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Marburg Produktion bleibt zunächst in Marburg
Marburg Produktion bleibt zunächst in Marburg
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20:56 22.10.2019
Ein Blick in die Impfstoff-Herstellung bei GSK: Der Konzern hat zwei Impfstoffe an ein dänisches Unternehmen verkauft – die Produktion bleibt jedoch für weitere fünf Jahre in Marburg. Quelle: GSK
Marburg

Die Belegschaft wurde am Dienstag (22. Oktober) in einer Betriebsversammlung über die jüngsten Entwicklungen am GSK-Standort Marburg informiert. Demnach hat der Mutterkonzern die Impfstoffe gegen Tollwut und FSME an den dänischen Konzern Bavarian Nordic verkauft – für insgesamt umgerechnet rund 955 Millionen Euro. In 2015 hatte GSK diese Impfstoffe im Zusammenhang mit der Übernahme der Impfstoff-Sparte von Novartis erworben.

Roger Connor, Verantwortlicher der globalen Impfstoff-Sparte des Konzerns, erläutert, dass es der Verkauf dem Konzern vereinfache, in Wachstumsfelder, Innovationen und eine vereinfachte Lieferkette im Impfstoffgeschäft zu investieren. Gleichzeitig sei durch die Vereinbarung sichergestellt, dass der Impfstoff auch weiterhin in ausreichender Zahl zur Verfügung stehe.

Denn: Obwohl die Impfstoffe – vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden – verkauft wurden, bleibt die Produktion mindestens noch für fünf Jahre in Marburg. „Für den Standort ändert sich zunächst überhaupt nichts – unsere Mitarbeiter stellen die Impfstoffe weiter her, dann jedoch als Dienstleister“, erläutert GSK-Pressesprecher Dr. Volker Husslein auf Anfrage der OP. Bavarian Nordic besitze nämlich derzeit noch nicht die Produktionsanlagen zur Herstellung – und bis diese fertiggestellt und auch von den Behörden abgenommen seien, dauere es mindestens fünf Jahre. Dementsprechend seien auch keine Arbeitsplätze gefährdet.

Arbeitsplätze sollen langfristig erhalten werden

Jochen Reutter, Geschäftsführer GSK Vaccines Marburg, verdeutlicht: „Ich halte an meinem persönlichen Ziel fest, diese Arbeitsplätze langfristig in Marburg zu erhalten und in den kommenden Jahren freiwerdende Kapazitäten durch andere Produkte zu ersetzen.“ Er schaue weiterhin zuversichtlich in die Zukunft – denn „die laufenden Investitionen von über 300 Millionen Euro auf dem MARS-Campus zeigen uns das kontinuierliche Engagement von GSK in den Standort Marburg.“

GSK erhält im ersten Schritt eine Zahlung in Höhe von rund 301 Millionen Euro, danach wird nach sogenannten Meilensteinen abgerechnet – dann werden weitere 495 Millionen Euro an GSK fließen. Hinzu kommen Lagerbestände, deren Wert zum Stichtag mit rund 195 Millionen Euro angesetzt ist. GSK versichert, dass im Zuge des Verkaufs weder Mitarbeiter noch Produktionsanlagen verlagert werden.

Rabipur/Rabavert ist ein Impfstoff gegen Tollwut, während Encepur vor dem durch Zecken übertragenen Enzephalitis-Virus (FSME) schützt. Die beiden Arzneimittel hatten zuletzt einen kombinierten Jahresumsatz von rund 175 Millionen Euro.

von Andreas Schmidt