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Marburg Korff: "Viele schaffen es nicht"
Marburg Korff: "Viele schaffen es nicht"
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13:00 30.11.2019
Privatwaldbesitzer Rainer Kraus versucht, mit Douglasie der Klimaveränderung zu trotzen. Quelle: Katja Peters
Ginseldorf

In seinem Wald steht keine gesunde Fichte mehr. Rainer Kraus, Privatwaldbesitzer in Ginseldorf, geht kopfschüttelnd durch seinen Besitz. Der ist zwar nicht groß, aber dem Ginseldorfer eine Herzenangelegenheit. Über Generationen wird er schon in der Familie gehegt und gepflegt – jetzt hat er große Lücken.

„Erst hat Sturm Friederike 2018 meinen Wald aufgerissen und dann kam der Käfer“, resümiert Rainer Kraus die vergangenen zwei Jahre. 50 Festmeter liegen am Waldweg, „weil ich generell nicht so viel Fichtenbäume hatte“, sagt der Vorsitzende der Forstbetriebsvereinigung Ginseldorf. Deswegen hält sich der Verlust bei ihm in Grenzen.

Vor etwa einem Jahr bekam er für den Einschlag etwa 4.500 Euro Erlös für das eingeschlagene Holz. Dieses Jahr gibt es gar nichts. Gegenüber bei einem anderen Mitglied sieht es aus wie nach einer Naturkatastrophe. Der Besitzer lebt in England, ist erst kürzlich über den Zustand seines Waldes informiert worden.

„Er war sprachlos“, erinnert sich Rainer Kraus an das Gespräch. Fotos hätte er ihm geschickt, um das Ausmaß zu zeigen. Nur noch wenige grüne Nadeln sind an den Fichten, die Stämme haben keine Rinde mehr, die Bäume sind vertrocknet und müssen dringend abgenommen werden.

Land Hessen hilft mit Geld

Und das ist das zweite Dilemma. Nicht nur, dass die Waldbesitzer kranke und kaputte­ Waldgrundstücke haben, sie werden das Schadholz auch nicht los, beziehungsweise finden sie keine Unternehmer, die ihnen die Bäume überhaupt fällen. 

„Wir verlieren das Geld vom Verkauf und müssen die Arbeiter trotzdem bezahlen“, erklärt Rainer Kraus. Er hat entschieden, das Holz jetzt selbst zu verheizen. Der Brennwert von Fichtenholz ist zwar geringer, als der von Buche, aber am Ende gibt es doch eine Ersparnis, aufgrund des Preisunterschiedes.

„In Skandinavien, der Schweiz und in vielen anderen Ländern wird nur mit Fichte geheizt. Da gibt es kaum Buchenholz“, sagt Christian Korff, Revierleiter von Bauerbach, der auch den Wald in Ginseldorf betreut. Dort stehen auf den 50 Hektar noch ­etwa 700 Festmeter Schadholz, die gefällt werden müssten.

„Die Kleinwald-Besitzer sind bei der ganzen Misere hinten runtergefallen“, so seine Einschätzung. Christian Korff versucht zu beraten, hilft bei den Förderanträgen an das Land Hessen. Das hilft finanziell bei der Wiederaufforstung mit Zuschüssen beim Baumkauf und dem Mulchen der Pflanzfläche.

Im Wald wird es gefährlich

Da aber aufgrund des Wilddrucks die Neupflanzungen oft verbissen werden, müssen Waldbesitzer den Bereich einzäunen. Auf diesen Kosten, wie auch auf der Mehrwertsteuer, bleiben sie sitzen. Das sind ungefähr 50 Prozent der Gesamtsumme.

Christian Korff ist im Gespräch mit den Betroffenen. „Viele wollen aufgeben. Sie wissen nicht, was sie machen sollen, was Sinn machen würde.“ Antworten auf diese Fragen hat er auch nicht parat. 

„Die momentane Situation im Wald überfordert alle. Es ist wie ein Neubeginn mit ungewissem Ausgang“, sagt der Bauerbacher Revierleiter, der in den kommenden Wochen und Monaten die Verkehrssicherung in seinem Revier gut im Auge behalten muss. „Wenn die kranken Bäume jederzeit umbrechen und Kronenteile jederzeit abbrechen können, dann wird es für Spaziergänger und die Waldarbeiter sehr gefährlich“, erklärt er.