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Marburg Forderung nach Schüler-Schnelltests durch Stadt Marburg
Marburg Forderung nach Schüler-Schnelltests durch Stadt Marburg
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09:58 12.02.2021
Regelmäßige Corona-Schnelltests können Lehrer bei Hausärzten, bei Medizinerinnen wie etwa Dr. Ulrike Kretschmann in Marburg machen. Die FDP fordert nun, das vor den Schul-Öffnungen alle Lehrer und Schüler getestet werden – von der Stadt Marburg, dem Schulträger durchgeführt und bezahlt Quelle: Foto: Björn Wisker
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Marburg

Wegen der bevorstehenden Schul-Öffnungen fordert die FDP von der Stadt Marburg – als Schulträger – die Bezahlung und Durchführung von Corona-Schnelltests für Schüler sowie Lehrer. Wenn ab 22. Februar tausende Schüler wieder in die Marburger Schulen kämen, berge das Risiken für das Infektionsgeschehen. Daher sei es die „einzig richtige Entscheidung, umfangreich zu testen. Mit Tests kauft man sich ein Stück Sicherheit und damit ein Stück Freiheit“, sagt Michael Selinka, FDP-Oberbürgermeister-Kandidat. Eine städtische Teststrategie müsse her.

Vorbilder sind Tübingenund Österreich

Es sei „in jedem Fall besser, als Kommune selbst zu handeln, statt auf die Landesregierung zu warten“, sagt Lisa Freitag, FDP-Fraktionschefin. Mit Personal, auch Ehrenamtlichen etwa aus dem nun aufgebauten Marburger Pflegepool, sowie infrastrukturell mit Zelten oder Absperrungen, könnten Schulen von der Stadtverwaltung unterstützt werden.

Eltern, Schülern und Lehrern seien auch die selbstständige Testung – gerade von den in Österreich schon breit eingesetzten Spucktests – zuzutrauen. Denn: Besser als gar kein Test sei ein nicht 100-prozentig genauer Test, ergänzt Hanke Bokelmann, Stadtverordneter.

Und die Kosten – von den Liberalen, analog zu Vorreiter Tübingen auf 100 000 Euro geschätzt – seien für die Kommune laut Parteichef Christoph Ditschler „gut angelegtes Geld“, zumal der Lockdown selbst die Stadt ein Vielfaches so eines Betrags kosten würde. Es bedürfe einer „lokalen Teststrategie und eigenen Maßnahmen“, sagt auch Niklas Hannott, FDP-Bundestagskandidat. Die Stadt Tübingen hat mit dem Roten Kreuz Anfang dieser Woche genau damit begonnen: flächendeckende Schnelltests bei Erziehern und Kitakindern, ab nächster Woche dann bei Lehrern und Schülern. Geschultes Personal testet in den Einrichtungen demnach zweimal pro Woche, das Rote Kreuz bietet vor Ort Schnelltests an. In Tübingen ist man der Überzeugung, dass das Vorgehen mit regelmäßigen Tests in Arztpraxen zu unpraktisch sei.

Zunächst 100 000 Euro und 20 000 Tests stehen nach Angaben der Stadt Tübingen für den Aufbau der neuen Test-Strategie zur Verfügung. Wer sich den Selbsttest nicht zutraut, kann wochentags zu einem Test-Mobil gehen.

Stadträtin: Land Hessen ist in der Pflicht

Baden-Württemberg setzt landesweit – nach dem Vorbild Österreichs – bei Lehrern, Erziehern und Kindern an Schulen und Kitas auf Selbsttestung zu Hause, sofern sie Symptome haben.

„Für Forderungen nach mehr Tests habe ich großes Verständnis“, sagt Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) auf OP-Anfrage. Sie verweist allerdings auf das Land Hessen: Wenn die Landesregierung das Öffnen beschließe, müsse es auch sagen, wie die Sicherheit der Kinder, Lehrer und Erzieher gewährleistet werden können.

Sollte man als Kommune die Aufgabe vom Land übertragen bekommen, „werden wir natürlich nach besten Kräften daran arbeiten, sie gut umzusetzen.“ Bis dahin seien der Stadt – im Wissen um die anhaltenden großen Belastungen für Kinder und Eltern sowie pädagogischem Personal – aber „die Hände gebunden.“

Ab 22. Februar geht es laut Hessischer Landesregierung für die Klassen 1 bis 6 in den Wechselunterricht – eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Tage- oder wochenweise wird getauscht. Ähnlich soll es bei Abschlussklassen laufen. Für die anderen Jahrgangsstufen bleibt es bis mindestens zu den Osterferien im April beim Home-Schooling.

Heißt: Von den insgesamt 11 000 Marburger Schulen besuchenden Mädchen und Jungen kehrt dann nur ein Teil in phasenweisen Präsenzunterricht zurück, müsste entsprechend der FDP-Forderung getestet werden.

Laut Statistik von Marburgs größter Schule, der Elisabethschule, betrifft das rund ein Drittel der Schüler, im Grundschulzweig der Sophie-von-Brabant-Schule sind es rund 200. In der Stadt gibt es insgesamt 13 öffentliche und weitere privatwirtschaftliche Grundschulen, die Schülerzahlen sind unterschiedlich. So sind es in der West-Grundschule, in Elnhausen und Cyriaxweimar weniger als 100, der internationale Zweig der Steinmühle zählt rund 50.

Die Stadt Marburg kündigte im Nachgang des Corona-Kollaps’ im Moischter „Haus Waldblick“ einen verstärkten, eben an Tübingen angelehnten kommunalen Anti-Corona-Weg an. Neben dem Aufbau eines Pflegepools, Anruf-Taxis für Senioren zum Busticket-Preis und Maskenbereitstellung sah das vor Weihnachten einen Zuschuss für Corona-Schnelltests vor (die OP berichtete).

Von Björn Wisker