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Marburg Ärztin hält Kardiologen für "absolut zuverlässig"
Marburg Ärztin hält Kardiologen für "absolut zuverlässig"
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18:41 10.04.2019
Die Angeklagte im Frühchenprozess Elena W. sitzt zwischen ihren beiden Verteidigern. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Zunächst wurden die Abläufe in der zentralen Milchküche des Uniklinikums abschließend mit einer Kinderkrankenschwester besprochen. Hintergrund ist die Überlegung, ob den drei vergifteten Frühgeborenen die Medikamente­ über die Milch gegeben worden sein könnten. Die 45-Jährige ist verantwortlich für die Nahrungszubereitung für Früh- und Neugeborene, die stationär behandelt werden.

Sie schloss ein Eindringen von außen in die Räume der Milchküche zwar nicht kategorisch aus, machte aber deutlich, dass es nicht zu einer Vergiftung der Milch in der Milchküche kommen konnte. Die Fertignahrung sei per Verschluss gesichert, der intakt sein müsse – sonst werde die Flasche entsorgt, berichtete die Krankenschwester. Zwei anschließend vernommene Pflegeassistentinnen bestätigten ihre Aussagen.

Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages traten auch noch zwei Ärzte als Zeugen vor Gericht auf. Eine 40 Jahre alte­ Kinderärztin, die vorwiegend auf der pädiatrischen Seite der Intensivstation eingesetzt ist, war bei einer Reanimation des Frühchens Leni anwesend. Zum Verhalten der Angeklagten in dieser Situation konnte sie allerdings nichts mehr sagen. Insgesamt sei Elena W. eine offene, fröhliche und aufgeschlossene Krankenschwester gewesen. Ihr 41 Jahre alter Kollege, der in der Kindernephro­logie (Nephrologie = Nierenheilkunde) arbeitet, konnte auch nur wenige Angaben machen. Auch er beschrieb die Angeklagte als offen, wortgewandt und zuverlässig. 

Kardiologe "eine Koryphäe" und "absolut zuverlässig"

Die 40-jährige Kinderärztin ordnete zudem für das Gericht die Aussage des Kinderkardiologen ein. Dieser hatte bei Leni eine „erhebliche pulmonale Hypertonie“ (Lungenhochdruck) diagnostiziert. An dieser sei das wenige Monate alte Kind letztlich auch verstorben, attestierte­ der Kardiologe. Seine jüngere­ Kollegin, die seit zehn Jahren auf der Kinderintensivstation tätig ist, beschrieb den 65-Jährigen als „eine Koryphäe auf seinem Gebiet“ und beteuerte, seine Befunde ­seien „absolut ­zuverlässig“.

Eine weitere Ärztin konnte­ gestern noch nicht vernommen werden, da sie nicht pünktlich bei Gericht erschien. Ihre polizeiliche Aussage wurde zunächst durch den Vorsitzenden Richter Dr. Frank Oehm verlesen. Die Zeugin selbst soll wohl am Donnerstag aussagen. Nach dem 19. Verhandlungstag ist eine einmonatige Pause anberaumt. Am 9. Mai geht es dann mit der Vernehmung von Ärzten und Pflegepersonal weiter.

von Melchior Bonacker

Rückblick

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich

28. März: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28. März: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

3. April: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

4. April: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen