Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Für freien ÖPNV, Tempo 30 und Fahrradstraßen
Marburg Für freien ÖPNV, Tempo 30 und Fahrradstraßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 28.03.2021
Am Samstag fand eine Fahrrad-Demo mit 120 Teilnehmern in Marburg statt.
Am Samstag fand eine Fahrrad-Demo mit 120 Teilnehmern in Marburg statt. Quelle: Foto: Beatrix Achinger
Anzeige
Marburg

Denn Lucia Weiss von der Bürgerinitiative Verkehrswende hatte am Elisabeth-Blochmann-Platz als Startpunkt herausgestellt: „Marburgs Straßen sind nicht schmal, sie sind zugeparkt!“ Ein Bündnis aus gut einem Dutzend Kampagnen hatte die Route über problematische Verkehrssituationen der Innenstadt geplant, die Liste an konkreten Forderungen ist lang, angefangen beim Pilgrimstein: „Es ist selbstverständlich, dass diese Straße für Autos gesperrt wird“, sagt Weiss. Man müsse in beide Richtungen sicher Rad fahren können. Auch soll laut dem Bündnis das Parken an der Straßenseite verboten werden. „Zum Parken ist schließlich das Parkhaus da“, ergänzt Hans-Horst Althaus von der BI. Weiter führte der Demonstrationszug zum Bahnhofsvorplatz und „der ist für meine Begriffe ein Totalschaden“, meint der 81-Jährige. Allein am Areal des Aufgangs zum Ortenbergsteg existieren 37 Autoparkplätze – aber nicht ausreichend Abstellmöglichkeiten für Räder. Im Zuge der Parkdecksanierung war ursprünglich eine Lösung geplant: Ein überdachtes Areal als Abstellmöglichkeit plus Fahrradwerkstatt.

Gleich mehrere Problemzonen sieht das Kampagnenbündnis im Südviertel. Und auch Klaus Denfeld, Schulleiter der Kaufmännischen Schulen Marburg (KSM), äußert sich: Der breite Fahrradstreifen in der Wilhelmstraße sei ein klassischer „Nirvana-Radweg“. „Es geht schlicht für radfahrende Schüler, die den Schulstandort in der Leopold-Lucas-Straße erreichen wollen, nicht weiter.“ Das Kampagnenbündnis fordert, die Wilhelmstraße zur Fahrradstraße umzuwidmen – so, wie das „Auf der Weide“ und in der Uferstraße schon geschehen ist. Fahrradfahrer müssten demnach auf der gesamten Straße Vorfahrt haben und das Tempo bestimmen. Eine generelle Forderung an die Universitätsstadt ist ein Tempo-30-Limit im ganzen Ort, wie das schon vielfach bundesweit gefordert worden sei.

Für die Straße „Am Grün“ und den Abschnitt der Leopold-Lucas-Straße an den Standorten der Schulen sehen die Kampagnen eine sogenannte „shared space“-Lösung vor: „Shared space bedeutet, dass alle Vekehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und Autos sich nach Radfahrern und Fußgängern richten müssen“, erklärt Volker Seel von Attac Marburg, wobei die für Radler zentrale Straße „Am Grün“ perspektivisch für Autos gesperrt werden soll. Zum Schulstandort in der Leopold-Lucas-Straße sprach Klaus Denfeld für Philippinum, Elisabethschule und KSM gemeinsam: „Wir drei Schulen wollen, dass Schüler und Lehrer zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu den Schulen gelangen.“

Später kam es zu einer von Extincion Rebellion aufgerufenen Verkehrsblockade. Zwei Frauen setzten sich in der Ketzerbach auf die Straße und hinderten Autos am Weiterfahren. Die Polizei trug die beiden weg. Weil sie im Anschluss noch einmal eine Straße blockierten, wurden sie vorläufig festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt.

Von Beatrix Achinger