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Marburg Mit „Friedemanns Grimm“ durch die Stadt
Marburg Mit „Friedemanns Grimm“ durch die Stadt
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20:57 04.07.2020
Dagmar Kratzsch (links) und Ursula Hirt haben gemeinsam den Krimi „Friedemanns Grimm“ geschrieben. Privatfoto Quelle: privat
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Marburg

Ursula Hirt, Jahrgang 1950, und Dagmar Kratzsch, Jahrgang 1953, haben vieles gemeinsam. Beide waren Lehrerinnen – Ursula Hirt in Homberg/Efze, Marburg und Valencia, Dagmar Kratzsch in Kassel, München und viele Jahre in Wetter. Beide sind verheiratet, beide haben Kinder und Enkelkinder. Und beide lesen viel und gerne. Und jetzt sind sie auch noch Autorinnen.

In Gesprächen mit Freundinnen, wie die beiden Autorinnen bekennende Viel-Leserinnen, haben sie so manchen Marburg-Krimi unter die Lupe genommen. Viele dieser Krimis hätten bei ihren Freundinnen keine „begeisterte Resonanz“ gefunden, meint Ursula Hirt. Der Grund: Viele seien austauschbar, könnten in jeder Stadt spielen, wenn man etwa Straßen- oder Ortsnamen ändern würde.

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Ursula Hirt und Dagmar Kratzsch wollten dies ändern. Ihr Ziel: ein Roman, der tatsächlich nur in Marburg spielen kann. Die Zutaten: „Die Grimm’schen Märchen und der Grimm-Pfad und natürlich die Klinik, die immer wieder hohen Diskussionsbedarf im öffentlichen Leben hervorrufen“, so die Autorinnen.

Die Knüll-Klinik und der Märchenforscher

Die Idee zu „Friedemanns Grimm“ war geboren. Die Uni und das studentische Leben kommen auch vor, spielen aber bei Weitem keine so zentrale Rolle wie das Uni-Klinikum, das in ihrem Roman „Knüll-Klinik“ heißt.

Im Zentrum des Romans steht der Märchenforscher Friedemann Wagner, dessen Frau Barbara erkrankt ist und unter den Nebenwirkungen eines neuen Medikaments leidet. Als sie nach einem Notfall in der „Knüll-Klinik“ stirbt, hakt Friedemann Wagner nach und sticht mit seinen Nachforschungen in ein Wespennest.

Die Hauptprotagonisten sind neben dem Märchenforscher ein Oberarzt, dessen Karriereweg fragwürdig ist, dessen knallharte Frau, ein geldgieriger und betrügerischer Apotheker und eine sympathische, attraktive Krankenschwester, die einen großen Fehler macht, den sie lange bereut.

Im Umfeld des Marburger Bildungsbürgertums

„Friedemanns Grimm“ ist kein sogenannter „Whodunit“, kein klassischer „Wer war’s?“-Krimi. Schnell wird klar: Barbara Wagners Tod wäre zu verhindern gewesen, wenn der zuständige Oberarzt Manfred Buttermann und die attraktive Krankenschwester Sarah im Arztzimmer die Finger voneinander hätten lassen können.

Und wenn ein Apotheker nicht so geldgierig gewesen wäre. Friedemann Wagner versucht, den Oberarzt und den Apotheker mit allen Mitteln zu Geständnissen zu zwingen, und schießt dabei über das Ziel hinaus. Erst spät kommen der Ex-Polizist Korbinian und Kommissar Thomas Lichtenholz ins Spiel. Das weitere Umfeld der handelnden Figuren stammt überwiegend aus dem Marburger Bildungsbürgertum, dem letztlich auch die Autorinnen angehören.

Auch wenn man früh weiß, wer Schuld am Tod von Barbara Wagner hat, bleibt der flüssig geschriebene und gut lesbare Roman spannend, denn die Auflösung des Falles hält einige Überraschungen parat, die in einer Tageszeitung für jede Menge Aufmacher reichen würden.

Buch lebt von Ausflügen in die Stadt

Zudem lebt „Friedemanns Grimm“ von seinen „Ausflügen“ in die Stadt – zum Grimm-Pfad, zum Südviertel-Markt, in die historische Altstadt. Zahlreiche Verweise auf die Marburger Geschichte und Seitenhiebe auf die lokale Politik, insbesondere die Baupolitik, runden die Geschichte ab. Und bei allem spürt man als Leser, dass beide Autorinnen die Situationen und die Orte, an denen die Handlung spielt, sehr gut kennen.

Gearbeitet haben Ursula Hirt und Dagmar Kratzsch arbeitsteilig. Dagmar Kratzsch sorgte mit ihren Recherchen für „das Fundament, die Schreiberei – „das Hochziehen der Mauern“ übernahm Ursula Hirt. Beim ständigen Gegenlesen durch die Ko-Autorin seien inhaltliche Wendungen „zum Teil heiß diskutiert und Kompromisse geschlossen“ worden.

Die Korrekturen erledigten Dagmar Kratzsch mit Hilfe von Miriam Neumann und Heidi Kesting. Die Formatierung übernahm Klaus-Peter Kronemann, „der sich das bestimmt gut überlegt hätte, wenn er zu Beginn gewusst hätte, was da auf ihn zukommt“, so die beiden Autorinnen. „Das Ergebnis ist jedem Fall ein Gemeinschaftswerk.“ Ein lesenswertes noch dazu.

  • Ursula Hirt / Dagmar Kratzsch: „Friedemanns Grimm. Ein Marburg-Krimi“, Books on Demand, 280 Seiten, 11,50 Euro.

Von Uwe Badouin