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Marburg Frühchen sollte durch Narkosemittel sterben
Marburg Frühchen sollte durch Narkosemittel sterben
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19:50 08.02.2016
Weil sie einem Frühchen in der Marburger Uni-Klinik Narkosemittel verabreicht haben soll, nahm die Polizei am Samstag eine Tatverdächtige fest. Quelle: Kumm
Marburg

Medizinische Untersuchungen hatten nicht erklärbare, erhöhte Werte eines Narkosemittels im Blut eines 30 Tage alten Mädchens ergeben. Aufgrund von intensiven kriminalpolizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen noch am Freitag und Samstag erfolgte am Samstagabend die vorläufige Festnahme einer Tatverdächtigen.

Der Haftrichter erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Marburg am Sonntagnachmittag einen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags. Der Gesundheitszustand des betroffenen Säuglings ist derzeit stabil. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei dauern an.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwätin Ute Sehlbach-Schellenberg, teilte mit, dass es sich bei der Festgenommenen um eine Beschäftigte des Uniklinikums handele. Sie habe inzwischen ausgesagt - die Tat aber bislang nicht gestanden.

Ermittler gleichen Schichtpläne ab

Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob es womöglich weitere ähnliche Vorfälle, womöglich Tötungen, auf der Frühchenstation des UKGM gegeben hat. Weitere Angaben zur Identität der Verdächtigen werde die Staatsanwaltschaft nicht machen.

Bei der tatverdächtigen Mitarbeiterin handelt es sich nach OP-Informationen um eine Krankenschwester, die auf der Station eingesetzt wurde. Die Zeitpunkte von Todesfällen auf der Station und die Schichtpläne werden nun offenbar miteinander verglichen.

Dabei soll offenbar auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass es sich bei der Täterin oder dem Täter um eine andere Person als die Festgenommene handelt. Dass es sich bei der Vergiftung des 30 Tage alten Frühchen mit Narkosemitteln um einen Unfall oder einen Zufall handelt, schließen Experten offenbar aus.

Das UKGM sicherte der Staatsanwaltschaft jegliche Unterstützung bei der Aufklärung der Tat zu. Sprecher Frank Steibli wollte sich aber zunächst gleichfalls nicht zum Sachverhalt äußern.

Das UKGM sagte der Staatsanwaltschaft umfassende Unterstützung bei der Aufklärung der Tat zu. Es hatte am Montagmorgen mitgeteilt, dass bei einem Frühchen zwei Narkosemittel 
im Blut festgestellt wurden. Weitere Informationen wollte UKGM-Sprecher Frank Steibli nicht geben. Der Chef der Kinderklinik, Professor Rolf Maier, war am Montag nicht zu erreichen. Dem Kind geht es nach einer zwischenzeitlichen Krise inzwischen wieder besser.

von Till Conrad