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Marburg Firmen müssen attraktive Arbeitgeber darstellen
Marburg Firmen müssen attraktive Arbeitgeber darstellen
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16:56 30.10.2020
Förderpreisträger Sebastian Losekam.. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Der gebürtige Neustädter Sebastian Losekam war in der heimischen Fußballszene seit seiner Jugendzeit eine feste Größe. Zuerst spielte er bei seinem Heimatverein FC Hessen Neustadt, über den TSV Mengsberg und den TSV Speckswinkel kam der Defensivspezialist zum TSV Neustadt. Jetzt, im Alter von 29 Jahren, hat er schweren Herzens die Fußballschuhe an den Nagel gehängt, weil er sich auf die Universitätskarriere konzentriert.

Und da ist der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Michael Lingenfelder zum Thema Marketing gerade richtig erfolgreich. Für seine Masterarbeit erhält er den mit 1600 Euro dotierten IHK-Förderpreis. Die für den gestrigen Freitag angesetzte Preisverleihung, bei der auch Dr. Sebastian Egli mit dem IHK-Wissenschaftspreis ausgezeichnet werden sollte, musste jedoch wegen der erhöhten Corona-Zahlen kurzfristig ausfallen. Das Thema von Losekams Masterarbeit ist topaktuell: Im Mittelpunkt steht das „Employer Branding“. Mit diesem englischen Fachbegriff wird ein spezielles Marketing-Konzept als unternehmensstrategische Maßnahme bezeichnet, mit dem sich Unternehmen als besonders attraktive Arbeitgeber positionieren, um möglichst profilierte und motivierte Mitarbeiter zu gewinnen.

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Prominente Beispiele in Deutschland waren dafür beispielsweise die „Be Lufthansa“-Kampagne der bekanntesten deutschen Fluggesellschaft oder die „Are you automotivated?“-Kampagne von Continental. Eine attraktive Unternehmenskultur, innovative Bürokonzepte oder eine gute Work-Life-Balance können Bestandteile eines erfolgreichen „Employer Brandings“ sein.

Im Jahr 1996 gab es erstmals einen wissenschaftlichen Artikel über „Employer Branding“ in einer englischsprachigen Fachzeitschrift. Seitdem sind auch einige Studien zu verschiedenen Aspekten erschienen.

In Losekams Masterarbeit geht es speziell darum, wie attraktiv Firmen für Studierende und Uni-Absolventen durch das gezielte Selbstmarketing werden können.

Um das herauszufinden, befragte Losekam Absolventen und Studierende, ob sie bereit sind, auf einen Teil des Einstiegsgehaltes zu verzichten, wenn die Unternehmen besonders attraktiv sind. Zu diesem Zweck gestaltete er unterschiedliche fiktive Unternehmensprofile, in denen die Firmen beispielsweise als besonders innovativ, aufrichtig oder prestigeträchtig dargestellt wurden.

Das Ergebnis der Arbeit: Vor allem die risikobereiten potenziellen Mitarbeiter waren theoretisch bereit, auch mit weniger Gehalt bei einer Firma anzufangen, die beispielsweise als sehr innovativ gilt. Ein Fazit der Arbeit ist aber auch, dass es für die Firmen künftig darauf ankommt, ihre Jobangebote immer genauer und individualisierter auf die Persönlichkeitseigenschaften der potenziellen Bewerber zuzuschneiden.

Große Konzerne haben das Thema „Employer Branding“ schon lange auf der Agenda. Eine der Schlussfolgerungen von Losekam aus seiner Masterarbeit lautet, dass sich diese Unternehmensstrategie aber auch für mittelständische heimische Firmen lohnen und auszahlen könnte.

„Zum Beispiel gibt es in Mittelhessen bisher Probleme für die mittelständischen Firmen bei der Rekrutierung von Absolventen der Philipps-Universität“, erklärt Losekam. Aber die regionale Verankerung dieser Firmen in Kombination mit gezieltem „Employer Branding“ könne schon ein positives Entscheidungskriterium für heimische Uni-Absolventen darstellen, um auch nach ihrem Studium in der Region zu bleiben. Dabei sei das „Employer Branding“ zwar schon mit Investitionen verbunden, aber es könne trotzdem auch Chancen für den Mittelstand bieten, bilanziert Losekam.

Der gebürtige Neustädter ist auch nach seinem Abitur in der Region geblieben und hat seine gesamte Studienzeit an der Philipps-Universität verbracht. Dort hat er das Studium der Betriebswirtschaftslehre absolviert und sich schon bald auf das Thema Marketing spezialisiert und zudem Praxiserfahrung in Personalabteilungen von Firmen gesammelt.

Und ganz nebenbei kurbelt er als passionierter Shopper – auch, aber nicht nur mit dem Kauf von Schuhen oder Kleidungsstücken –auch noch den heimischen Einzelhandel an.

Von Manfred Hitzeroth