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Marburg Kollegen beschreiben Elena W. als freundlich
Marburg Kollegen beschreiben Elena W. als freundlich
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00:20 08.06.2019
Die Angeklagte Elena W. sitzt zwischen ihren beiden Verteidigern. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Ihrer 29-jährigen ehemaligen Kollegin wird vorgeworfen, zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 drei Frühgeborenen ärztlich nicht verordnete Medikamente verabreicht zu haben.

Während andere Krankenschwestern zuvor im Prozess gar von Mobbing gegenüber Elena W. gesprochen hatten, wählten die Zeuginnen am 24. Verhandlungstag weniger harte Worte. Einhellig erklärten die sechs Pflegekräfte, Elena W. sei eine freundliche Kollegin gewesen. Sie selbst hätten nichts an ihr auszusetzen gehabt, sie habe sich lediglich manchmal überschätzt. Kritik habe sie manchmal zu persönlich genommen, gab ­eine 43 Jahre alte Krankenschwester zu Protokoll.

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27-Jährige berichtet von Reanimationen

Eine 27 Jahre alte Kollegin von Elena W. berichtete zudem von den Reanimationssituationen bei dem Frühchen Johanna. Sie war ebenso wie die Angeklagte­ bei den Vorfällen Anfang Februar 2016 im Nachtdienst eingeteilt, arbeitete allerdings in einem anderen Zimmer. Als sie den Bradykardie-Alarm gehört habe, sei sie jedoch in Zimmer 5 geeilt, um ihrer Kollegin bei ­Johanna zu helfen. Weil Johanna keinen Herzschlag mehr hatte, musste sie per Herz-Druck-Massage reanimiert werden. Dieses führte, so die 27-Jährige, die Angeklagte aus.

Nach Adrenalingabe und ­manueller Beatmung durch die anwesenden Ärzte stabilisierte­ sich Johanna zunächst wieder.­ Insgesamt musste das wenige­ Wochen alte Kind in dieser Nacht jedoch dreimal reanimiert werden – eine ungewöhnliche Häufung. Untypisch sei auch das Auftreten der Vorfälle gewesen: „Normalerweise kündigt sich so ein Herzfrequenzabfall an“, erklärte die Krankenschwester, „bei Johanna fiel die Herzfrequenz von einem Schlag auf den anderen auf null“.

Diese rätselhaften Asystolien veranlassten die Ärzte kurz darauf, Blutproben von Johanna im Labor analysieren zu lassen. Dabei fand man die Narkotika Midazolam und Ketamin, die dem Kind nicht verordnet worden waren.

von Melchior Bonacker

Bisherige Termine

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich

28. März: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28. März: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

3. April: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

4. April: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen

10. April: Kinderärztin hält Kinderkardiologen für "absolut zuverlässig"

11. April: Medikamente werden von Schwestern bestellt

8. Mai: Aussagen des Ex-Freundes verwirren

10. Mai: Arzt schildert Reanimation

17. Mai: Kinderarzt sagt aus

18. Mai: „Sie verzettelt sich halt gerne“

20. Mai: Experte: Es gibt keine Erfahrungen