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Marburg Wacken – für uns die Mutter aller Dinge
Marburg Wacken – für uns die Mutter aller Dinge
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16:57 01.05.2021
Die Mitglieder von Fury in the Slaughterhouse, Rainer Schumann (von links), Christian Decker, Gero Drnek, Thorsten Wingenfelder, Christof Stein-Schneider und Kai Wingenfelder. Mit „Now“ bringt die Band das erste Studioalbum seit 13 Jahren heraus.
Die Mitglieder von Fury in the Slaughterhouse, Rainer Schumann (von links), Christian Decker, Gero Drnek, Thorsten Wingenfelder, Christof Stein-Schneider und Kai Wingenfelder. Mit „Now“ bringt die Band das erste Studioalbum seit 13 Jahren heraus. Quelle: Foto: Moritz Frankenberg
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Hannover

Jetzt ist ihr Album „Now“ herausgekommen, aus dem Tatendrang pur spricht. Sänger Kai Wingenfelder, Gitarrist Christof Stein-Schneider und Bassist Christian Decker lassen anhand von Stichworten 35 Jahre Bandgeschichte Revue passieren.

Beginnen wir mit dem Naheliegendsten: die Bandgründung 1986.

Christof Stein-Schneider: Wir brauchten für unsere andere Band eine Vorband. Also haben wir in der alten Besetzung gespielt, hatten keinen eigenen Song und waren besser als die Rockband. Damit war klar: Das bleibt so.

Der Bandname.

Kai Wingenfelder: Wir hatten die ersten Auftritte und mussten Plakate machen. Ich war besoffen und im Bett. Rainer Schumann hat mich nachts angerufen und hat gefragt: „Wie soll denn die Band heißen?“ Es war zwei Uhr nachts. Ich dachte, der hat ’ne Macke, und habe gesagt: „Bibo und der Schlotterklaus, Buhmann Franz-Josef Strauß, Fury in the Slaughterhouse – such dir was aus ...“

Christian Decker: Gut, dass ihr nicht „Such dir was aus“ genommen habt.

Der erste Song.

Stein-Schneider: „Time to wonder“ war schon einer unserer ersten Songs.

Wingenfelder: „On Alarm“ war früher. Der war noch auf dem „From the Middle of Nowhere“-Sampler drauf. „Time to wonder“ haben wir erst bei der Aufnahmesession geschrieben.

Jugendsünden.

Stein-Schneider: Es gab mal eine Fotosession, bei der wir uns haben nackt fotografieren lassen, alle rot bemalt. Ich hoffe, davon gibt es keine Kopien mehr.

Wingenfelder: Ich habe mal mit Michael Smilgies, unserem damaligen Manager, und Martina Maschke einen Porno synchronisiert. Das war meine Jugendsünde.

Das erste Album von 1987.

Stein-Schneider: Aufgenommen im UTV-Studio in zwölf Tagen.

Wingenfelder: Vertrag unterschrieben bei einer Firma, die uns total beschissen hat. Die hat 30 000 Alben in Frankreich pressen lassen, ohne das abzurechnen. Später wurde uns das noch attestiert. So haben wir überhaupt die Goldene Schallplatte bekommen.

Stein-Schneider: Und Rossmann hat uns noch 10 000 Stück abgenommen.

Das neue Album „Now“.

Stein-Schneider: Das beste Album, das wir je gemacht haben.

Wingenfelder: Wir haben etwas geschafft, was wir noch nie geschafft haben: die Energie der Liveband Fury auf eine Platte zu bringen. Bisher war das immer mit angezogener Handbremse. „Mono“ zum Beispiel ist immer noch eine tolle Platte, aber selbst da ist es uns nicht gelungen. Jetzt ist es ein Brett von zwölf Stücken.

Stein-Schneider: Wir hatten auch zum ersten Mal im Studio Spaß.

Songwriting.

Stein-Schneider: Eigentlich sind alle beteiligt.

Decker: Es gab diesmal verschiedene Vorlagen, mit denen wir gearbeitet haben. Vincent ist da aber auch ziemlich schonungslos, sagt Sachen wie: „Strophe passt schon, aber beim Refrain fehlt noch was.“

Stein-Schneider: Vincent musste immer seine Kinder von der Schule abholen. Es gab diesen schönen Moment, wo er sagte: „Ich gehe jetzt mal, und ihr schreibt schön zehn Refrains, bis ich wiederkomme.“

Die beste Hauptband, für die ihr mal gespielt habt.

Alle: Pogues.

Wingenfelder: Das war, glaube ich, Ende der 80er. Am ersten Tag bin ich in die Halle gekommen und habe dem Tourmanager gesagt: „Pass mal auf, da vorne liegt ein Penner auf dem Fußboden. Wenn die Band kommt und der liegt da immer noch, kriegst du bestimmt Ärger.“ Und er sagte: „Schon gut. Das ist Shane MacGowan, der Sänger.“

Rituale vor dem Konzert.

Stein-Schneider: Wir haben Bap abgeguckt, dass wir einen Altar haben.

Wingenfelder: Den haben wir seit 2017 aber nicht mehr ausgepackt.

Decker: Seitdem machen wir diese Bewegungen, dass wir uns im Kreis gegenseitig auf die Schultern schlagen.

Wacken.

Wingenfelder: Für uns heute die Mutter aller Dinge. Denn seitdem unser Management, Holger Hübner, aus Wacken kommt, geht es uns allen gut.

Decker: Was wir seit 2017 gemacht haben, hätten wir ohne ihn nicht gemacht.

Wingenfelder: Er sagt selber: „Ich möchte nicht Manager genannt werden; ich möchte Kümmerer heißen.“ Und das trifft es gut.

Decker: Wacken ist ja auch das bestorganisierte Festival der Welt.

Stein-Schneider: Wenn die die Impfkampagne übernommen hätten, könnten wir jetzt schon die nächste Pandemie nehmen. Die bauen für ihr Festival mal eben eine Stadt für 100 000 Leute. Die könnten das.

Die Bandtrennung 2008.

Wingenfelder: Watt mutt, datt mutt. War besser so. Man trennt sich, damit man Freunde bleibt.

Stein-Schneider: Wenn wir uns damals nicht getrennt hätten, wäre das, was wir jetzt erleben, überhaupt nicht möglich.

Die Wiedervereinigung.

Alle: Wacken!!!

Stein-Schneider: Eigentlich war es auch Holger Hübner. Wolfgang Besemer von Hannover Concerts hatte uns dazu gekriegt, dass wir 2017 diese 30-Jahre-Konzerte in Hannover gegeben haben. Uns wuchs alles über den Kopf, weil es so groß wurde. Und da hat Kai Holger gefragt, ob er nicht ein bisschen hilft. Holger hat irgendwann gefragt: „Wenn ihr jetzt schon probt: Soll ich nicht mal gucken, ob ich nicht ein paar Festivals für euch finde?“

Decker: Und er sagte noch: „Oder habt ihr ein Problem mit Geldverdienen?“ (lacht)

Das liebste eigene Lied.

Stein-Schneider: Im Moment „Replay“.

Wingenfelder: Bei mir war es immer gleich. Auch wenn ich das neue Album auch geil finde: „Every Generation ...“ ist meine Nummer.

Das Lied, das bei keinem Konzert fehlen darf.

Stein-Schneider: „Time to wonder“. Inzwischen haben wir echt das Problem, dass wir zu viele Songs haben. Von der neuen Platte werden wir elf Songs live spielen.

Das Lied, das ihr über habt.

Stein-Schneider: „Radio Orchid“ finde ich inzwischen echt schwierig.

Wingenfelder: Da wirst du dich noch ein bisschen quälen müssen …

Die Familien.

Wingenfelder: Es gibt inzwischen zehn Kinder.

Decker: Mein Sohn sagt, es sei nicht seine Musik, aber er finde einige Lieder ziemlich cool.

Wingenfelder: Meine große Tochter findet alles super. Die andere ist in der Pubertät … Und der Sohnemann steht eigentlich auf dänischen Hip-Hop und japanische Manga-Musik. Aber die neue Platte findet er – sagt er zumindest – „ganz geil“.

Unerlässlich beim Catering.

Stein-Schneider: Bier.

Wingenfelder: Drei gute Flaschen Weißwein, am liebsten Chardonnay.

Das schlimmste Essen.

Stein-Schneider: Die ganze Tour in den USA. Da gab es nur Müll. Nährschlamm. Einmal kam Geros Freundin und hatte ihm zwei Tüten mitgebracht mit Vollkornbrot, Leberwurst und all so ’nem Zeug. Das haben wir in ein paar Stunden auf seinem Zimmer vertilgt.

Die schlimmste Unterkunft.

Decker: Gerade am Anfang gab es so einige, wo man die Schranktüren abgeschraubt und in die Betten gelegt hat, damit die nicht so durchhängen.

Die luxuriöseste Unterkunft.

Wingenfelder: Die Turmsuite im Luisenhof, für ‘n Appel und ’n Ei, bei den Hannover-Konzerten.

Stein-Schneider: Die hat immer nur der Sänger gekriegt.

Wingenfelder: Ihr habt ja auch zuhause geschlafen. Aber ich lebe halt nicht mehr in Hannover.

Unvergesslichster Moment:

Stein-Schneider: Jetzt. „Now“.

Von Stefan Gohlisch

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