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Marburg Frau will Waffe auf Friedhof entsorgen
Marburg Frau will Waffe auf Friedhof entsorgen
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09:00 12.01.2022
Weil sie die Waffe ihres Lebensgefährten unerlaubt geführt haben soll, als sie diese zu einem Friedhof brachte und dort entsorgte, ist eine Frau vor dem Marburger Amtsgericht angeklagt worden. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 400 Euro eingestellt..
Weil sie die Waffe ihres Lebensgefährten unerlaubt geführt haben soll, als sie diese zu einem Friedhof brachte und dort entsorgte, ist eine Frau vor dem Marburger Amtsgericht angeklagt worden. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 400 Euro eingestellt.. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Sie soll den Schreckschussrevolver ihres Lebensgefährten in einem Gebüsch auf einem Friedhof entsorgt haben – deshalb ist eine Frau vor dem Marburger Amtsgericht angeklagt worden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte sich des unerlaubten Führens einer Waffe schuldig gemacht und damit gegen das Waffengesetz verstoßen haben. Nach Ansicht ihres Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Jannik Rienhoff, ist die Tat hingegen nicht strafwürdig. Das Gericht stellte das Verfahren am Dienstag nach kurzer Beratung gegen eine Geldauflage ein – nachdem Strafrichter Brandenfels festgestellt hatte, dass die Angeklagte auch eine Viertelstunde nach Verhandlungsbeginn nicht erschienen war.

Der Hintergrund des ungewöhnlichen Falles: Zwischen der Angeklagten und ihrem ehemaligen Partner soll es zu häuslicher Gewalt gekommen sein. Der Partner soll sich den Schreckschussrevolver zugelegt haben. Diesen soll die Angeklagte an sich genommen haben – in der Mitteilung des Gerichts heißt es, sie soll sich des Revolvers „bemächtigt haben und diesen nach einigen Wochen offen, für jedermann zugänglich, auf einem Friedhof“ entsorgt haben. Nach Angaben ihres Verteidigers tat sie dies aber „aus Angst, dass er sie mit der Waffe irgendwie verletzt“. Offenbar war die Waffe nicht geladen.

Angeklagte hatte Transport der Waffe eingeräumt

Die Angeklagte selbst, die sich in psychiatrischer Behandlung befindet, konnte ihre Sicht am Dienstag nicht vor Gericht schildern, da sie nicht erschien und auch telefonisch nicht erreichbar war. Dem Gericht lag eine schriftliche Aussage der Frau vor. Demnach hatte sie eingeräumt, die Waffe ohne besondere Sicherung zu dem Friedhof gebracht – somit „geführt“ – und dort weggeworfen zu haben. Eine Einstellung ohne Auflagen wegen Geringfügigkeit nach Paragraf 153 Strafprozessordnung kam aus Sicht von Anklage und Richter nicht infrage, jedenfalls nicht ohne Aussage der Angeklagten vor Gericht. Einerseits, weil die Schreckschusswaffe auf dem Friedhof für jedermann zugänglich war, auch für Kinder. Andererseits, weil die Frau abgesehen von dem aktuellen Verfahren noch weiterer Straftaten beschuldigt wird, die allerdings nichts mit dem Waffengesetz zu tun haben. Mit Zustimmung der Prozessbeteiligten wurde das Verfahren nach Paragraf 153a gegen eine Geldauflage von 400 Euro für sechs Monate eingestellt. Den Betrag muss die Angeklagte in monatlichen Raten zu 50 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Von Stefan Dietrich