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Marburg Studentin Lucy Simmonds erläuft sich Marburg
Marburg Studentin Lucy Simmonds erläuft sich Marburg
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12:58 28.02.2021
Die britische Masterstudentin Lucy Simmonds ist Mitinitiatorin des "Parkrun" an den Marburger Lahnwiesen.
Die britische Masterstudentin Lucy Simmonds ist Mitinitiatorin des "Parkrun" an den Marburger Lahnwiesen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Für die Marburger Studentin Lucy Simmonds (25) ist das Laufen eine Passion und bietet gleichzeitig eine Möglichkeit, zu entspannen und im Kopf frei zu werden. Dabei dauert es auch bei der begeisterten Freizeit-Läuferin jedes Mal wieder eine Weile, bis es ihr gelingt, den Alltags-Gedanken zu entfliehen. „Der Kopf fliegt von Thema zu Thema und dann irgendwann findet man die Leere im Kopf und kann sich freilaufen“, beschreibt sie dieses unbeschreiblich schöne Gefühl, das sie mit dem Laufen verbindet.

Dabei war in der Schule bei der gebürtigen Britin zunächst Laufen nicht ihr Sport Nummer 1, sondern sie machte Rudern im Schulsport. Erst an der Universität in Southampton packte sie im Jahr 2013 die Laufleidenschaft, aber dann gleich richtig. Nach einigen Monaten Mitgliedschaft im Laufverein der Universität lief sie auch Halbmarathons und Marathons.

Doch auch wenn sie zwischenzeitlich eine Phase hatte, in der sie möglichst gute Laufzeiten anstrebte, geht es ihr jetzt vor allem um den Laufgenuss. „Ich brauche keine Uhr und keine Musik. Ich gehe einfach raus und laufe los“, erzählt sie. Ihre Lieblingsstrecke liegt zwischen 10 und 15 Kilometern, spätestens ab 30 Kilometern kann das Laufen aber auch sie Überwindung kosten.

Marburg ist längst zu ihrer Heimat geworden

Lucy Simmonds Heimatstadt ist Chester, „die älteste Stadt in Großbritannien“, wie sie im Gespräch mit der OP stolz berichtet. Nicht ganz zufällig suchte sie sich dann nach ihrem Studienwechsel nach Deutschland auch wieder zwei historisch bedeutsame Städte als Wohn-und Studierorte aus.

Zunächst ging sie 2017 nach Trier, und seit Oktober 2019 lebt sie in Marburg, wo sie Romanistik mit den Schwerpunkten Französisch und Italienisch studiert. Dabei halfen ihr ihre guten Deutschkenntnisse. Schließlich hat sie schon im Alter von 12 Jahren in der Schule angefangen, Deutsch zu lehren.

Mittlerweile sieht sie auch in der Corona-Zeit in Marburg längst ihre Heimat und beschäftigt sich in ihrem Blog (https://lucindasimmonds.wordpress.com/) auch mit der Beschreibung von Ausflugszielen in der Region oder historischen Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Jahrhunderte in Marburg aufgehalten haben. So hat sie sich beispielsweise den Brüdern Grimm und der Heiligen Elisabeth gewidmet. Zudem weiß sie nach einigen Jahren Studium in Deutschland auch genauer, was sie beruflich machen möchte. So gibt sie schon derzeit viele Englisch-Kurse, unter anderem an der Volkshochschule und strebt einen Job in der Erwachsenenbildung an.

In Marburg gelang es ihr schließlich auch, mit der Mit-Organisation eines ganz besonderen Lauf-Events im März vergangenen Jahres einen von ihr lang gehegten Traum zu erfüllen. Bereits in Southampton hatte Luc Simmonds Spaß am dortigen „Park Run“, der Teil einer internationalen Bewegung von Lauf-Enthusiasten ist. Der erste und bisher Corona-bedingt leider einzige Marburger Park-Run fand vor einem Jahr auf der Strecke von den Marburger Lahnwiesen bis kurz vor Gisselberg mit rund 100 Teilnehmern statt.

„Der erste Marburger Park-Run: Das war einer meiner schönsten Tage“, sagt Lucy Simmonds und dankt ausdrücklich Frank Beutell, der mit einigen anderen dazu beitrug, dass das Event stattfand. Und darum geht es: Alle laufen gemeinsam immer samstags morgen um 9 Uhr los und bewältigen dann die 5 Kilometer lange Strecke mit Start und Ziel an dem Kleinfußballfeld an den Lahnwiesen direkt hinter dem Trafohäuschen im Marburger Südviertel, bei der es eine Zeitmessung für alle gibt.

„Das Ziel des Park-Runs ist es, Leute zusammenzubringen“, erklärt Simmonds. „Laufen, egal wie fit oder schnell man ist“, sei die dahinterstehende Idee. „Denn Bewegung tut gut für Kopf und Körper.“

Nach der ersten Auflage im März 2020 war allerdings wegen des damaligen Lockdowns erst einmal Schluss. Denn es war aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich, dieses Lauf-Event durchzuführen, bei dem zumindest am Start viele Menschen auf einmal im Pulk laufen.

Doch eventuell könnte es in diesem Frühjahr wieder losgehen. „Wir warten, was die Behörden sagen. Wir wollen wieder loslegen, wenn es möglich ist“, meint Lucy Simmonds. „Denn jetzt wird das Wetter wieder schön, und viele Leute haben Lust zu laufen“, erzählt sie. Vielleicht müsse man aber zunächst einmal mit einer zahlenmäßigen Begrenzung des Starterfeldes arbeiten, wenn es wieder eine prinzipielle Erlaubnis gebe.

Auf Dauer fehlt ihr die Gruppe der Gleichgesinnten

Zwar heißt der Lauf Park-Run, und in Großbritannien, dem Ursprungsland der Park-Run-Bewegung sind die Austragungsorte eigentlich immer Parks. Aber in Marburg ist das nicht so, auch wenn die Organisatoren vergangenes Jahr im Vorfeld auch Alternativrouten selbst geprüft haben. Und die Lieblingsstrecken der jungen Engländerin liegen in Marburg auch woanders: es sind vor allem die Waldwege überall auf den Lahnbergen.

In dem Jahr seit dem ersten Park-Run hat sich die angehende Englischlehrerin laufmäßig mit „Ersatz-Läufen“ fitgehalten. Entweder lief sie allein oder mit ihrem Freund sowie einigen wenigen aus der „Park-Run“-Community.

Doch auf Dauer fehlt Lucy Simmonds die Gruppe der Gleichgesinnten schon sehr.

Von Manfred Hitzeroth

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