bio-Siegel, sondern überprüft und zeichnet in Kooperation mit dem Verein „Naturgärten“ auch naturnahen Garten- und Landschaftsbau sowie Produktionsbetriebe im Wildpflanzen- und Wildsamenanbau aus. Damit soll der ressourcenschonende Einsatz einheimischer, biologisch erzeugter Wildpflanzen und umweltverträglicher Baumaterialien gefördert werden.

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Genau dieses Zertifikat will Maute erhalten, muss dafür aber eigene Bio-Bauprojekte vorweisen und hat sich eingelesen. Noch immer etwas erschlagen ist er von der Vielfalt, was dabei im Garten alles machbar ist beziehungsweise bislang kaum beachtet wurde, „man muss viel genauer hingucken, es ist ein ganz neuer Anspruch und das Potenzial ist gigantisch“, sagt er.

Es gibt verschiedene Schwerpunkte in nahezu allen Bereichen eines Gartens zu beachten, die jeweils Punkte in der Bewertung bringen: Im Bio-Garten sollten möglichst viele, wenn auch nicht ausschließlich einheimische, biologisch produzierte Wildpflanzen wachsen, die bestenfalls aus der Region stammen, ob als Samen, Setzling oder ausgewachsene Pflanze. Pflanzen von anderen Kontinenten oder Saatgut – etwa das argentinische Eisenkraut oder die Indianer-Nessel – scheiden da eher aus. Ebenso wie Kieswüsten. Auch die Gestaltung fällt ins Gewicht, vom heimischen Holz bis zum Stein, das für Beete, Wege oder Terrassen genutzt wird. Statt indischem Naturstein, etwa regionaler Sandstein. Selbst die Produktionsweise von Beton ist ausschlaggebend. Auch Totholzhaufen oder Dachbegrünung bringen weitere Öko-Punkte. „Es geht um die komplette Gestaltung, der Nachhaltigkeitsgedanke fließt in alle Bereiche ein“, erklärt Maute.

Die Vorgaben sind streng, alleine die lokale Beschaffung eine Herausforderung, angefangen bei regionalen, ungespritzten Saat, bis zum Bäumchen aus der ökologisch arbeitenden Baumschule. Der Markt dafür sei nicht groß, „das steht alles noch ganz am Anfang und ist deshalb teurer“, sagt Maute. Er hofft, dass sich das ändert, wenn weitere Gartenbaufirmen auf Bio umsteigen.

Noch hat er das begehrte Zertifikat nicht in der Tasche. Eigentlich braucht er drei Gärten, die er neu und nachhaltig gestalten müsste und die überprüft werden. Das Problem: Der Gartenarchitekt hat im Kreis bislang noch keine Flächen, keine Kunden gefunden, die mitmachen, die sich für einen wirklich nachhaltigen Garten entscheiden. Eben weil das noch – mit Ausnahme des ökologischen Gemüsebaus vielleicht – so unbekannt ist. Und es dürfte auch am Preis liegen, einen Garten in Bio-Qualität anzulegen ist teurer als der „konventionelle“ Garten. Für seine Referenz-Projekte würde er daher auch eine Vergünstigung anbieten, sagt Maute.

Für ihn stehen klar die Vorteile im Vordergrund, einerseits die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks der Gartenbesitzer. Andererseits mache ein biologischer Naturgarten auch weniger Arbeit, da der Schwerpunkt etwa auf Wildpflanzen liegt, weniger auf hochgezüchteten Zierpflanzen, die viel Pflege bräuchten. „Man tut etwas für die Umwelt, für Insekten und hat weniger Arbeit, man entscheidet das für die Natur und für sich selber“, ist Maute überzeugt.

Weitere Informationen unter gartenarchitekt-maute.de

Von Ina Tannert

29.07.2020
29.07.2020