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Marburg Freie Wohnheimplätze im Collegium Philippinum
Marburg Freie Wohnheimplätze im Collegium Philippinum
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14:56 07.01.2022
Auch im Sommersemester 2022 können sich Studierende in Marburg für einen Wohnplatz im Collegium Philippinum bewerben.
Auch im Sommersemester 2022 können sich Studierende in Marburg für einen Wohnplatz im Collegium Philippinum bewerben. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Zwar klopfte bislang noch keine Eule mit Brief und Zulassung für Hogwarts bei den dort lebenden 39 Studierenden an die Fensterscheibe, dennoch sei das Leben der im Jahre 1529 gegründeten Hessischen Stipendiatenanstalt Collegium Philippinum dem der berühmten Zauber-Schule aus den Harry Potter-Büchern nicht unähnlich – findet Aline Seidel, Repetentin und Pfarrerin der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sowie die Geschäftsführerin des Collegiums. Für das Sommersemester 2022 sind dort noch Plätze frei, auf die sich bis zum 4. Februar alle Marburger Studierenden bewerben können.

Ursprünglich durch Landgraf Philipp von Hessen gegründet, um unvermögenden Theologiestudenten eine akademische Ausbildung zu ermöglichen, bietet die Hessische Stipendiatenanstalt nun – fast 500 Jahre später – Menschen aller Studiengänge eine kostengünstige Alternative in Marburgs ältestem selbstverwalteten Wohnheim.

„Ich finde das super, weil wir nun verschiedene Studiengänge und damit unterschiedliche Themen fördern. Wir legen viel Wert auf Liberalität, Offenheit und Vielfalt“, sagt Seidel. Die 33-jährige Pfarrerin ist seit November sowohl Geschäftsführerin als auch Repetentin im Collegium Philippinum. „Repetenten waren früher dafür zuständig Hebräisch, Altgriechisch und Latein mit den Studierenden zu wiederholen, weil in diesen Sprachen die Bibel verfasst wurde“, erklärt sie.

Doch auch wenn der ursprüngliche Name geblieben ist, unterscheiden sich die Aufgaben zu damals. So ist sie neben dem Organisieren von Verwaltungsarbeiten vor allem Coach für die Studierenden, für die sie verschiedene Bildungsprogramme und wissenschaftliche Projekte plant und vorbereitet.

Bewerber müssen in Marburg studieren

 Für einen Wohnplatz bewerben können sich im Collegium alle, die in Marburg studieren. Weitere Voraussetzungen gibt es nicht, auch wenn der Name Stipendiatenanstalt etwas anderes vermuten lässt, bekräftigt Seidel.

„Wir haben auch Austauschstudierende aus verschiedenen Ländern wie Ungarn oder den USA“, erzählt Seidel. So haben insgesamt 39 Menschen – davon sind zwölf Stipendiaten – in 33 Einzelzimmern und drei Doppelzimmern im Collegium Platz. Die Miete liegt je nach Zimmer zwischen 98 und 162 Euro, wobei eine Pauschale zuzüglich von rund 60 Euro pro Semester für unter anderem Internet und Rundfunkbeitrag erhoben wird. Die Vergabe der freien Plätze an die Bewerberinnen und Bewerber erfolgt schließlich durch die Bewohnerinnen und Bewohner selbst.

„Wir laden zum gemeinsamen Mittagessen ein, damit man sich besser kennenlernt“, sagt Seidel. Nachdem dann in der Hausversammlung durch die Bewohner die neuen Bewohner ausgewählt wurden, müssen diese nun noch durch eine Verwaltungskommission bestätigt werden. Hier sitzt unter anderem seit fünf Jahren der evangelische Theologie-Professor und theologische Vorstand des Studierendenwohnheims Karl Pinggéra, auch Ephorus genannt, der das Wohnheim auch nach außen hin vertritt.

Das Zusammenleben im Wohnheim gestalten die Bewohnerinnen und Bewohner zu einem Großteil selbst, sei es im Garten oder wenn es um Neuanschaffungen für die gemeinsamen Räumlichkeiten geht.

„Wir treffen uns einmal in der Woche im Speisesaal, wo wir Anliegen besprechen und diese gemeinsam beschließen“, erklärt Seidel. Diese Hausversammlung ist daher der Mittelpunkt des Zusammenlebens und gelebte Basisdemokratie. Eine weitere große Rolle spielen Ämter, von denen es zahlreiche gibt und die alle Studierende jeweils für ein Semester oder auch ein Jahr zugeteilt bekommen und ausüben dürfen.

„Das kann von Arbeiten in der Küche bis hin zur IT gehen“, sagt Seidel. Neben dem gemeinsamen Austausch am Mittagstisch im Speisesaal gibt es für die Studierenden, neben Filmabenden und Wanderungen, die Möglichkeit, sich in speziellen Angeboten wie in der Foto-, Chor- beziehungsweise Tischtennis-AG zu verwirklichen.

„Man lebt zusammen und daraus bilden sich Freundschaften“, erzählt Seidel. Nachdem Corona-bedingt die traditionellen Hausfahrten im vergangenen Semester nicht stattfinden konnten, hofft Seidel, dass diese im Sommersemester wieder möglich werden.

„Wir fahren dabei gemeinsam zu interessanten Orten“, sagt Seidel. So gab es unter anderem bereits Hausfahrten im Sommer 2018 nach München oder auch im Jahr 2016 sogar nach Russland und ins Baltikum. Ein besonderes Angebot bietet der „Mittwochsgast“, eine Vortragsreihe, bei der Menschen aus Gesellschaft und Politik in das Collegium eingeladen werden. Geplant ist für den Sommer hier beispielsweise ein Auftritt des Schauspielers und Komikers Martin Schneider.

Finanzierung erfolgt in einer Kooperation

Finanziert wird die Stipendiatenanstalt in Kooperation durch die Universität, die hessischen Landeskirchen und durch Beiträge der Präsentationsstädte, die im Gegenzug Studierende für ein Stipendium vorschlagen dürfen. Während sich die Universität um den Erhalt der Gebäude kümmert, kommen Kirche und verschiedene Unterstützer, wie zum Beispiel der Verein Gesellschaft für Freunde und Förderer für Mittagstische, Zuschüsse für Hausfahrten, Zeitungsabos oder auch Büchergeld für die eigene Bibliothek auf.

Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren sowie dem Collegium Philippinum finden sich auf der Webseite der Universität Marburg unter https://www.uni-marburg.de/de/stipe. Dort findet sich auch ein Bewerbungsformular, die Frist läuft noch bis zum 4. Februar.

Von Felix Hamann