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Marburg Friseure dürfen wieder zur Schere greifen
Marburg Friseure dürfen wieder zur Schere greifen
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19:58 11.02.2021
Ab dem 1. März dürfen Friseure wieder zur Schere greifen.
Ab dem 1. März dürfen Friseure wieder zur Schere greifen. Quelle: Foto: Sebastian Kahnert/dpa
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Marburg

Es ist noch eine gut zweiwöchige Durststrecke, dann haben sie es geschafft: Ab 1. März dürfen Friseure ihre Salons wieder öffnen. Und das, obwohl der Lockdown für alle anderen Betriebe wie Gaststätten, Museen oder Hotels bis mindestens 7. März verlängert wurde. „Eine ganze Branche atmet auf, endlich haben wir eine Perspektive und Planungssicherheit“, heißt es vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Nach elf Wochen der Schließung eine echte Erleichterung, denn viele Betriebe bangen um ihre Existenz (die OP berichtete).

Run auf Termine

Auch die heimischen Friseure atmen auf – oder kommt die Öffnung zu spät? Martina Klein, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetik-Innung Marburg, verdeutlicht im Gespräch mit der OP: „Ich hege mal die Hoffnung, dass es für 99,9 Prozent der Friseure noch nicht zu spät ist und dass wir wieder etwas aufarbeiten können. Aber natürlich können wir zwölf Wochen Schließung nicht kompensieren.“ Denn letztlich bedeute diese lange Zeit einen doppelten Ausfall, „die Kunden wären ja alle zweimal da gewesen“, so Klein. Es werde bestimmt einen Run auf die Termine geben, prognostiziert sie – und in der Tat: Während der Video-Schalte klingelt mehrfach ihr Telefon, Kunden vereinbaren Termine. Dass es nun eine Perspektive gibt, das freut sie sehr, „und das nicht nur, weil man nun wieder dringend notwendiges Geld verdienen kann. Sondern man sieht und hilft auch seinen Kunden wieder“, sagt Martina Klein. Es sei statistisch erwiesen, dass die Ansteckungsquote im Friseursalon nahezu nicht vorhanden gewesen sei – das sei auch der Tatsache geschuldet, dass die Friseure von Beginn an funktionierende Hygienekonzepte hatten.

Rolph Limbacher, Kreishandwerksmeister und Inhaber der Friseur-Kette „Domino“, sagt: „Ich freue mich fast mehr wie bei einer Neueröffnung.“ Allerdings sei er gleichzeitig auch ein wenig enttäuscht gewesen, „dass es nicht direkt am 15. losgeht. Denn das ist nicht nur eine Menge Geld, die dadurch fehlt – sondern zwei Wochen länger, in der die Schwarzarbeit boomt“, gibt er zu bedenken. Dadurch sei eine Nachverfolgbarkeit bei Infektionen nicht gegeben, „im Gegensatz zu Friseursalons“, sagt er.

Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Marburg, berichtet von zahlreichen Friseurbetrieben, die bei den bisherigen Hilfen „einfach durchs Raster gefallen sind“. Nun gebe es nicht nur die Perspektive, am 1. März die Betriebe wieder zu öffnen – sondern auch die Aussicht auf die „Überbrückungshilfe III“. „Das muss jetzt aber auch schnell gehen“, fordert er. Und Moog sagt auch: „Wir wissen noch nicht, wie es mit dem Kosmetik-Gewerbe aussieht.“ Und wie schaut es insgesamt im Handwerk aus? „Nach wie vor höre ich von vollen Auftragsbüchern im Bau und Ausbaubereich“, sagt Limbacher. Doch sei die Nachfrage nach Bauleistungen im Dezember bei 42 Prozent der befragten Unternehmen rückläufig gewesen, erläutert Meinhard Moog. Metzgern sei beispielsweise das Catering weggebrochen, Bäcker hätten ihre Cafés schließen müssen.

„Der Autohandel ist auch stark betroffen“, verdeutlicht Meinhard Moog. So seien im Vergleich zum Januar vergangenen Jahres dieses Jahr 31 Prozent weniger Neuwagen zugelassen worden, bei Gebrauchten lag das Minus bei 29,4 Prozent. Es gebe ganz klar die Forderung, dass der Autohandel wieder öffnen dürfe, „dort gibt es große Verkaufsflächen mit relativ wenigen Kunden, es gibt umfangreiche Hygienekonzepte“, so Moog. In Fahrschulautos würden Lehrer und Schüler auch eng beieinander sitzen – dann müsse auch eine kurze Beratung im Fahrzeug für Kunden möglich sein. „Ohne das Frühjahrsgeschäft drohen im Autohandel laut Verband auch Pleiten“, verdeutlicht Moog.

Von Andreas Schmidt

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