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Marburg DNA von Elena W. auf Dormicum-Verpackung
Marburg DNA von Elena W. auf Dormicum-Verpackung
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16:45 05.12.2019
Die Angeklagte nimmt im Gerichtssaal zwischen ihren beiden 
Anwälten Platz. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Sachverständige für die auf den Medikamentenschachteln gefundenen DNA-Spuren stellte am 32. Verhandlungstag des Prozesses die Ergebnisse der Untersuchungen aus dem Jahr 2016 vor.

Damals analysierte das Landeskriminalamt die sichergestellten Ketamin- und Dormicum-Packungen auf DNA-Rückstände der Beschuldigten Elena W.

Auf der Dormicum-Verpackung wurden neben der DNA der heutigen Angeklagten auch mehrere andere Spuren gefunden. Auf den 
Ketamin-Verpackungen wurden damals keine DNA-Rückstände von Elena W. entdeckt. Der Sachverständige soll die Schachteln daher nun erneut untersuchen und die Ergebnisse dann Anfang September vorstellen.

Verteidigung geht von Verunreinigung aus

Der promovierte Kriminalbiologe erklärte den versammelten Prozessbeteiligten gewissenhaft die einzelnen Untersuchungsschritte. Bei den DNA-Rückständen auf der Dormicum-Verpackung sei Elena W. in keinem der 16 angewandten Verfahren als Verursacherin auszuschließen gewesen, sagte der Sachverständige.

„An den Ketamin-Verpackungen fanden sich keine Hinweise auf die Beschuldigte“, führte der 58-Jährige weiter aus, er fügte jedoch hinzu: „DNA ist nicht die Abkürzung für ‚do not ask‘ (frag nicht).“ Fragen stellten die Prozessbeteiligten durchaus an den Biologen.

Die Verteidigung brachte unter anderem die Möglichkeit einer Kontamination mittels Dritter ins Spiel – diese verwarf der Sachverständige allerdings als „unwahrscheinlich“ und „extrem selten“. Die Verteidigung erklärte zudem, man gehe davon aus, dass sich auf den Ketamin-Schachteln keine Spuren der Angeklagten finden werden. Anfang September wird sich herausstellen, ob diese Voraussage zutrifft.

Medizinische Monitore im Gerichtssaal

Nun wurden außerdem die intensivmedizinischen Überwachungsmonitore des Klinikums in Augenschein genommen. Zu diesem Zweck wurden im Gerichtssaal eigens zwei solche Monitore aufgebaut, deren Funktion von zwei Vertretern der Medizintechnik des UKGM vorgestellt wurde. Ein ungewöhnliches Vorgehen, das jedoch als „pragmatische Lösung“ von Richter Dr. Frank Oehm vorgeschlagen wurde.

Hintergrund der Aktion war ein möglicherweise von der Angeklagten unterdrückter Notfallalarm. Dass man diese Alarme ausschalten kann, konnte so geklärt werden. Ob die technischen Kenntnisse von Elena W. aber so weit gingen, dass sie dies ohne Weiteres bewerkstelligen konnte, bleibt ungewiss.

  • Der Prozess, der gerade nach einer einmonatigen Pause fortgesetzt wurde, wird nun erst am Mittwoch, 14. August, weitergehen. Beginn der Verhandlung ist um 10 Uhr in Saal 101 des Landgerichts.     

von Melchior Bonacker

Rückblick auf die vergangenen Prozesstage

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich

28. März: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28. März: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

3. April: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

4. April: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen

10. April: Kinderärztin hält Kinderkardiologen für "absolut zuverlässig"

11. April: Medikamente werden von Schwestern bestellt

8. Mai: Aussagen des Ex-Freundes verwirren

10. Mai: Arzt schildert Reanimation

17. Mai: Kinderarzt sagt aus

18. Mai: „Sie verzettelt sich halt gerne“

20. Mai: Experte: Es gibt keine Erfahrungen

8. Juni: Kollegin beschreibt Elena W. als freundlich

12. Juni: Hat Klinikangestellte Zeugen beeinflusst?

18. Juni: Jungschwester hatte schweren Stand

7. Juli: Elena W. war „eine schwache Schülerin“

1. August: Zeugen: „Nett“ oder „hinterhältig“