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Marburg 50 Küchen für die Flutopfer
Marburg 50 Küchen für die Flutopfer
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08:00 29.10.2021
Die „Küchenhelfer" von der Schreinerei Schmitz aus Marburg (von links): Jonas Kasza, Michael Schmitz und David Blohm.
Die „Küchenhelfer" von der Schreinerei Schmitz aus Marburg (von links): Jonas Kasza, Michael Schmitz und David Blohm. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Tausende Dübel und Schrauben, viele hundert Quadratmeter Spanplatte, unzählige Arbeitsstunden und das alles für ein Ziel: 50 Pantry-Küchen für Betroffene der Flutkatastrophe. „Wir versuchen, den Betroffenen Hoffnung und Halt zu geben“, berichtet Michael Schmitz, Geschäftsführer der Schreinerei Schmitz in Marburg. Schmitz ist der Initiator der Hilfsaktion, die über den eigens gegründeten Verein „Kuechenhelfer.jetzt“ organisiert wurde. „Ich wusste nicht, ob es funktioniert. Ich habe so etwas noch nie gemacht,“ sagt er. Diese Ungewissheit ist inzwischen passé. Das Ziel, 50 Pantry-Küchen an Flutopfer zu spenden, hat er mithilfe von vielen Helferinnen und Helfern sowie Spenden erreicht.

Mit Helfen kennt sich Schmitz aus. Er ist seit langem beim Technischen Hilfswerk (THW) aktiv. Auch direkt nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hat er geholfen. „Ich war im Juli selbst dort“, sagt er und erinnert sich an die komplett zerstörten Orte. Als Schmitz zurück in Marburg war, wollte er weiterhelfen und so kam ihm die Idee, Küchen für die Betroffenen zu bauen.

Unterstützung aus allen Bereichen

Eines war ihm klar: „Das ist eine Mammutaufgabe. Das geht nicht alleine“, sagt Schmitz. So machte er sich an die Arbeit und nach und nach schlossen sich immer mehr Helfer dem Projekt an. „Insgesamt waren wir 72 Menschen“, erklärt Schmitz stolz. Dazu gehörten unter anderem Schreiner, Installateure, Lieferanten, Spediteure und Elektriker. Auch für die Beantwortung von Mails und die Verpflegung vor Ort bei der Montage engagierten sich Menschen ehrenamtlich.

Das Team von „kuechenhelfer.jetzt“. Quelle: Privatfoto

In den vergangenen Wochen wurden die 50 Küchen in den Hallen der Schreinerei Schmitz gebaut. Und das geht nicht mal eben so. Allein „für die Fertigung der Küchen waren es 350 Stunden“, so Schmitz. Dann ging es per Spedition in Richtung Katastrophengebiet. Am vergangenen Samstag wurde die zweite Hälfte der Küchen geliefert und montiert. „Die Hilfsbereitschaft ist groß und immer noch da. Die 25 Küchen waren sehr schnell aufgebaut,“ berichtet Schmitz.

Freundschaften sind entstanden

Die Küchen wurden bei den Betroffenen aufgrund der Flutschäden nicht immer in den alten Küchenräumen aufgestellt. „Manchmal haben wir sie auch in die erste Etage gestellt. Die Küche wird vielleicht auch wieder umgestellt.“ Die Aktion erhalte auch immer noch Spenden. Schmitz schätzt all diese Hilfe. Und das aus einem guten Grund: „Der Wiederaufbau ist noch nicht so weit. Das Elend ist hoch und problematisch“, erklärt er.

Auch wenn die Marburger Variante der Hilfsaktion größtenteils abgeschlossen ist, hofft Michael Schmitz auf Nachahmer. „Ich möchte, dass es Nachahmer gibt, die das Konzept übernehmen und darauf aufbauen. Sie sollen die Website benutzen können, über die Spenden, Handwerker etc. akquiriert werden können“, erläutert er.

Zudem bestehe eine Zusammenarbeit mit einem Rotary Club aus dem Katastrophengebiet. Dort werde ermittelt, welchen Bedarf an neuen Küchen es gibt.

Für den Geschäftsführer der Schreinerei war und ist die Hilfsaktion ein voller Erfolg. „Wir haben mehr Erfolg und Dank geerntet, als erhofft. Der Dank vor Ort ist riesig“, sagt Schmitz. Aber er sieht den Erfolg nicht nur auf der reinen Spendenbasis. Zwischen manchen Flutopfern und Spendern sind auch Freundschaften entstanden. „Manche Küchenspender haben auch Küchenutensilien gespendet und einen Brief dazugelegt“, erzählt Schmitz erfreut.

Team kuechenhelfer.jetzt im Einsatz: Merita Krasniqi(von links), Albion Krasniqi, Matthias Liebmann, Leonard Bischoff, Albion Krasniqi, Marek Kraft, Marco Kirchner. Quelle: Privatfoto

Inzwischen seien auch schon private Treffen geplant, um sich kennenzulernen und zu helfen. „Die Aktion läuft so indirekt weiter. Das gibt Hoffnung.“

Von Lucas Heinisch

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