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Marburg Feiertage nachholen?
Marburg Feiertage nachholen?
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09:00 01.05.2022
Ein Kalenderblatt zeigt den 1. Mai 2022. Der 1. Mai ist ein Feiertag. Er fällt dieses Jahr auf einen Sonntag.
Ein Kalenderblatt zeigt den 1. Mai 2022. Der 1. Mai ist ein Feiertag. Er fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Quelle: Weronika Peneshko
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Marburg

Die Weihnachtsfeiertage an einem Wochenende, Neujahr am Samstag und ausgerechnet der Tag der Arbeit an einem Sonntag – im vergangenen und in diesem Jahr fallen besonders viele Feiertage auf das Wochenende. Für Berufstätige ist das eine schlechte Nachricht – sie haben einen Feiertag weniger. Deshalb ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob denn solche entgangenen freien Tage nachgeholt werden sollten.

Gewerkschaft sieht’s gelassen

Jüngst warben einige Politiker dafür, solche entgangenen freien Tage künftig nachzuholen. Die Linke werde zeitnah parlamentarisch tätig werden, „damit künftig keine Feiertage mehr ausfallen und der soziale Zusammenhalt im Land gestärkt wird“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Bis dies gesetzgeberisch geregelt sei, fordere er „die Unternehmer auf, dass sie den Beschäftigten als Ersatz und Corona-Bonus zeitnah einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag geben“. „Jeder verlorene Feiertag bedeute mehr Stress und weniger dringend benötigte Erholung von den Belastungen durch Arbeit und Pandemie, ergänzte Korte.

Etwas gelassener sieht dies Susanne Pitzer-Schild, Geschäftsführerin von Verdi, Bezirk Mittelhessen: „Feiertage beziehen sich in der Regel auf historische Daten, deshalb sollten sie auch zu diesen Daten begangen werden. Es passiert halt, dass alle sieben Jahre mal ein Feiertag auf einen Sonntag fällt. In unserem Organisationsbereich arbeiten viele Kolleginnen und Kollegen sowieso schon an Sonn- und Feiertagen. Der 1. Mai ist für uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Tag der Arbeit, an dem wir auf Demos und Kundgebungen unsere gewerkschaftlichen und politischen Forderungen einbringen. Unsere Idee wäre, wie in Berlin, einen weiteren Feiertag einzuführen, und dazu schlage ich den 8. März, den Internationalen Frauentag, vor.“

Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, sagte: „Es ist jetzt an der Zeit, „gesellschaftlich darüber zu diskutieren, dass Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachgeholt werden können, wie es bereits in einer ganzen Reihe von Ländern der Fall ist.“

Regelungen in anderen Ländern

Viele Länder haben Regelungen zum Nachholen von Feiertagen – weltweit bereits 85. Dazu zählen auch mehrere Länder innerhalb der Europäischen Union:

In Großbritannien, Irland, Spanien und Australien werden Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, am darauffolgenden Werktag nachgeholt. Ausgenommen sind Feiertage, die immer auf einem Sonntag liegen, etwa der Ostersonntag.

In Luxemburg muss innerhalb von drei Monaten ein freier Ersatztag für den „ausgefallenen“ Feiertag angeboten werden.

In Belgien können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst einen Ersatztag wählen oder der Arbeitgeber kann kollektiv für alle einen freien Tag bestimmen – zum Beispiel einen günstigen Brückentag.

In Italien werden Feiertage zwar nicht nachgeholt, Beschäftigte erhalten aber einen Lohnausgleich, wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände lehnt den Vorschlag ab, Feiertage nachzuholen, die auf ein Wochenende fallen. „Feiertage dienen nicht in erster Linie der Erholung der Arbeitnehmer, sondern der Besinnung auf ein bedeutsames religiöses oder gesellschaftspolitisches Ereignis. Hierzu soll der Arbeitnehmer den Feiertag arbeitsfrei feiern können. Wer – wie die Partei Die Linke und Teile von Bündnis 90/Die Grünen – die Umwandlung von Feiertagen in Urlaubstage fordert, zeigt, dass er sich vom Sinn des Feiertags schon weit entfernt hat. Wenn der Sinn des Feiertags nur noch eine untergeordnete Rolle spielt und es stattdessen um mehr Freizeit geht, stellt sich mit derartigen Forderungen vielmehr die Frage nach der Berechtigung von Feiertagen“, erklärte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

Allein in Hessen würde nach Angaben von Pollert ein weiterer zusätzlich bezahlter freier Tag rund 600 Millionen Euro kosten. „Es ist besonders absurd, dass in Zeiten hoher Unsicherheit durch Corona und Krieg in der Ukraine, massiven wirtschaftlichen Beeinträchtigungen und sich auftürmenden Schuldenbergen Forderungen nach mehr Freizeit und damit neue Belastungen für die Wirtschaft erhoben werden. Aus diesen Krisen kommen wir nicht mit mehr Freizeit, sondern nur mit mehr Leistungsbereitschaft heraus“, ergänzte Pollert.

OP-Umfrage

An einer nicht-repräsentativen Umfrage der Oberhessischen Presse mit der Fragestellung „Sollten Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachgeholt werden?“ haben sich bis Freitag (29. April, 14 Uhr) 446 Personen beteiligt. So haben unsere Leserinnen und Leser abgestimmt: 80 Prozent sagten: „Ja, ich finde es wichtig, dass man sie nachholt.“ 16 Prozent sagten: „Nein, ich brauche keinen Ausgleichstag.“ 4 Prozent war es „egal, ob man sie nachholt“.

Von Michael E. Schmidt

30.04.2022
30.04.2022
30.04.2022