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Marburg Marburg berät „Klima-Notstand“
Marburg Marburg berät „Klima-Notstand“
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00:20 26.05.2019
Mal 3.000, mal weniger als 100: Seit Monaten bringt „Fridays for Future“ Kinder und Jugendliche auf die Straße. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

Konsequenter Ausbau Erneuerbarer Energien, Vermeidung von Flächenverbrauch etwa durch Einfamilienhaus-Siedlungen, Verpflichtung der städtischen Eigenbetriebe wie der Gewobau zu mehr Klimaschutz und die Reduzierung des Autoverkehrs:

So einen Beschluss soll das Stadtparlament nach dem Willen der Grünen-Fraktion am Freitagabend, 24. Mai, fällen. Die Universitätsstadt solle es Konstanz gleichtun und den Klima-Notstand ausrufen.

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„Es ist an der Zeit zu handeln, anstatt weiter um den heißen Brei herumzureden. Dazu braucht die Stadt einen wirkungsvollen Aktionsplan für mehr Klimaschutz“, sagt Dr. Karsten McGovern (Grüne), Umweltausschuss-Vorsitzender, im Vorfeld der „Fridays for Future“-Demo am 24. Mai. Jede Kommune müsse angesichts des menschengemachten Klimawandels konkrete Beiträge leisten, obgleich der Bund die größte Verantwortung habe.

Druck auf Lehrer und Politiker

In Marburg hat sich neben den Klimastreik-Schülern auch eine neue Ortsgruppe von „Parents for Future“ gegründet, die Mitstreiter sucht. Nach eigenen Angaben sehen es die Erwachsenen als ihre Aufgabe an, „praktische Hilfe und Unterstützung der Anliegen der Bewegung, aber auch im eigenen Kampf gegen die Klimakrise“ zu leisten.

Es gelte, „politischen Druck auf die Schulen und Kultusministerien auszuüben“, die Kindern mit Sanktionen drohten, wenn diese für ihre Zukunft streiken. Auch in Marburg hat es vor wenigen Monaten eine politische Kontroverse um Sanktionen wie unentschuldigte Fehlstunden gegeben (die OP berichtete). Die Botschaft der „Parents for Future“ lautet: „Unsere Kinder haben Recht! Sie kämpfen für ihre Zukunft! Eltern, schaut nicht tatenlos zu! Gebt euren Kindern Rückenwind!“

Bewusstseinswandel gefordert

Greta Thunberg, die schwedische Schülerin und das Gesicht der Klimabewegung, hat sich trotz zweifacher Einladung weiterhin nicht beim Magistrat gemeldet, geschweige denn einen Besuch zugesagt. „Wir werden nicht noch mal nachhaken“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf OP-Anfrage. Er habe – bei aller Hoffnung nach der schwedischsprachigen und frühen Anfrage – Verständnis dafür, dass für die 16-Jährige die europäischen Metropolen Vorrang hätten.

Es gehe jedoch um mehr als die Person Thunberg, denn Marburger Klimastreik-Teilnehmer würden einen „Bewusstseinswandel in der Bevölkerung“ verlangen und dafür sorgen, dass auch die Kommune weitere Beiträge zum Umweltschutz leistet. Weil das so sei, werde das Stadtparlament am Freitag, 24. Mai, über entsprechende Vor-Ort-Möglichkeiten 
beraten.

Protestzüge treffen sich

Zum Hintergrund in Bezug auf Energieerzeugung: Auf Marburger Gebiet ist seit Jahren und trotz entsprechender Bekundungen kein Windrad gebaut worden – weder am „Lichter Küppel“ noch in Michelbach. Und auch das Vorhaben bei Bortshausen steht in der Kritik. Indes will der Magistrat in Kürze ein Klimagutachten für die ganze Stadt erstellen und animiert seit Jahren zur verstärkten Rad- statt Autonutzung, etwa mit der Einführung des Gratis-Leihsystems „Nextbike“ (die OP berichtete).

Kontakt zur Marburger „Parents for Future“-Gruppe: marburg@parentsforfuture.de. Die Aktivisten treffen sich am Freitag, 24. Mai, um 12 Uhr vor dem Gymnasium Philippinum zur Demo. Die Schüler-Demo startet hingegen um 12 Uhr am Marktplatz und führt durch die Innenstadt – die Protestzüge treffen sich auf der Universitätsstraße – zum Hauptbahnhof.     

von Björn Wisker