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Marburg War die Angeklagte im Medikamentenraum?
Marburg War die Angeklagte im Medikamentenraum?
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07:59 25.10.2019
Anwalt Dietmar Kleiner stellte Beweisanträge. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Marburg

Die beiden Beweisanträge beziehen sich auf den Fall Johanna. Das letzte der drei Opfer soll die Angeklagte Anfang Februar 2016 während ihres Dienstes vergiftet haben, sodass es bei dem Kind zu gesundheitlichen Komplikationen kam.

Über eine Infusion bekam das Frühchen ein gängiges Antibiotikum verabreicht, dem wurde ein Narkosemittel zugefügt.

Verteidiger Dietmar Kleiner beantragte nun, dass sachverständig untersucht werden soll, ob die Mischung der Medikamente optisch festgestellt werden konnte, es die Angeklagte also hätte merken müssen, wenn das Medikament durch eine andere Person als sie hinzugefügt wurde.

Akten sollen Arbeitsbelastung nachweisen

Zum Beweis der Tatsache, dass seine Mandantin in der fraglichen Zeit den Raum, in dem sich die Frühchen befanden, nur verlassen habe, „um ärztliche oder pflegerische Hilfe zu holen“, sollen laut Kleiners Antrag eine Vielzahl von Zeugen geladen werden.

Diese hätten zwar bereits ausgesagt, aber nicht dazu, ob sie die Frau im Medikamentenraum gesehen haben. Zudem sollen die Krankenakten aller anderen damals auf der Station von der Angeklagten betreuten Frühchen die Arbeitsbelastung belegen.

Vorsitzender sieht Erkenntnisgewinn skeptisch

Während Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier Verständnis äußerte, bemängelte Nebenklagevertreterin Elke Edelmann das Beweisthema als unzureichend. Selbst wenn niemand die Angeklagte gesehen hat, sei das kein Beleg dafür, dass sie nicht doch im Medikamentenraum war.

Und der Vorsitzende, Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm, befürchtet die wahrscheinlichen Antworten der Zeugen nach mehr als drei Jahren wie „das kann ich Ihnen heute leider nicht mehr sagen“. Gleichwohl muss die Kammer über die Beweisanträge entscheiden.

  • Die Verhandlung wird am Mittwoch, 30. Oktober, ab 10 Uhr im Landgericht fortgesetzt. Bis dahin sollen die Sachverständigen Versuche mit den verwendeten Medikamenten vornehmen – mit dem Ziel, neue Erkenntnisse zu gewinnen.     

von Heiko Krause

Rückblick auf die vergangenen Prozesstage

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich

28. März: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28. März: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

3. April: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

4. April: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen

10. April: Kinderärztin hält Kinderkardiologen für "absolut zuverlässig"

11. April: Medikamente werden von Schwestern bestellt

8. Mai: Aussagen des Ex-Freundes verwirren

10. Mai: Arzt schildert Reanimation

17. Mai: Kinderarzt sagt aus

18. Mai: „Sie verzettelt sich halt gerne“

20. Mai: Experte: Es gibt keine Erfahrungen

8. Juni: Kollegin beschreibt Elena W. als freundlich

12. Juni: Hat Klinikangestellte Zeugen beeinflusst?

18. Juni: Jungschwester hatte schweren Stand

7. Juli: Elena W. war „eine schwache Schülerin“

1. August: Zeugen: „Nett“ oder „hinterhältig“

2. August: DNA von Elena W. auf Dormicum-Verpackung

15. August: Toxikologe äußert sich zu Ketaminspuren

16. August: „Ein totales Chaos“

28. August: Leni galt als „Hochrisikofrühchen“

30. August: Gutachter sieht Symptome von Narkosemittel

5. September: Experte nennt Daten zu Gift-Dosis

6. September: LKA-Experte findet neue DNA-Spur

19. September: "Ohne ärztliches Eingreifen wäre sie gestorben"

25. September: "Frühchengutachter weist extreme Gift-Dosis nach"