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Marburg Schlauchdepot in 22 Metern Höhe
Marburg Schlauchdepot in 22 Metern Höhe
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00:18 19.04.2019
Der historische Dachstuhl der Elisabethkirche.  Quelle: Foto: Thorsten Richter
Marburg

Der verheerende Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris am Montagabend hat dafür gesorgt, dass auch bei der Marburger Feuerwehr wieder einmal über die Sicherheitsvorkehrungen in den Marburger Kirchen nachgedacht wird. Dabei steht im Mittelpunkt die Elisabethkirche, eine der bedeutendsten gotischen Kirchen in Deutschland.

Auch in der Elisabethkirche ist der Dachstuhl der am meisten gefährdete Bereich, erläutert Andreas Brauer, stellvertretender Leiter der Marburger Feuerwehr, der OP auf Anfrage. Ähnlich wie bei der Kathedrale in Paris wären auch die Holzbalken im Dachstuhl der Elisabethkirche besonders prädestiniert dafür, Feuer zu fangen.

Im Depot sind kleine Schläuche gelagert

Und so trat im Jahr 2009 ein Alarmplan in Kraft, dessen zentraler Bestandteil die Rauchwarnmeldeanlage für den Dachstuhl ist. Im Jahr 2009 wurde zudem überlegt, wie die Feuerwehr im Fall eines Brandes im Dachstuhl der Elisabethkirche möglichst schnell an den Ort des Brandherdes gelangen könnte.

Schnell war klar, dass ein Einsatztrupp Schwierigkeiten hätte, über die 40 Zentimeter ­breite Wendeltreppe möglichst schnell nach oben zu kommen. Deswegen sieht der Notfallplan jetzt anders aus: Von einem vor dem Hauptportal der Kirche abgestellten Wagen der Feuerwehr aus kann die Feuerwehr per Drehleiter zum zweiten Umlauf der Elisabethkirche auf einer Höhe von 22 Metern gelangen.

Dort sind in einem Depot der Feuerwehr kleine Schläuche für den Einsatzfall gelagert, und es könnte ein Versorgungswasserschlauch heruntergelassen werden. Vier bis fünf Minuten nach dem Eintreffen am Einsatzort könnten die Feuerwehrleute dann löschbereit im Dachstuhl vor Ort sein.

Der Einbau einer Sprinkleranlage im Dachstuhl wäre zwar theoretisch hilfreich, weil dann Wasser schon direkt nach dem Auslösen eines Alarms gesprüht werden würde. Doch Aspekte des Denkmalschutzes sprachen dagegen. Denn auch bei Fehlalarm würde automatisch die Sprinkleranlage ausgelöst.

Turm besteht vorwiegend aus Sandstein

Anders als im Dachstuhl sei die Gefahr eines Brandausbruchs im Turm der Elisabethkirche eher gering, weil das Material vorwiegend Sandstein sei. Dieser brenne zwar theoretisch nicht. Wenn ein Feuer aber beispielsweise vom Dachstuhl aus auf steinerne Partien der Kirche übergegriffen habe, dann sei es nur eine Frage der Zeit, bis es zum Einsturz der Fassade kommen könne.

Als zum Glück schnell beherrschbar habe sich vor einigen Jahren ein durch Kerzen ausgelöster Brand herausgestellt, der sich vor einigen Jahren im Altarbereich im Inneren der Elisabethkirche ereignet habe, erläuterte Brauer. Grundsätzlich auch schwer entflammbar sei das Gestühl.

Prinzipiell sei eine Katastrophe wie der „Notre Dame“-Brand ein Anlass, die Brandschutzpläne für die Elisabethkirche, aber auch für andere Marburger Kirchen wieder einmal auf den Prüfstand zu stellen, betonte Brauer.

von Manfred Hitzeroth 

Die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause widmete sich in ihrer 1989 veröffentlichten Dissertation der  „Chorausstattung von Notre-Dame unter Ludwig XIV.“