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Marburg Folgen der Corona-Krise: Expert Medialand schließt
Marburg Folgen der Corona-Krise: Expert Medialand schließt
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12:58 29.04.2020
Expert Medialand in Wehrda wird wohl Ende September schließen. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Es ist ein schwerer Schlag für den Marburger Handel: Im Kaufpark Wehrda wird Expert Medialand schließen – das teilte der geschäftsführende Gesellschafter der Siebert-Gruppe, Wolfram Kühn, der OP mit. Der Grund: Nachdem sich die wirtschaftliche Lage im gesamten stationären Einzelhandel in den vergangenen Jahren bereits immer weiter zugespitzt habe, sei auch noch die Corona-Krise gekommen. Die damit verbundenen Einschränkungen für den Handel hätten die Lage für Medialand weiter verschärft.

Kühn bezeichnet die „Corona-Maßnahmen der politisch Verantwortlichen zum Schutz der Bevölkerung“ als „richtig und notwendig“ – doch hätte die damit verbundene Schließung „innerhalb kürzester Zeit zum Wegfall von über 80 Prozent der Einnahmen“ geführt. Verschärft worden sei die Lage dadurch, „dass der ohnehin starke Marktanteil des Online-Handels weiter anstieg“.

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Und: Die Kunden hätten Elektrogeräte auch im Randsortiment des weiter geöffneten Lebensmittelhandels, der Baumärkte oder auch im Großhandel erworben. Das mache er der Kundschaft auch nicht zum Vorwurf. Doch: „Dadurch entstanden binnen kürzester Zeit unwiederbringliche Verluste“, so Wolfram Kühn.

Er verdeutlicht: „Die sichere Entlohnung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat in unserem Familienunternehmen stets höchste Priorität. Auf Dauer können wir diese nicht mehr gewährleisten.“ Daher habe sich die Betreiberfamilie nach reiflicher Überlegung zur Schließung entschlossen – auch aus dem Grund, „weil wir das Heft des Handelns nun noch selbst in der Hand haben“, erläutert Wolfram Kühn. Es nutze beispielsweise nichts, nun zu versuchen, mittels eines KfW-Kredits eine vorübergehende Liquidität herzustellen, „denn den Kredit müssen wir auch zurückzahlen“. So würde die Situation lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Zwar habe man in der vergangenen Woche dann ebenfalls den Laden mit einer auf 800 Quadratmeter begrenzten Fläche wieder geöffnet, und die Kunden seien aufgrund der Sonderangebote auch wieder gekommen. Aber letztlich seien die ausgebliebenen Umsätze der vorangegangenen sechs Wochen bei einer hohen Kostenstruktur „nicht wieder hereinzuholen“. In der Folge habe man die Reißleine ziehen müssen, „bevor es letztlich ein anderer tut“.

Die Mitarbeiter wurden am Montagabend über die Entscheidung informiert. Zahlreiche der gut 40 Beschäftigten „sind schon seit vielen Jahren im Unternehmen“, erläutert Kühn. Er wolle versuchen, ihnen eine Perspektive zu schaffen. „Es laufen bereits Gespräche mit anderen Firmen, um nach Möglichkeit Mitarbeiter zu vermitteln“, sagt Kühn.

Der in der Öffentlichkeit wahrgenommene Boom im Einzelhandel betrifft laut des Geschäftsführers nicht alle Branchen gleichermaßen. „Während Online-Händler von der weiterhin zunehmenden Akzeptanz profitieren, erwirtschaften stationäre Einzelhändler immer geringere Erträge bei steigenden Kosten“, konstatiert er. Bereits im Weihnachtsgeschäft vergangenen Jahres hätte jeder schwach besuchte Einkaufszonen beobachten können, „die Paketdienste der Online-Händler hatten zeitgleich Hochkonjunktur. Eine diesbezügliche Trendwende ist nicht abzusehen“.

Die Standorte der Siebert Augenoptik und Hörakustik GmbH in der Marburger Bahnhofstraße sowie die dazugehörigen Hörakustikfilialen in Kirchhain und Stadtallendorf seien ebenso wenig von der Schließung betroffen wie Mega-Optic im Kaufpark Wehrda.

„Der Plan ist, Ende September zu schließen“, erläutert Kühn. Bis dahin solle ein „geordneter Abverkauf“ stattfinden – denn man habe reichlich aktuelle Ware. Und für den Geschäftsmann ist klar, dass das Engagement für Marburg und den Standort Kaufpark Wehrda mit der Schließung von Medialand nicht ende. „Wir stehen seit 1883 zu Marburg und werden uns auch in Zukunft weiter engagieren“, versichert Kühn. Im Kaufpark Wehrda solle es auch weiterhin interessante Angebote geben. Denn der Standort sei hoch attraktiv, ist sich Wolfram Kühn sicher: Eine Geschäftsimmobilie in sehr guter Lage, reichlich Parkplätze – „es werden sich nach der Corona-Krise bestimmt Interessenten finden, die sich hier ansiedeln möchten“.

Von Andreas Schmidt

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