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Marburg Ein buntes Menü an Möglichkeiten
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11:58 24.07.2021
Einer von einem Dutzend Bausteinen in der Frauenakademie: Das „Café Temmlers“ – die Frauen kochen und essen multikulturell. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, sich auszutauschen und auch Sprachgelegenheiten zu schaffen. Denn: Gesprochen wird deutsch – egal, wie schwer es noch fallen mag.
Einer von einem Dutzend Bausteinen in der Frauenakademie: Das „Café Temmlers“ – die Frauen kochen und essen multikulturell. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, sich auszutauschen und auch Sprachgelegenheiten zu schaffen. Denn: Gesprochen wird deutsch – egal, wie schwer es noch fallen mag. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Es ist ein Wechsel in der Qualifizierung, den der Landkreis gemeinsam mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) bei der Qualifizierung von Frauen zur Integration in Ausbildung oder Arbeit geht: Wurden Projekte, wie beispielsweise Bewerbungstraining oder Computerkurse, bisher getrennt angeboten, so hebt die „Frauenakademie“ diese Trennung nun auf. Das Konzept: Aus einem Dutzend Module mit jeweiligen Unterpunkten können die Frauen – neben einigen Pflichtmodulen – wählen, was sie weiterbringt. „Das ist quasi unsere Speisekarte“, verdeutlicht Franziska Richter, Regionalleiterin des BWHW.

Und von dieser „Speisekarte“ können sich die Frauen in Rücksprache mit dem Fallmanagement des Kreisjobcenters und den Ansprechpersonen der Frauenakademie die entsprechenden Komponenten wählen, sich quasi ihr „Qualifizierungs-Menü“ zusammenstellen. Doch am Anfang steht ein detailliertes Profiling:

Welche Kompetenzen bringen die Frauen bereits mit? „Und das sind meist schon einige“, weiß Richter, „immerhin managen die Frauen in der Regel ja beispielsweise ihre Familien“. Wo gibt es Defizite? Oder wo stehen gesundheitliche Hindernisse, wie beispielsweise auch psychische Dispositionen, den Teilnehmerinnen im Weg, um in die Ausbildung oder das Berufsleben einzusteigen?

„Danach wird ein detailliertes, individuelles Programm für die Teilnehmerinnen erarbeitet“, verdeutlicht Franziska Richter. Und das besteht aus der Pflicht ebenso wie der Kür: Wenn beispielsweise einige Menü-Bestandteile aus den Komponenten „Fit for Job“ oder „Berufliche Förderung“ bestehen, dann könnte der „Nachtisch“ aus der „Lernwerkstatt“ kommen, wo beispielsweise die Themen „Upcycling“, „Schöner Wohnen“, „Der Wald ruft“ und weitere auf der „Speisekarte“ stehen.

„Wichtig dabei ist: Die Kurse sind keineswegs in Stein gemeißelt“, sagt die Regionalleiterin. Vielmehr bestehe das Konzept der Frauenakademie aus viel Flexibilität. Denn gemeinsam mit Fallmanagement und Akademie-Mitarbeitenden legen die Frauen fest, wie viele Stunden in der Woche sie mit Kursen verbringen können und wie lange das Projekt absolviert wird.

Flexibilität ist in der

Frauenakademie Trumpf

„Die Teilnahmedauer ist zwischen 2 und 30 Wochenstunden möglich – und das bis zu vier Monate“, verdeutlicht Richter. Wichtig dabei: Gerade vormittags gibt es auch viele Schwerpunkte, sodass die Teilnehmerinnen flexibel etwa auf Schul- oder Kita-Zeiten ihrer Kinder reagieren können.

„Denn viele der Teilnehmerinnen sind alleinerziehend“, weiß sie. Zudem gibt es während der Kurse die Möglichkeit der Kinderbetreuung im KuK-Center des Jobcenters.

Flexibilität ist auch bei der Durchführung der Kurse Trumpf: Diese reicht vom Einzelcoaching oder Kleingruppen über ein digitales Angebot, das von zu Hause wahrgenommen werden kann, über das Frauencafé bis hin zu kreativen und handwerklichen Projekten und gemeinsamen Unternehmungen „im Wald und auf der Wiese“.

Beraten, begleitet und betreut werden die Frauen dabei von einem Team aus sozialpädagogischen Fachkräften, Trainerinnen und Trainern, Lehrkräften sowie Psychologinnen und Psychologen. Mitarbeitende des Bildungswerks und des Kreisjobcenters arbeiten dabei eng zusammen.

Neben der Möglichkeit, aus einer Palette an Modulen und Workshops auszuwählen werden die Frauen durch Selbstlernmöglichkeiten qualifiziert und können Praktika in Firmen der Region absolvieren. Die Eigenverantwortung und Partizipation der Frauen wird gestärkt, indem es neben Pflicht- auch Wahlmodule gibt und Angebote von Frauen für Frauen entwickelt wurden. „Wir fragen die Frauen, was sie wollen – diese Wertschätzung sind sie teilweise gar nicht mehr gewohnt. Dadurch steigt die Akzeptanz für die Module enorm“, sagt Franziska Richter.

Bisher eine sehr gute

Vermittlungsquote

Dass unter all der Flexibilität die Inhalte auf keinen Fall zu kurz kommen, zeigen die bisherigen Vermittlungszahlen: Im April ging das Projekt an den Start, seither gab es bisher insgesamt 69 Teilnehmerinnen. Von ihnen haben 18 die Frauenakademie mittlerweile verlassen, davon 72 Prozent direkt in eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle.

„Die Frauenakademie bietet vielfältige und bedarfsgerechte Möglichkeiten für Frauen, sich beruflich weiter zu qualifizieren, Neues zu lernen und miteinander auszutauschen.

Gerade vor dem Hintergrund der ständig komplexer werdenden Arbeitswelt ist dies ein wichtiges Angebot“, betont der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Marian Zachow (CDU).

„Frauen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Biographien, Mütter, alleinerziehende Frauen, Frauen mit Fluchthintergrund, junge und erfahrenere Frauen oder auch Frauen mit gesundheitlichen Einschränkungen haben in der Frauenakademie die Möglichkeit, sich in diversen Angeboten zu treffen, auszutauschen, Beziehungen zu knüpfen und voneinander zu profitieren – sowohl kulturell, als auch sprachlich“, erläutert Zachow.

Weitere Informationen über die Frauenakademie sind online unter www.bwhw.de erhältlich.

Von Andreas Schmidt

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