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Marburg Fehleinschätzung mit fatalen Folgen
Marburg Fehleinschätzung mit fatalen Folgen
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13:58 19.05.2021
Die Belegschaft des Unternehmens in Mumbai, das der Cölber Maschinenbau-Ingenieur Frank Mancini berät.
Die Belegschaft des Unternehmens in Mumbai, das der Cölber Maschinenbau-Ingenieur Frank Mancini berät. Quelle: Privatfoto
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Cölbe

„Ich lebe in Cölbe und berate als Maschinenbau-Ingenieur seit einigen Jahren ein Unternehmen in Mumbai, Indien. Durch die vielen gemeinsamen Projekte und Besuche‎ vor Ort haben sich zum Teil freundschaftliche Verbindungen zu den Kolleginnen und Kollegen entwickelt. Insofern beobachte ich die derzeitige Entwicklung in Indien mit großer Sorge.‎

Die erste Welle im vergangenen Jahr hat man durch konsequentes und schnelles Handeln gut in den Griff bekommen. Umfangreiche Lockdown-Maßnahmen inklusive strikter Ausgangssperren halfen, eine massive Ausbreitung des Virus zu verhindern. Eine Mammut-Aufgabe bei dieser Bevölkerungszahl, aber offensichtlich erfolgreich.

Homeoffice und Wechselschichten

Zusätzliche Maßnahmen in dem von mir unterstützten Unternehmen, wie Arbeiten aus dem Homeoffice, Wechselschichten im Büro und der Fabrik, strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen und kontinuierliche Überwachung der vereinbarten Maßnahmen haben zu einer Sensibilisierung des Personals geführt und eine nur geringe Zahl von Infektionen zugelassen. Todesfälle waren nicht zu beklagen.

Anfang dieses Jahres wurden dann von der Regierung viele der strikten Maßnahmen zurückgenommen – auch, um die wirtschaftlichen Schäden nicht weiter zu steigern.

Wie mir meine Kontakte berichtet haben, hat dies in weiten Teilen der Bevölkerung den Eindruck erweckt, die Pandemie ist vorbei und man kann wieder zum alten Leben ohne Abstand und besondere Hygiene-Maßnahmen zurückkehren. Eine Fehleinschätzung mit fatalen Folgen.

Obwohl in dem Unternehmen alle ergriffenen Maßnahmen weiterhin Gültigkeit haben und strikt befolgt werden, ist der rasante Anstieg der Infektionszahlen nicht spurlos am Unternehmen vorbeigegangen. Die Infektionszahlen sind im Vergleich weiterhin gering. Leider gibt es in dieser zweiten Welle auch einen Todesfall in der Belegschaft zu beklagen. Eine junge Kollegin hat ihre Corona-Infektion nicht überlebt.

Corona-Pandemie macht Zehnjährigen zum Vollwaisen

Umso tragischer, da ihr Mann bereits zwei Wochen zuvor seiner Corona-Erkrankung erlegen ist und der gemeinsame zehnjährige Sohn jetzt Vollwaise ist.

Überraschend für mich ist, dass trotz dieser extrem schwierigen Situation meine Kolleginnen und Kollegen ihre positive Grundeinstellung nicht verloren haben. In den zahlreichen, fast täglich stattfindenden Telefonkonferenzen, könnte man Corona fast vergessen...“

Von Frank Mancini

MItmach-Serie "Corona weltweit"

Schon in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung des ersten Teils von „Corona Weltweit“ erreichten die OP-Redaktion zahlreiche Zuschriften von Leserinnen und Lesern, die in engem Kontakt mit Menschen in anderen Ländern stehen. Wer mitmachen will, schreibt eine E-Mail (Stichwort „Corona Weltweit“) an  redaktion@op-marburg.de