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Marburg Forscher aus Marburg unterstützen Versöhnung
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18:00 16.11.2021
Mit diesem Graffito in Bogotá setzt sich ein Straßenkünstler mit dem Friedensprozess in Kolumbien auseinander.
Mit diesem Graffito in Bogotá setzt sich ein Straßenkünstler mit dem Friedensprozess in Kolumbien auseinander. Quelle: Anika Oettler/Uni Marburg
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Marburg

Vor fünf Jahren waren die Augen der Weltöffentlichkeit auf Kolumbien gerichtet. Mit der Unterzeichnung eines umfangreichen Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Bewegung FARC-EP wurde ein mehr als 50 Jahre andauernder Bürgerkrieg beendet. Der damalige kolumbianische Präsident Manuel Santos wurde für seine Bemühungen um den Friedensprozess im Jahr 2016 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Die Philipps-Universität Marburg nutzte jetzt den fünften Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensabkommens als Anlass, um dem Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstitut „CAPAZ“  (Instituto Colombo-Alemán para la Paz) als assoziiertes Mitglied beizutreten, wie die Marburger Uni-Pressestelle jetzt mitteilte. An dem Konsortium sind aktuell mehr als 20 kolumbianische und deutsche Universitäten beteiligt.

Dringlicher Appell

„Der Beitritt ist auch als dringlicher Appell an die künftige Bundesregierung gemeint, den Friedensprozess in Kolumbien weiter zu unterstützen“, sagt die Soziologin Professorin Anika Oettler. Sie forscht seit vielen Jahren in dem südamerikanischen Land und unterhält dort vielfältige Kooperationsbeziehungen.

In einem Team unter Oettlers Leitung wird die Frage untersucht, wie verschiedene soziale Gruppen Versöhnung verstehen und erleben. Weltweit sind viele Gesellschaften mit einem von Gewalt begleiteten sozialen Wandel konfrontiert.

Nach bewaffneten Auseinandersetzungen und autoritären Phasen werden gewaltbezogene soziale Differenzen auch über die ursprünglichen Gewalt-Konflikte hinaus sichtbar, heißt es auf der Projekt-Homepage. Das Forschungsteam hält ein besseres Verständnis von Versöhnung in Gewaltkontexten für notwendig, um Instrumente der Friedensbildung weiterzuentwickeln.

Institut ist Vernetzungsplattform

Auch der Kultur- und Sozialanthropologe Professor Ernst Halbmayer forscht zu der Frage, welche Erfahrungen die Menschen in Kolumbien in ihrem Alltag mit dem Friedensprozess machen. Halbmayer und sein Team untersuchen dies in den Regionen Cauca, Cesar und Urabá.

Das CAPAZ-Institut wurde im Jahr 2017 gegründet und hat seinen Sitz in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. Es ist eine Vernetzungsplattform für Wissenschaftler und Universitäten aus Kolumbien und Deutschland in Fragen der Friedensforschung, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Konfliktprävention und der Gestaltung einer Post-Konflikt-Gesellschaft. Finanziert wird das Institut aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und des Auswärtigen Amtes.

Die Leitung des Konsortiums auf deutscher Seite liegt bei der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Jahr 2019 wurde CAPAZ durch den DAAD in den Kreis der „Exzellenzzentren in Forschung und Lehre“ aufgenommen und dadurch in besonderer Weise ausgezeichnet.

Von Manfred Hitzeroth

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