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Marburg Fleischer: Jeder sollte seine Bezugsquellen sichern
Marburg Fleischer: Jeder sollte seine Bezugsquellen sichern
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16:26 14.03.2022
Die Geehrten bei der Versammlung der Fleischer-Innung: Vorne sitzend: Peter Stein und Georg Junk. Stehend von links: Obermeister Martin Meier, Jakob Fritsch, Ehrenobermeister Hermann Rhiel, Josef Fritsch, Erich Hoffmann, Karl Ruth, der stellvertretende Obermeister Andreas Lauer, Wolfgang Müller, Heinrich Trusheim, Karl Schick.
Die Geehrten bei der Versammlung der Fleischer-Innung: Vorne sitzend: Peter Stein und Georg Junk. Stehend von links: Obermeister Martin Meier, Jakob Fritsch, Ehrenobermeister Hermann Rhiel, Josef Fritsch, Erich Hoffmann, Karl Ruth, der stellvertretende Obermeister Andreas Lauer, Wolfgang Müller, Heinrich Trusheim, Karl Schick. Quelle: Stefan Dietrich
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Kirchhain

Steigende Energiekosten, die Corona-Krise und die Konkurrenz durch Discounter-Fleisch mit Tierwohl-Label: Die heimischen Metzgerinnen und Metzger stehen vor großen Herausforderungen. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung der Fleischer-Innung am Donnerstagabend in der Gaststätte „Hessischer Hof“ in Kirchhain deutlich.

Innungs-Obermeister Martin Meier berichtete von einer Obermeister-Tagung über aktuelle Entwicklungen in der Branche: Rindfleisch werde wahrscheinlich noch teurer werden. Die Schweinebestände würden sich weiter reduzieren, aber auch der Schweinefleisch-Verbrauch werde in Deutschland zurückgehen, während der Geflügelfleisch-Verbrauch steigen werde. „Wir haben die Problematik, dass wir immer weniger Tierhalter haben werden in Zukunft, so dass es für jeden von uns wichtig sein wird, seine Bezugsquellen zu sichern“, sagte Meier.

Das ist seines Erachtens auch deshalb wichtig, weil die neue Bundesregierung eine verbindliche Tierwohl-Kennzeichnung plant. Schon jetzt gibt es eine Kennzeichnung der „Initiative Tierwohl“ mit vier Haltungsstufen von 1 (Stallhaltung) bis 4 (Premium), die einige Supermarkt-Ketten eingeführt haben. „Der Handel legt da ganz schön los“, sagte der Obermeister. Das stelle die Fleischer vor die Frage, wie sie dagegenhalten können. Sie punkteten mit Handwerk, Frische und Regionalität – aber man solle sich nicht darauf verlassen, dass das in Zukunft reicht, um Verbraucher zu überzeugen. „Jeder sollte sich damit auseinandersetzen“, riet er den Innungs-Mitgliedern und berichtete: „Ich bin vermehrt daran, Lieferanten anzusprechen, wo die Reise hingeht – ob da Interesse besteht, beim Tierwohl aufzustocken.“

In der Versammlung gab es daraufhin auch deutliche Kritik am Tierwohl-Label. Ein Metzger sagte, wenn Schweine auf Stroh gehalten würden – wie es das Tierwohl-Siegel für die Haltungsform 3 (Außenklima) vorschreibt –, hätten sie mehr Hautkrankheiten als Schweine aus konventioneller Haltung. Für die Produktion von Supermarkt-Fleisch werde zudem viel mehr Energie benötigt und Fleisch vernichtet – das müsse man den Verbrauchern bewusst machen.

Hohe Energiepreise belasten die Branche

Im Gespräch mit der OP erläuterte Meier, viele Bauern und Metzger sähen keinen Sinn darin, sich einem Label anzuschließen, das „auch Garnelen aus Thailand zertifiziert“. Denn die Zertifizierung kostet Geld – und die Metzger wüssten ohnehin, wo und wie die Tiere aufgewachsen sind. „Wir haben gute Bauern, da gibt es auch zum großen Teil ganz langjährige Verbindungen“, betonte er. „Auf der anderen Seite merke ich: Viele Menschen haben Hoffnung in diese Klassifizierung der Haltungsformen.“ Wie man damit umgehe, komme auf das Unternehmen an: „Wenn ich als Chef oder Chefin direkt im Laden hinter der Theke bin, habe ich die Möglichkeit, mit jedem Kunden zu kommunizieren. Wer mehrere Filialen hat, muss die Botschaft anders transportieren.“

Auch die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges könnten das Fleischer-Handwerk treffen, erläuterte Meier. „Wir brauchen für Produktion und Kühlung viel Energie“, sagte er. Die steigenden Energiepreise seien daher ein Problem, ebenso wie die Inflation, steigende Rohstoffkosten und Löhne. „Wir versuchen, das so gut wie möglich abzufedern, um die Verbraucherpreise nicht zu steigern.“ Die Corona-Krise habe die Betriebe unterschiedlich getroffen: Die Metzgereien durften durchgehend geöffnet bleiben, wer hingegen Veranstaltungen und Gastronomie beliefere oder Catering betreibe, merke auch jetzt noch, dass vieles verschoben und abgesagt werde.

Fleischer nehmen „Marburg 800“ in den Blick

Sorgen macht sich die Fleischer-Innung auch um den Berufsschul-Standort Marburg. Da ein Konzept der Landesregierung Mindestgrößen für Berufsschul-Klassen vorschreibt, könnte es ab 2025 sein, dass Auszubildende regionale Fachklassen oder Landesfachklassen besuchen müssen, berichtete der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Meinhard Moog.

Erwartungsvoll blicken die Metzgerinnen und Metzger hingegen dem Marburger Stadtjubiläum entgegen: In heimischen Metzgereien wird es eine Stadt-Wurst nach jeweils hauseigenem Rezept geben, und auch an der Aktion „Tischlein deck dich“ am 5. Juni auf der Stadtautobahn will sich die Innung beteiligen.

Ehrungen

Weil Corona-bedingt in den vergangenen Monaten viele Veranstaltungen der Fleischer-Innung ausgefallen waren, ehrten Obermeister Martin Meier und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Meinhard Moog, die Meister-Jubilare aus gleich vier Jahren:

2019: Wolfgang Müller (40 Jahre Meisterbrief), Peter Stein (50 Jahre).

2020: Wolfgang Hoß, Heinrich Trusheim und Karl Ruth (jeweils 40 Jahre), Karlheinz Debus und Friedrich Tittl (50 Jahre), Georg Junk (60 Jahre).

2021: Hermann Rhiel und Karl Schick (50 Jahre)

2022: Andreas Lauer und Kai Kutsch (25 Jahre), Erich Hoffmann (40 Jahre).

Die Fleischer-Gesellenprüfunghaben im Winterhalbjahr 2021/22 Jakob und Josef Fritsch bestanden.

Von Stefan Dietrich

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