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Marburg Für Frankfurter Straße gab es einen Tempo-50-Tippgeber
Marburg Für Frankfurter Straße gab es einen Tempo-50-Tippgeber
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10:31 24.06.2021
Das Tempo 50 in der Frankfurter Straße in Marburg wünschte sich vor allem nicht der Ortsbeirat Südviertel zurück.
Das Tempo 50 in der Frankfurter Straße in Marburg wünschte sich vor allem nicht der Ortsbeirat Südviertel zurück. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wer stieß das Landes-Verkehrsministerium auf die wackelige Tempo-30-Regelung in der Frankfurter Straße? Wie aus einem Schreiben des Landes Hessen hervorgeht, plante man dort von sich aus keine Rückkehr zur 50er-Geschwindigkeit – bis ein Landtagsabgeordneter, der in dem Brief namentlich nicht genannt wird, die „Überprüfung der Rechtmäßigkeit“ von Tempo 30 veranlasste.

Klar ist: Tempo 30 wurde von den Behörden auf einem längeren Teilabschnitt nur erlassen, weil die Schäden auf der Südviertelstrecke groß waren. Kurioserweise gab es fast zeitgleich zu der Geschwindigkeits-Anordnung Bauarbeiten, die den Asphalt in einen Zustand versetzten, in dem er Jahrzehnte lang nicht war. Die offizielle Begründung für das Neu-Tempo-Limit, das wusste man auch in der Kommunalpolitik, greife nicht mehr.

„Gegen hohe Akzeptanz in der Bevölkerung“

Doch erst als – eben wegen der Meldung des anonymen Abgeordneten bei der Landesregierung – eine „Sachverhaltsklärung“ nötig wurde, sei der Stein ins Rollen gekommen, habe man seitens des Ministeriums das Regierungspräsidium Gießen um Stellungnahme gebeten. Weder Ministerium noch RP hätten im Hinblick auf die Entscheidung der Stadt Marburg – also die Festlegung auf Rückkehr zu Tempo 30 – „eine Weisung ausgesprochen“ oder seien „anderweitig im Rahmen der Fachaufsicht eingeschritten“.

Als ein „starkes Stück“ bezeichnet indes Jan Schalauske, Linken-Landtagsmitglied, die Initiative des Parlaments-Kollegen. Damit habe sich der unbekannte Volksvertreter „gegen die hohe Akzeptanz für die Geschwindigkeitsreduzierung in der Bevölkerung gewendet“. Mit Blick auf das Marburger AfD-Wahlprogramm, in der für die Südviertel-Schneise explizit Tempo 50 gefordert wird, liegt zwar ein Aktivwerden von Karl-Hermann Bolldorf, Landtagsabgeordneter der Partei für den Landkreis nah. Er beteuert aber, sich in Wiesbaden nicht des Themas angenommen zu haben, wie Büroleiterin Ulrike Markert auf OP-Anfrage mitteilt. Interne Nachforschungen hätten ergeben, dass auch der Gießener Arno Enners nicht aktiv geworden sei.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger sagt, er habe sich bereits im Februar bei der Landesregierung über „die Möglichkeiten der Einführung einer rechtssicheren und dauerhaften Geschwindigkeitsreduzierung“ auf der als Kreisstraße geltenden Strecke erkundigt – früherer Zeitpunkt, andere Absicht als das, was in dem aktuellen Ministeriumsschreiben steht. Er sei auch deshalb „sehr überrascht“ von der Rücknahme der 30er-Regelung Anfang Mai, weil die Aussagen von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) im Wahlkampf „noch ganz andere“ gewesen sein.

Jüngst forderte der Ortsbeirat Südviertel, wie seit langem auch schon die Bürgerinitiative Verkehrswende, eine Beibehaltung von Tempo 30. Dafür solle die Frankfurter- zur Gemeindestraße umgewidmet werden. Die Stadt Marburg fürchtet die dann auf sie zukommenden Kosten, gerade weil die relativ viel befahrene Südviertel-Strecke – trotz punktueller Bauarbeiten – in einem schlechten Zustand ist. Bamberger: „Das Hin und Her in dieser Frage geht zu Lasten der Anwohner. Eine kluge Lösung muss her.“

Von Björn Wisker

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