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Marburg Neue Reifen für den Sperrmüll-Tourer
Marburg Neue Reifen für den Sperrmüll-Tourer
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15:59 27.03.2021
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Marburg

Die Vorfreude aufs Radeln war nach einem Wochenendtrip in die alte Heimat Hannover von Anfang an groß. Kein Wunder: Die Landeshauptstadt ist flach wie der Rest der norddeutschen Tiefebene, auf meterbreiten Velo-Highways flitzen Alt und Jung durch die City – ein Traum!

Ernüchternde Realität

Die ernüchternde Realität in Marburg am Montagmorgen: Es nieselt, den Weg durch das Tal zwischen Hansenhäusern und Richtsberg verstopfen plaudernde Hundehalter, bergab zu bremsen ist fast so schmerzhaft, wie bergauf schwitzen zu müssen. Aber was soll’s? In der Satteltasche stecken Überweisungsträger und Akten, wenig später auch zwei Croissants und ein frisches Brot, die erste Runde des Tages hat sich gelohnt.

Im Email-Eingang findet sich die Antwort der Kreis-Pressestelle auf meine Anfrage zum Thema „Stadtradeln“. Kreissprecher Stephan Schienbein schreibt: „Auch in diesem Jahr wird ,Stadtradeln’ stattfinden.“ Die Aktion sei für den Zeitraum vom 30. August bis zum 19. September geplant. Marburg-Biedenkopf wird dann bereits zum vierten Mal dabei sein. Schienbeins Bilanz aus dem Vorjahr: „2020 hatten wir im Landkreis 624 Teilnehmende, die in 57 Teams angetreten sind. Die Teams haben 178 607 Kilometer erradelt.“

Klingt ordentlich, aber Luft nach oben scheint es da zu geben, wenn man sich vor Augen hält, dass es Gießen im vergangenen Jahr auf 427 797 geradelte Kilometer brachte. Die Idee der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“ ist simpel: Es geht darum, dass in einer Kommune möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt werden – privat und beruflich. Wer mitmachen will, kann entweder einem bereits vorhandenen Team beitreten oder ein eigenes Team gründen. Eine weitere Alternative ist der Beitritt in das „Offene Team“, das es in jeder „Stadtradeln“-Kommune gibt. Die Spielregeln finden sich im Internet unter www.stadtradeln.de

Am Dienstag kommt das Velo erst nach Feierabend aus der Garage: kurz zum Supermarkt – zuhause fehlt Olivenöl. Der Markt hat auch eine Abteilung für Fahrradzubehör. Spontan beschließe ich, einem alten Tourenrad, das irgendwie vom Sperrmüll den Weg in meine Garage fand, neue Reifen und Schläuche zu spendieren – denn eigentlich funktioniert sonst noch alles.

Was nicht passt, ...

Dass die Autoventile der neuen Schläuche nicht durch die Löcher der schmalen Felgen passen, hätte ein Profi ahnen können. Doch mit Opas Rundfeile („Was nicht passt, wird passend gemacht“) lässt sich das Problem lösen. Ja, es hat etwas Meditatives, an einem Zweirad herumzuwerkeln. Das wusste schon der US-Autor Robert M. Pirsig, als er seinen Bestseller „Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten“ schrieb. Darin heißt es unter anderem: „Stahl kann jede Form annehmen, die man will, wenn man geschickt genug ist, und jede Form bis auf die, die man will, wenn einem das Geschick fehlt.“

Den Versuch, mit zwei Gitarrenkoffern am Lenker durch die ganze Stadt zur Bandprobe zu radeln, wage ich am Folgetag lieber nicht – da muss das Auto ran. Vielleicht sollte ich das mal mit einem dieser Lasten-E-Bikes probieren. Vielleicht im nächsten Jahr ...

Von Carsten Beckmann

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