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Marburg Großer Demonstrationszug in Marburg
Marburg Großer Demonstrationszug in Marburg
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00:19 27.06.2019
Der 8. Christopher Street Day Mittelhessen war am Samstag in Marburg. Nach der Parade durch die Innenstadt wurde auf dem Marktplatz gefeiert.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Ich bin das Chaos im Mann“, gab Miss Hyde unumwunden zu. In schwarzen Highheels, zerrissener Strumpfhose, blonder Perücke und exakt geschminktem Gesicht war der 22-jährige Gießener nach Marburg zum 8. Christopher Street Day Mittelhessens gekommen.

Zwei Stunden habe er für das Styling gebraucht, „normalerweise sind es vier“, sagt die Drag Queen. Mit 3 000 Lesben und Schwulen, Hetero-, Bi- und Intersexuellen waren in der Universitätsstadt mehr Teilnehmer als erwartet bei der großen Parade vom Bahnhof in die Oberstadt mit dabei.

„Ich bin heute ein großer Fisch im kleinen Teich“, sagt Miss Hyde laut lachend, sei er doch die einzige Drag Queen an diesem Tag.

"Liebe kennt kein Geschlecht"

Am Ende waren es noch zwei, drei mehr, die neben Latex-Fetischisten, „Human Puppies“ – also Menschen in Hundekostümen –, den Jungs von „Gay Jet“ und vielen anderen auf das diesjährige Motto „Füreinander“ aufmerksam machten. Etliche hielten Transparente hoch. „Free Hugs“, „Liebe ist kein Verbrechen“, „Liebe kennt kein Geschlecht“, „Gott liebt alle“ stand auf ihnen in großen Lettern.

„Toll!“ sagte Martina Böhm. Sie wartete auf eine Freundin aus Cölbe als sich die Parade am Hauptbahnhof einfand. „Die Kostümierungen machen neugierig und sind witzig“, gibt sie lachend zu.

Für die Frau aus Bad Orb sind die Demonstranten zwar ein Hingucker, aber für sie ist klar: „Jeder soll lieben, wen oder was er möchte.“ Das sagte auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bei seiner Eröffnungsrede nach gut zwei Stunden Marsch durch die Stadt: „Ganz einfach: Liebt doch, wen ihr wollt!“

Weiter für Akzeptanz kämpfen

In den kurzen Reden während der Parade hieß es: „Glück ist im Kapitalismus nicht selbstverständlich.“ 50 Jahre nach den Stonewall Riots in New York, der Beginn einer weltweiten Bewegung, die wie kaum eine andere für Solidarität, Sexualität und Sichtbarkeit einsteht, muss für Akzeptanz immer noch weiter gekämpft werden.

„Wenn wir feiern, kämpfen wir schon. Und wenn wir kämpfen, haben wir was zu feiern.“ Das sah auch Miss Hyde so. Die Füße taten nach der Parade zwar weh, aber die Stimmung war bestens, und er warf allen Schaulustigen Küsse zu.

von Katja Peters