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Marburg Achtung, heiß und trocken!
Marburg Achtung, heiß und trocken!
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10:56 01.08.2020
Ein von Borkenkäfern zerfressener Baum. Der Schädling begünstigt auch die Waldbrandgefahr. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Wie gefährlich Hitze in Kombination mit Trockenheit ist, zeigte sich bereits Mittwochnachmittag, 29. Juli, auf einem Feld zwischen Stadtallendorf und Niederklein. In kurzer Zeit musste die Feuerwehr einen anderthalb Hektar großen Flächenbrand bekämpfen (die OP berichtete).

In den kommenden Tagen werden Temperaturen bis zu 37 Grad erwartet. Damit steigt auch die Waldbrandgefahr.

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Für Teile des Landkreises Marburg-Biedenkopf prognostiziert der Waldbrandgefahrenindex am Freitag, 31. Juli, die Stufe vier. Während in Brandenburg zum Beispiel bereits die höchste Gefahrenstufe (5) ausgerufen wird, ist die heimische Waldbrandgefahr also zwar noch nicht ganz so hoch, trotzdem raten Experten generell zur Vorsicht.

„Der Wald hat in den letzten beiden Sommern unter extremer Trockenheit gelitten, das macht sich noch heute bemerkbar“, erklärt Bernd Wegener im Gespräch mit der OP. Der Leiter des Forstamtes Kirchhain appelliert deshalb an den gesunden Menschenverstand von Waldbesuchern.

Wind und Borkenkäfer leisten Vorarbeit

„Offenes Feuer und auch Rauchen sind im Wald und auch in einem Umkreis von 100 Metern verboten“, erinnert er. Zu dieser Regel zähle auch das Grillen. Das ist nur auf ausgewiesenen Flächen erlaubt. Zwar habe es in den vergangenen Wochen auch Starkregenereignisse gegeben, dennoch sei Achtsamkeit geboten.

Denn aufgrund von Windwurf und starkem Borkenkäferbefall leide der Wald unter sogenannten „Kalamitätsschäden“. Dadurch seien im Wald viele Freiflächen entstanden, auf denen sich das trockene Gras und abgestorbenes Holz leicht entzünden könnten.

Auch Kreisbrandmeister Stephan Schienbein rät zu vermehrter Vorsicht in Feld und Flur. „Die Hitze in Kombination mit der Erntezeit kann schnell dazu führen, dass Funkenschlag trockenes Gras entzündet.“ Kommt dann noch ein starker Wind hinzu, wie beim Flächenbrand am Mittwoch zwischen Niederklein und Stadtallendorf, kann sich ein kleines Feuer schnell ausbreiten.

Glasscherben wirken wie Brennglas

Neben der Gefahr durch landwirtschaftliche Gerätschaften sieht Schienbein auch die Gefahr bei Spaziergängern, die nun in der Ferien- und Coronazeit vermehrt durch den Landkreis wandern. „Man sollte darauf achten, sein Fahrzeug nicht auf Grasflächen abzustellen“, so der erfahrene Feuerwehrmann.

Durch den heißen Katalysator oder erhitzte Auspuffrohre könne sich trockenes Gras leicht entzünden. Auch Flaschen sollten nicht achtlos weggeworfen werden, da Glasscherben oder Flaschensplitter wie ein Brennglas wirken und so ein Feuer auslösen können.

Wichtig sei zudem, die Zufahrtswege zum Wald freizuhalten. Denn kommt es wirklich mal zu einem Waldbrand, zählt für die Retter jede Minute. „Man muss auch hier daran denken, dass Feuerwehrfahrzeuge breiter sind als normale Autos“, betont Schienbein.

Gewitter lösen schwüle Hitze ab

Werde man als Waldbesucher Zeuge eines Brandes, sei es wichtig, umgehend die 112 anzurufen und eine detaillierte Beschreibung des Ortes abzugeben. Oft helfe es der Leitstelle auch, wenn man die Feuerwehr beim abgestellten Fahrzeug treffe und dann beschreibe, wo sich der Brand befinde. Optimal allerdings wäre es, die exakten Koordinaten zum Beispiel über eine App an die Leitstelle durchzugeben.

Damit es aber in den kommenden heißen Tagen erst gar nicht zu Bränden kommt, bitten Experten auch darum, brennende Kippen nicht aus dem Autofenster zu werfen.

Laut Deutschem Wetterdienst wird die schwüle Hitze abgelöst von Gewittern. Diese können örtlich unwetterartig ausfallen und werden von Starkregen, Hagel und Sturmböen begleitet.

Von Nadine Weigel

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