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Marburg Für Verkehrswende und Solidarität
Marburg Für Verkehrswende und Solidarität
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20:05 25.03.2022
Rund 700 Menschen beteiligten sich am Freitag an der Klimademo, hier bei der Kundgebung am Piscator-Haus.
Rund 700 Menschen beteiligten sich am Freitag an der Klimademo, hier bei der Kundgebung am Piscator-Haus. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Immer wieder freitags demonstrieren sie: Doch es ist schon eine Weile her, dass die „Fridays for Future“-Gruppe in Marburg zu Kundgebung und Demo aufgerufen hat. Am Freitag, 25. März, war es wieder so weit. Anlass war der Tag für den globalen Klimastreik.

Rund 700 Teilnehmer waren am Nachmittag bei schönstem Frühlingswetter an den Vorplatz der Stadthalle gekommen, um ihre Verbundenheit mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Viele hatten selbstbemalte Plakate und Banner mit eigenen Slogans wie „Verkehrswende statt Radwegende“ für den anschließenden Gang durch die Marburger Innenstadt mitgebracht.

Dabei stand im Vordergrund auch ein ganz konkretes lokales Ziel, um die Verkehrswende voranzubringen: der Einsatz für einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Marburg.

„Die Busse in Marburg sollen für alle kostenlos werden“, sagte Jannis, einer der Organisatoren der Demonstration. Um dieses Ziel zu erreichen, seien bereits 500 Unterschriften für ein dementsprechendes Bürgerbegehren gesammelt worden. Und es soll weiter um Unterstützung dafür geworben werden.

Ein Vertreter der Gruppierung „attac Marburg“ erläuterte, dass ein kostenloser ÖPNV in Marburg ein wichtiger Baustein auf dem Weg einer sozial-ökologischen Transformation sei. Denn im Gegensatz zur durch die Privatwirtschaft unterstützten Automobilität biete der ÖPNV eine klimafreundliche und effiziente Transportmöglichkeit jenseits von Profitinteressen. Mit Hilfe des Ausbaus des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Anschaffung seiner Kosten könne erreicht werden, dass Mobilität ein soziales Recht werde.

Überlagert wurde die Klimademonstration vom Krieg in der Ukraine. Die meisten Redner forderten deswegen auch einen Stopp der russischen Angriffe auf die Ukraine und einen Waffenstillstand. Eine Gastrednerin vom Marburger Bündnis für den Frieden betonte, dass die Klimabewegung und die Friedensbewegung angesichts der aktuellen Krise näher zusammenrücken würden. Es sei zudem auch noch gar nicht abzusehen, was der Krieg für Natur und Umwelt bedeute.

Redner: Müssen unser Wirtschaftssystem erneuern

Waffenlieferungen seien jedenfalls der falsche Weg, um den Krieg zu stoppen, sagte die Vertreterin der Friedensbewegung weiter. Sie zeigte sich unter großem Beifall auch entsetzt über die Entscheidung der Bundesregierung 100 Millionen Euro in dem Sondervermögen für die Bundeswehr zur Verfügung zu stellen.

Ein Redner von „Fridays for Future“ warnte vor, trotz des Ukraine-Krieges den Einsatz für den Klimaschutz nicht aus den Augen zu verlieren. „Wenn wir klimaneutral werden wollen, müssen wir unser Wirtschaftssystem erneuern“, fügte er an.

Das sagen die Teilnehmer zu ihrer Motivation

Anna Günter: Wir brauchen einen sozial gerechten Klimaschutz und müssen konkrete Maßnahmen dafür ergreifen. Ohne Druck tut sich aber nichts. Wir müssen mitbestimmen.

Ingrid Peters: Ich bin für meine Enkelkinder bei der Demonstration mit dabei. Wir wissen seit 50 Jahren, dass es so nicht weitergeht und dass es Grenzen des Wachstums gibt. Ich bin auch angespornt durch das Beispiel von Greta Thunberg, ohne die sich nicht so viel bewegt hätte.

Adelheid Neumann: Ich bin schon oft bei den „Fridays for Future“-Demos mitgegangen und demonstriere nicht nur für einen besseren ÖPNV, sondern auch wegen des Klimas. Das ist vor allem wichtig für die nächste Generation. Mir könnte das Klima sonst ja Wurscht sein. Aber jeder muss sich angesprochen fühlen und etwas unternehmen. Wir brauchen ein Verantwortungsgefühl für die Allgemeinheit und eine neue Verantwortungsethik.

Alex Cramer: Ich finde es wichtig, dass wir in den Krisen mit Corona und der Ukraine nicht die strukturelle Klimakrise vergessen. Wir brauchen ein Umdenken, denn so kann es nicht weitergehen. Dabei ist die Präsenz von den „Fridays for Future“-Demos wichtig. Für Marburg bedeutet das den Einsatz für das Bürgerbegehren zum ÖPNV, und auf Bundesebene muss ein flächendeckendes Tempolimit auf Autobahnen kommen.

Von Manfred Hitzeroth

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