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Marburg „Rudelgucken“ unter Auflagen
Marburg „Rudelgucken“ unter Auflagen
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07:58 22.06.2021
Gäste in einer Bar auf Mallorca schauen sich das Spiel zwischen Deutschland und Portugal an.
Gäste in einer Bar auf Mallorca schauen sich das Spiel zwischen Deutschland und Portugal an. Quelle: Symbolfoto: Clara Margais/dpa
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Marburg

Die Europameisterschaft ist in vollem Gange und spätestens seit Samstag dürfte bei vielen Fans nach dem deutschen Sieg gegen Portugal die Fußball-Euphorie in Schwung gekommen sein. Bei dem anhaltenden Sommerwetter eigentlich die Gelegenheit für ausgelassene Feiern auf der Fanmeile vor der Leinwand mit hunderten Zuschauern. Nur ist die Pandemie noch nicht vorbei und große Public-Viewing-Angebote im Massen-Format gibt es dieses Jahr nicht. Doch zumindest im Kleinen ist einiges drin.

Ausgelebt wurde und wird die EM-Begeisterung auch in Marburg, wo angesichts niedriger Infektionszahlen und zweiter Lockerungsstufe verschiedene Kneipen das klassische „Rudelgucken“ im kleineren Format anbieten. Ein Segen für die von Corona gebeutelte Gastronomie, die sich zuletzt über regen Besucheransturm in den Biergärten mit Live-Übertragung freuen konnte. Anlaufpunkte gibt es in der Stadt einige, darunter „Aldis Stadl“, wo die Fußballfans im Biergarten zusammenkamen. „Wir hatten gerade am Samstag eine super Stimmung und alles hat toll geklappt“, berichtet Inhaber Albrecht „Aldi“ Ende auf Nachfrage.

Erleichterung klingt mit, dass wieder etwas los ist, die EM in diese Zeit der Lockerung fällt und die Gastronomie sich nach einem Jahr Flaute zumindest etwas erholen kann. Das geht indes nur unter Auflagen, Abstands- und Maskenpflicht (für Gäste bis zum Sitzplatz), auch die Kontaktverfolgung ist Pflicht.

In Gruppen vor dem Bildschirm stehend das Spiel verfolgen ist nicht erlaubt, jeder Gast braucht einen Sitzplatz, in der Regel geht jedem Besuch eine Reservierung voraus. Die Gaststätte muss den 1,5-Meter-Abstand zum nächsten Platz gewährleisten, jeder Besucher muss die Kontaktdaten angeben. Ein negativer Coronatest ist im Innenbereich Pflicht, im Außenbereich nicht zwingend erforderlich, sondern wird vom Land Hessen nur empfohlen. Das „Stadl“ hat den Außenbereich mit einem umzäunten und überdachten Stück Wiese mit Genehmigung der Stadt Marburg noch um einiges vergrößert, „so ist es einfacher und die Gäste möchten auch lieber ins Freie“, erklärt Ende.

Die strengen Auflagen wurden bislang bei den Spielen gut angenommen, „die Leute halten sich vorbildlich an die Regeln, es gab bisher keine Diskussionen“, lobt Ende. Er habe dennoch zusätzliche Sicherheitskräfte eingestellt, die das Treiben der Fans im Auge behalten und zur Not auf die Einhaltung der Regeln pochen, „es soll ja vernünftig ablaufen, niemand will, dass es einen Ausbruch gibt“.

Dass sich die Gäste vernünftig verhalten und die Regeln einhalten, das lobt auch Kostas Ioannidis, Inhaber des „Thessaloniki“: „Jeder zieht eine Maske an, die Leute halten sich daran und beim Spiel herrschte richtig Euphorie“, freut sich der Gastronom über einen wieder vollen, wenn auch wegen der Abstandsregeln leicht abgespeckten Biergarten. Dort sei der Andrang an Reservierungen bei den Spielen groß, während an Besuchen im Inneren samt Testpflicht kein Interesse bestünde. „Das kann ich auch verstehen, die Leute wollen bei dem Wetter eben raus.“

Ordnungsamt stellt Maskenpflicht-Verstöße fest

Das EM-Spektakel in der Gastronomie kontrolliert das Marburger Ordnungsamt, das jedoch keine Extra-Kräfte für die Fußballspiele eingestellt habe, teilt die Pressestelle auf Nachfrage mit. Kontrollen der Corona-Regeln durch die Stadtpolizei fänden wie sonst auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitarbeitern statt, diese werden dabei „flexibel eingesetzt, um jeweilige Schwerpunkte verstärkt zu kontrollieren“.

Dabei seien auch Verstöße gegen die Auflagen festgestellt worden, „die häufigsten Verstöße sind die Nichteinhaltung des Abstands und fehlende Mund-Nasen-Bedeckungen“, heißt es von Seiten der Stadt. Diese wurden in den letzten Tagen „bislang kommunikativ gelöst“, auf Bußgelder sei verzichtet worden.

Eine bundesweite Regelung zu Public-Viewing-Angeboten außerhalb der Gastronomie gibt es dieses Jahr nicht. Diese sind nicht untersagt, im Marburger Raum allerdings sind keine geplant, ein Vorteil für die Gastronomen. Auch dem Ordnungsamt sind keine entsprechenden Veranstaltungen bekannt.

Prinzipiell möglich wären diese allerdings, bis zu 200 Personen dürften sich nach aktueller Landesregelung unter freiem Himmel treffen. Vollständig Geimpfte und Genesene würden nicht mitzählen. Alkohol wäre auf publikumsträchtigen Plätzen allerdings verboten. Für den Innenbereich – etwa in Vereinsheimen – gilt eine Personengrenze von 100, regulär mit Hygienekonzept und Testpflicht. Größere Events sind ebenso möglich, benötigen aber eine Genehmigung des Gesundheitsamts.

Das Land weist neben dem Einhalten der Corona-Regeln bei öffentlichen EM-Events aller Art auch auf das Ruhebedürfnis von Anwohnern hin. Dabei gelten für nicht alltägliche Ereignisse durchaus Sonderregeln für Gastronomen bei den üblichen Ruhezeiten: Für die Außengastronomie gibt es die Möglichkeit, „dass es bei seltenen Ereignissen auch nach 22 Uhr etwas lauter werden darf“, berichtete zuletzt etwa das hessische Umweltministerium mit Blick auf die Europameisterschaft. Und weiter: „Dabei ist das Ruhebedürfnis der Anwohnerinnen und Anwohner zu berücksichtigen. Auch Public-Viewing-Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen können durchgeführt werden. Hier gilt die Freizeitlärmrichtlinie, die ebenfalls in bestimmten Sonderfällen zulässt, dass die von der Veranstaltung ausgehende Geräuschkulisse auch nach 22 Uhr etwas erhöht sein darf.“

Das nächste EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn findet morgen ab 21 Uhr statt.

Corona-Regeln in der Gastronomie

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit einem derzeitigen Sieben-Tage-Inzidenzwert von unter 50 gelten weiterhin die Regelungen der Stufe 2 der hessischen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung. Demnach ist für Gäste der Innengastronomie ein tagesaktueller Coronatest Pflicht. Ausgenommen sind Genesene und vollständig Geimpfte. In der Außengastronomie wird der Test lediglich empfohlen. Zudem herrschen Abstands- und Hygieneregeln (Maskenpflicht für Personal, Gäste bis zum Platz, ausreichend Tischabstände, Tischregeln entsprechend Kontaktregel) und Sitzplatzpflicht sowie Kontaktdatenerfassung.

Von Ina Tannert

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