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Marburg Endlich geschützt!
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21:01 13.05.2021
Diese vier Kameraden der Biedenkopfer Feuerwehr wurden am Mittwoch im Marburger Impfzentrum gegen Covid-19 geimpft.
Diese vier Kameraden der Biedenkopfer Feuerwehr wurden am Mittwoch im Marburger Impfzentrum gegen Covid-19 geimpft. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Die Erleichterung ist Andre Lagodny anzusehen. Der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Biedenkopf lächelt unter seiner Maske und dankt dem Impfengel Nele Kühn, der ihm gerade den lange ersehnten Piecks versetzt hat. Lagodny ist einer von 2500 Freiwilligen Feuerwehrleuten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, die in dieser Woche ein Impfangebot bekommen – und es genutzt haben.

Einer ist ganz besonders glücklich darüber: Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Denn bisher waren seine Retter ohne Schutz – ein gefährliches Risiko für die Einsatzkräfte, die zu jeder Schadenslage eilen – ohne zu wissen, ob sie womöglich auf jemanden treffen, der mit Corona infiziert ist. „Einsatzkräfte der Feuerwehr arbeiten genauso dicht an infizierten Menschen wie der Rettungsdienst oder die Polizei. Wir haben aufgrund der Hilfsfristen keine Zeit, einen Schnelltest zu machen“, erklärt Schäfer und betont: „Deshalb bin ich froh, dass den Kameradinnen und Kameraden nun endlich der bestmögliche Schutz zugute kommt, damit sie sich nicht bei der Arbeit infizieren, die unbezahlbar ist – nämlich anderen Menschen das Leben zu retten“, betont der Kreisbrandinspektor.

Neben dem Eigenschutz soll durch die Impfung auch die Einsatzfähigkeit der Wehren gewährleistet werden. Seit mehr als einem Jahr sind die Brandschützer dazu verdammt, Onlinedienste zu machen. Praxisübungen sind aufgrund des Infektionsschutzes nicht möglich. Für die Einsatzkräfte eine schwierige Sache. Denn ohne praktisches Üben gehen wichtige Fähigkeiten verloren. Im Einsatz, ob bei einem Wohnhausbrand oder bei einem Verkehrsunfall, muss jeder Handgriff sitzen – und das geht nur durch regelmäßiges Üben.

Auch die Biedenkopfer vermissen praktische Übungsdienste. „Lediglich dringend für die Einsatzfähigkeit notwendige Qualifikationen wie die für unsere Atemschutzgeräteträger konnten unter strengen Auflagen stattfinden“, bedauert Biedenkopfs Wehrführer Lagodny die schwierigen Bedingungen für die freiwilligen Retter.

Lagodny ist an diesem Tag mit drei seiner Kameraden ins Impfzentrum gekommen. Den Weg von Biedenkopf nach Marburg haben sie im Mannschaftswagen auf sich genommen – mit Abstand und Maske, so wie sie auch die Einsätze absolvieren. „Ich bin sehr froh über die Impfung, denn wir alle wollen ja wieder zu unserem alten Leben zurück und gern auch wieder praktische Dienste zusammen machen“, betont Christoph Strieder, der auch in der Werkfeuerwehr von Buderus ist.

Nur wenige Minuten dauert es, bis die vier Biedenkopfer Feuerwehrmänner ihre Spritze bekommen. Dabei herrscht Hochbetrieb im Impfzentrum, in dem momentan im Schnitt täglich 1600 Menschen geimpft werden. Und das nur, weil immer noch nicht genügend Impfstoff da ist. „Wir hätten kein Problem damit, täglich 2000 Menschen zu impfen“, sagt Karsten Oerder von den Johannitern, der die organisatorische Leitung innehat.

Praktische Dienste nach

den Sommerferien geplant

Für die Feuerwehren, die zur Priorisierungsgruppe 3 gehören, wurde eine zusätzliche Impfstraße geöffnet. Dennoch war die Koordination eine Mammutaufgabe. „Zwei Mitarbeiterinnen des Fachbereiches Gefahrenabwehr waren eine ganze Woche zusätzlich hier im Impfzentrum beschäftigt“, erläutert Schäfer. Wichtig bei der Vergabe der Termine sei gewesen, darauf zu achten, dass ganze taktische Einheiten nicht auf einmal geimpft werden, damit im Falle von auftretenden Impfreaktionen noch die Einsatzfähigkeit gegeben ist. „Deshalb gehen wir alphabetisch vor. Alle zehn Minuten werden drei bis fünf Einsatzkräfte einer anderen Kommune geimpft.“

Alle 2500 Kameradinnen und Kameraden, die in dieser Woche ihre erste Impfung erhalten haben, bekommen in sechs Wochen ihre zweite Dosis. Und damit rückt die Hoffnung auf etwas Normalität näher. Läuft alles nach Plan, gelten die 2500 Feuerwehrleute Mitte Juli als „durchgeimpft“. Diese Tatsache mache es für Dienste und Ausbildungen viel einfacher, so Schäfer. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir spätestens nach den Sommerferien mit richtigen Ausbildungsdiensten anfangen können, bei denen auch Übungen in Gruppen- und Zugstärke möglich sind“, betont er. Momentan laufen zudem Planungen, Ende der Sommerferien mit den Kreislehrgängen anfangen zu können. „Ziel ist, dass alle für dieses Jahr geplanten Kreislehrgänge auch tatsächlich noch stattfinden können“, verkündet Marburg-Biedenkopfs oberster Feuerwehrmann.

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Von Nadine Weigel