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Marburg Freiwillige sollen Lücken füllen
Marburg Freiwillige sollen Lücken füllen
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16:56 29.12.2020
Nach den Corona-Ausbrüchen in Alten-und Pflegeheime wird derzeit ein Pflegepool aufgebaut. Quelle: ARchivfoto: Nadine Weigel
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Marburg

Nach der Zunahme von Corona-Fällen in Seniorenheimen im Kreis und dem Versorgung-Kollaps im Haus Waldblick in Moischt arbeiten die Stadt Marburg und der Landkreis weiter am Aufbau eines Notfall-Hilfsprogramms. Das Ziel: Einen Personalpool an qualifizierten, freiwilligen Helfern aufbauen, um mögliche Engpässe in Altenheimen – etwa wenn zu viele Pflegekräfte durch Quarantäne wegfallen – aufzufangen.

Es gab bereits Senioren- und Pflegeheime im Kreis, die in eine solche Situation gekommen sind oder Gefahr laufen, darauf zuzusteuern, warnt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Daher wurde kurz vor Weihnachten ein öffentlicher Aufruf gestartet, um ein Hilfenetz aus Fachkräften, von Pflege bis Hauswirtschaft, aufzubauen, „um vom Coronavirus betroffene Pflege- und Seniorenheime schnell und unbürokratisch zu unterstützen“, heißt es in dem Appell, der analog zur Personalsuche für das künftige Impfzentrum am Messeplatz läuft.

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Die Resonanz auf den Aufruf scheint groß – wie die Stadt, die für Koordination und Vermittlung zuständig ist, auf Nachfrage mitteilt, wurden mittlerweile 242 Freiwillige registriert, die bereit seien, in einer Notsituation in einer betroffenen Einrichtung auszuhelfen. „Die Zahl der Hilfsangebote ist erfreulicherweise sehr hoch“, lobt die Stadt. Man könne „auf ein vielschichtiges Angebot“ zurückgreifen.

Viele Studierende bieten Hilfe an

Rund die Hälfte der gemeldeten Freiwilligen seien Studierende, ebenso registriert wurden examinierte Fachkräfte und ausgebildete Helfer aus den Bereichen Alten- und Krankenpflege, Ärzte sowie Fachkräfte aus den Bereichen Betreuung, Gastronomie und Hauswirtschaft und etliche Freiwillige aus anderen Bereichen. Ob und welche am Ende – je nach angegebener beruflicher Qualifikation – wo eingesetzt werden können, entscheide dabei nicht die Stadt, sondern am Ende die jeweilige Einrichtung selber.

Über eine Online-Plattform melden können sich sowohl Freiwillige wie Einrichtungen, die Unterstützung aus dem Pool benötigen. Einsätze hat es bereits gegeben, bisher habe eine Senioreneinrichtung einen Hilfebedarf angemeldet. „Hier konnten schnell und unbürokratisch Freiwillige vermittelt werden“, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Auch überregional gab es bereits eine Vermittlung, nachdem die Koordinierungsstelle des Pflegekräftepools des Landkreises Gießen um Unterstützung für eine Einrichtung im Gießener Umland gebeten hatte. „Wir sind sehr dankbar für die überaus große Hilfsbereitschaft der Menschen in der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf“, lobt Spies.

Was passiert im Notfall, wenn eine Pflegeeinrichtung, der die Mitarbeiter wegbrechen, um Hilfe ruft? Wenn etwa die Versorgung pflegebedürftiger Senioren nicht mehr gewährleistet werden kann? Dann würden infrage kommende, registrierte Helfer über die Koordinierungsstelle „Pflegepool“ der Stadt kontaktiert, telefonisch oder per Email, „um vorab die Verfügbarkeit zu ermitteln. Im zweiten Schritt meldet die Koordinierungsstelle mit Einverständnis der Freiwilligen die jeweiligen Kontaktdaten an die hilfesuchende Einrichtung“. Diese könnte sich dann mit den Helfern in Verbindung setzen.

Bei Interesse können sich Helfer über www.marburg.de/pflegepool-helfen melden. Einrichtungen über www.marburg.de/pflegepool-bedarf. Die Pflegepool-Anmeldung ist auch über den Button „Corona.Neuigkeiten.Marburg“ auf der städtischen Homepage oder das Online-Portal digital.marburg.de zu erreichen. Weitere Informationen gibt es unter der zentralen E-Mail-Adresse pflegepool@marburg-stadt.de und unter 0 64 21 / 2 01-26 00 (werktags 9 bis 12 Uhr).

Von Ina Tannert

29.12.2020
29.12.2020
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