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Marburg Forscher erkunden Rolle von Insekten beim Holzabbau
Marburg Forscher erkunden Rolle von Insekten beim Holzabbau
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07:50 06.09.2021
Der Alpenbock (Rosalia alpina) gehört zu den Bockkäfern. Seine Larven ernähren sich von abgestorbenem Holz.
Der Alpenbock (Rosalia alpina) gehört zu den Bockkäfern. Seine Larven ernähren sich von abgestorbenem Holz. Quelle: Ralph Martin
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Marburg

Wie schnell totes Holz im Wald abgebaut wird, hängt vom Klima sowie von Pilzen und Insekten ab. Ein internationales Forschungsteam mit Marburger Beteiligung hat nun den jährlichen Beitrag von Totholz zum globalen Kohlenstoffkreislauf ermittelt und erstmals die Bedeutung von Insekten beim Holzabbau quantifiziert. Das teilte die Marburger Uni-Pressestelle mit.

Lebende Bäume nehmen viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und sind damit wichtige Klimaschützer. Über die Rolle von toten Bäumen im globalen Kohlenstoffkreislauf ist aber wenig bekannt. Dabei gehören die Zersetzung von Holz und die Rückführung der darin gespeicherten Nährstoffe zu den wichtigsten Prozessen in Wäldern.

Fragen über Fragen

Wie viel Kohlenstoff wird weltweit aus verrottendem Holz freigesetzt? Welche Rolle spielen dabei Insekten? Das wurde nun erstmals in einem globalen Forschungsprojekt, etabliert vom Nationalpark Bayerischer Wald und koordiniert von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Technischen Universität München, erforscht. Seitens der Philipps-Universität beteiligten sich die Biologin Professorin Nina Farwig und ihr Kollege Professor Roland Brandl an den Untersuchungen.

Im Verbundprojekt BioHolz unter Federführung der Philipps-Universität Marburg wird nach neuen Wegen gesucht, die unterschiedlichen Ansprüche von Forstwirtschaft, Naherholung, Tourismus und Naturschutz an Wälder und Holz miteinander in Einklang zu bringen.

Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Dafür wurde BioHolz als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird an Projekte verliehen, die sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Für die aktuelle Publikation haben Forscherinnen und Forscher an 55 Wald-Standorten auf sechs Kontinenten Hölzer von über 140 Baumarten ausgelegt, um den Einfluss des Klimas auf die Abbaugeschwindigkeit zu messen. Die Hälfte der Hölzer befand sich in engmaschigen Käfigen. So konnte ausgeschlossen werden, dass hier Insekten an der Zersetzung mitwirken.

10,9 Gigatonnen Kohlenstoff werden jährlich freigesetzt

Die erhobenen Daten zeigen, dass die Abbaugeschwindigkeit und der Beitrag der Insekten sehr stark vom Klima abhängen und vor allem mit steigender Temperatur zunehmen. Höhere Niederschläge beschleunigen in warmen Regionen den Abbau, in Regionen mit niedrigen Temperaturen verlangsamen sie den Abbau.

50 Forschungsgruppen weltweit führten das Experiment teilweise unter schwierigsten Bedingungen durch. Manche Flächen mussten aufwendig vor Elefanten geschützt werden. Eine Fläche ging durch einen Waldbrand verloren und wurde neu aufgebaut, ein anderes Gebiet wurde überschwemmt.

Modell: Ausmaß am globalen Kohlenstoffkreislauf

Aus dem Experiment konnten die Forscher modellieren, in welchem Ausmaß Totholz am globalen Kohlenstoffkreislauf beteiligt ist. Demnach werden jährlich 10,9 Gigatonnen Kohlenstoff weltweit aus Totholz freigesetzt. Ein Teil des Kohlenstoffs geht dabei in den Boden, während ein anderer Teil in die Atmosphäre freigesetzt wird. Die aus Totholz freigesetzte Menge entspricht rund 115 Prozent der Emissionen aus fossilen Brennstoffen.

Mit 93 Prozent tragen die Tropenwälder den Forschern zufolge auf Grund ihrer hohen Holzmasse in Kombination mit schnellen Abbauprozessen überproportional zu diesem Ergebnis bei. Insekten haben am Holzabbau einen Anteil von fast einem Drittel, der sich überwiegend auf die Tropen beschränkt. In Wäldern der nördlichen und gemäßigten Breiten sind die Beiträge der Insekten jedoch gering.

Eine Lücke geschlossen

„Die Studie unterstreicht die Rolle von Totholz im globalen Kohlenstoffkreislauf, ebenso wie die funktionale Bedeutung von Insekten beim Abbau von Holz. Damit schließen wir eine weitere Lücke für die globale Modellierung von Kohlenstoffkreisläufen“, sagt Professor Jörg Müller Leiter der Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald und der Ökologischen Station der Uni Würzburg.

„Im globalen Wandel beobachten wir zum Teil drastische Rückgänge der Artenvielfalt und Änderungen des Klimas. Die aktuelle Studie zeigt, dass sowohl Klimaveränderungen als auch der Verlust von Insekten das Potenzial haben, den Holzabbau und damit die Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe weltweit zu verändern“, erklärt Privatdozent Dr. Seibold, Erstautor der Studie.

Von Manfred Hitzeroth

05.09.2021
05.09.2021