Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bekanntester Hundeführer der Welt
Marburg Bekanntester Hundeführer der Welt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 03.04.2019
Der Freisprung über die 1-Meter-Hürde ist für den jungen Schäferhundrüden Guido kein Problem. Quelle: Tobias Hirsch
Wittelsberg

Wenn Friedrich Biehler morgens aufwacht, dann gilt sein erster Gedanke der Ausbildung seines Hundes – Giddo vom Federsee, genannt Guido. „Ich simuliere dann das Training, die Schwerpunkte, die ich mit ihm üben will“, erklärt er.

Nach der Gymnastik im Bad geht er schon vor dem Frühstück die erste Runde mit seinem besten Freund.
1,80 Meter groß, 80 Kilogramm schwer, fast 80 Jahre alt – so beschreibt sich der Wittelsberger, der von allen nur Fritz genannt wird, selbst. „Ich kann nicht mehr so marschieren wie früher, aber ohne tägliches Training geht es nicht“, sagt er und ruft seinen Guido.

Der kommt sofort angelaufen, springt ihn an, fordert ihn zum Spiel auf. Fritz Biehler sagt ruhig aber bestimmt: „Fuß!“ Blitzschnell sitzt der gerade zwei Jahre alte Rüde links neben ihm. Seine Schulter auf Kniehöhe des Besitzers, den Blick nach oben. Er fiept leise, will endlich loslegen. „Genauso will ich das haben“, sagt Fritz Biehler noch bevor er losgeht. „Bei allem Training muss man schauen, dass das Seelenleben des Hundes in Ordnung bleibt“, sagt dieser und muss es wissen.

Giddo vom Federsee, genannt Guido, ist der neue Hund von Friedrich Biehler aus Wittelsberg. Mit dem gerade mal zwei Jahre alten Schäferhundrüden will der 79-Jährige am Wochenende bei der Landesmeisterschaft im Verein für Deutsche Schäferhunde starten. Foto: Tobias Hirsch

Denn der Wittelsberger ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Hundeausbilder Deutschlands und der Welt. So oft wie er hat noch keiner an der Bundessiegerprüfung des Vereins für Deutsche Schäferhunde teilgenommen und gewonnen.

George Foreman kam zu Besuch 

Mit fünf verschiedenen Hunden stand er auf dem Treppchen. Das hat in 50 Jahren, so lange ist er schon Vereinsmitglied, noch kein anderer geschafft. Box­legende George Foreman, ein großer Anhänger der Rasse, hat ihn besucht, 16 Mal war er in den Vereinigten Staaten und hat dort Seminare gegeben.

Sechs Mal vertrat er Deutschland bei Weltmeisterschaften, gewann 2006 den Titel. 1995 wurde ihm in Ungarn sogar das Auto zusammen mit dem Hund geklaut. Beides wurde zum Glück wiedergefunden. Wenn Fritz Biehler auf den Meisterschaften seine Hunde präsentiert hat, war es mucksmäuschenstill im Stadion.

Tausende Zuschauer aus der ganzen Welt verfolgten seine Vorführungen in der Unterordnung und im Schutzdienst ganz genau. Meistens hatte Fritz Biehler sogar die jüngsten Hunde der Veranstaltung an der Leine.

Obwohl er täglich mit Guido trainiert, hat Friedrich Biehler auch immer das Seelenleben des Hundes im Blick.

Aber dieser Ehrgeiz und die Erfolge riefen schnell viele Neider auf den Plan. Gerüchte wurden gestreut und ihm Egoismus nachgesagt. Letzteres verneint er nicht so ganz: „Das ist wie beim Hund.

Hunderte Pokale gewonnen

Zum Gewinnen gehört Egoismus, aber vor allem Motivation, dazu. Man muss hart an sich arbeiten, wenn man siegen will“, sagt er aus voller Überzeugung. Und er ist eben kein Ja-Sager. Das ist für ihn ein Zeichen von Unvermögen. „Eine Meinung muss Hand und Fuß haben. Mit Lügnern kann ich nichts anfangen.“

Schon auf der Flucht von Ungarn nach Deutschland ist ihm der erste Schäferhund über den Weg gelaufen. „Er hat sofort Kontakt ­gesucht und blieb auch ein paar Tage“, erinnert sich der ­79-Jährige, der im Juni seinen 80. Geburtstag feiert. In Wittelsberg angekommen hatte er sofort wieder einen Vierbeiner an seiner Seite. Bis heute.

Guido hat er als Welpe aus Bayern geholt. Morgen und Sonntag wird er mit ihm an der Landesmeisterschaft der Landesgruppe Hessen-Süd in Lixfeld teilnehmen – er als ältester Starter, Guido als jüngster Hund. Er ist nicht aufgeregt, aber zuversichtlich. „Ich brenne für den Hundesport“, sagt er und jeder, der ihn in Wittelsberg besucht sieht das auch so.

Spätestens wenn man im Pokalzimmer seines Hauses war. Hunderte Pokale – große, kleine, goldene, silberne – stehen dort und beweisen seinen Hundeverstand. Wie viele es sind, weiß er nicht, auch nicht, wie viele Hunde er in den Jahren ausgebildet hat. Er wirkt zufrieden mit seinen fast 80 Lenzen, in sich ruhend, aber immer noch hochmotiviert.

 von Katja Peters

 

Hintergrund

1969 hat Friedrich Biehler zum ersten Mal an einer Deutschen Meisterschaft des Vereins für Deutsche Schäferhunde teilgenommen. Seitdem startete er fast 30 Mal auf dieser größten nationalen Meisterschaft (zirka 120 Hunde).

Drei Mal wurde er Zweiter, fünf Mal Bundessieger mit fünf verschiedenen Hunden – das letzte Mal 2006 mit Caro vom Mörfelder Land. Mit ihm wurde er im gleichen Jahr auch Weltmeister in Dänemark.

Insgesamt startete er sechs Mal auf Weltmeisterschaften und ein Mal auf der Europameisterschaft, die er auch 1987 gleich gewann. Damit zählt Friedrich Biehler zu den bekanntesten und erfolgreichsten Hundeführern Deutschlands und der Welt.