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Marburg Etappenziel Steinkaute
Marburg Etappenziel Steinkaute
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13:58 31.05.2021
Werner Bachmann, Vorsitzender der Marburger Naturfreunde (von links), Bundesvorsitzender Michael Müller, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Tourkoordinator Yannick Kiesel.
Werner Bachmann, Vorsitzender der Marburger Naturfreunde (von links), Bundesvorsitzender Michael Müller, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Tourkoordinator Yannick Kiesel. Quelle: Carsten Beckmann
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Marburg

Die Hütte der Marburger Naturfreunde an der Steinkaute ist ein friedlicher Ort: Nur einen Steinwurf entfernt vom Marbacher Standort der Behring-Nachfolgeunternehmen, ist das Haus unter dem sattgrünen Blätterdach alter Bäume eine wahre Oase. Noch ein gutes Stück friedlicher zeigte sich das Areal am Freitag (28. Mai), als rund 30 friedensbewegte Wandersleute dort eintrafen. Sie waren am Morgen in Caldern gestartet – als Teil einer deutschlandweiten Friedenswanderung, die der Bundesverband der Naturfreunde organisiert hat.

Michael Müller, der langjährige Bundesvorsitzende der Bewegung, begrüßte die Marburgerinnen und Marburger während ihres Zwischenstopps. Im Gespräch mit der OP sagte Müller: „Wir haben es mit einem enorm großen Thema zu tun, da die Aufrüstung dramatisch zunimmt.“ Deutschland habe von den 15 größten Waffennationen die höchsten Zuwächse zu verzeichnen, so Müller, der warnte: „Die Hauptverursacher der Konflikte sind nicht die Hauptbetroffenen, und die werden sich irgendwann wehren.“

Tag für Tag 25 Kilometer

Der 28-jährige Yannick Kiesel aus Berlin arbeitet für die Naturfreunde als Koordinator der Friedenswanderung. Er begleitet die Tour, stellt an jedem Etappenziel einen Infotisch auf und kümmert sich um den Kontakt mit den örtlichen Akteuren.

„Die Friedenswanderung befindet sich jetzt in der zweiten Woche, jeden Tag werden Etappen von rund 25 Kilometern zurückgelegt“, so Kiesel. Die Wandergruppen seien bereits von 15 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern empfangen worden, freute sich der Koordinator – in Marburg hatte sich am Freitag auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies zur Steinkauten-Hütte aufgemacht: „Wenn nicht Stadtverordnetensitzung wäre, wäre ich gern ein paar Kilometer mitgelaufen“, sagte der Rathauschef. Spies bezeichnete es als „menschengemäß, auf Pfaden unterwegs zu sein“.

Spies: „Ohne Frieden ist alles nichts“

Es sei dabei wichtig, den richtigen Weg zu wählen, meinte der OB, der die Naturfreunde mit ihrer Friedenswanderung eindeutig „auf dem richtigen Pfad“ sieht: „Ohne Frieden ist alles nichts, und es gibt in Deutschland kaum noch jemanden, der sich an militärische Konflikte im eigenen Land erinnern kann, während die Bundeswehr im Ausland aktiv ist.“

Afghanistan habe gezeigt, dass es mindestens so teuer sei, ein Land wieder aufzubauen, wie es zu zerstören. „Die alltägliche Präsenz von Kriegen auf der Welt haben wir aus dem Blick verloren – die gäbe es nicht, wenn wir nicht fragwürdigen Potentaten und Diktatoren Waffen verkaufen würden“, kritisierte Spies.

Viele Sprecher

Auch Sabine Wendt vom Bündnis „Nein zum Krieg“, Inge Sturm von den Linken Marburg und Eva Eggelsmann von der Aktionsgemeinschaft „Keine A 49“ sprachen zu den Friedenswandernden. Eggelsmann erklärte: „Klima- und Friedensbewegung sind eng miteinander verbunden – denn das Militär steht auf der Klimakillerliste ganz vorn.“ Gleichzeitig werde im Dannenröder Forst, 30 Kilometer östlich von Marburg, eines der größten Naturverbrechen Deutschlands begangen.

Friedenswanderung Quelle: Carsten Beckmann

Aus der Protestbewegung gegen den Weiterbau der Autobahn 49 war im vergangenen Jahr die Frauenband „Unerhört“ hervorgegangen – die vier Musikerinnen unterhielten an der Steinkaute die Wandergruppe, bevor die sich wieder auf den Weg machte, um noch bis zum Marburger Schülerpark weiterzulaufen.

„Der Stein kommt ins Rollen“

Am 4. Juli endet die Wandertour „Frieden in Bewegung“ in Konstanz am Bodensee. Müller kündigte an: „Wir wollen das – wenn möglich – alle zwei Jahre wiederholen, dann auch auf anderen Routen.“ Yannick Kiesel zeigte sich optimistisch, dass durch derartige Aktionen auch die derzeit rund 70.000 Mitglieder zählende Naturfreundebewegung Zulauf erfährt: „Der Stein kommt ins Rollen.“

Von Carsten Beckmann