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Marburg Fasten im Zeichen der Pandemie
Marburg Fasten im Zeichen der Pandemie
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16:32 14.04.2021
Sheikh Yassin Batieh betete im vergangenen Jahr beim digitalen Ramadanzelt in der Marburger Moschee.
Sheikh Yassin Batieh betete im vergangenen Jahr beim digitalen Ramadanzelt in der Marburger Moschee. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Erneut steht der muslimische Fastenmonat im Zeichen der Corona-Pandemie. Gestern begann der Ramadan, er endet am Mittwoch, 12. Mai, mit dem Fest des Fastenbrechens am darauffolgenden Donnerstag (Christi Himmelfahrt).

Professor Dr. Bilal Farouk El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg, erklärte dazu gestern: „Wir leben nun schon seit über einem Jahr mit dem Coronavirus. Viele Dinge, die wir gerne tun würden, können wir aufgrund der aktuellen Situation auch im Ramadan leider nicht tun.“ Das bedeute jedoch nicht, dass Marburgs Musliminnen und Muslime nicht kreativ seien, versichern der Vorsitzende und der Projektleiter Dr. Hamdi Elfarra.

Livestream auf Youtube

Wie bereits im Vorjahr findet das Marburger „Ramadanzelt“ erneut virtuell statt, und zwar am Samstag, 24. April, ab 19 Uhr auf Youtube unter livestream.ramadanzelt.de

Die Organisatoren von der Islamischen Gemeinde versprechen ein „abwechslungsreiches Programm mit Koranrezitation, Grußworten von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Landrätin Kirsten Fründt, Grußworten aus Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften sowie ein buntes Programm aus der Gemeinde.“ Abschluss des virtuellen Ramadanzeltes ist pünktlich um 20.36 Uhr zur Zeit des Fastenbrechens zum Sonnenuntergang.

Stärkung des eigenen Bewusstseins

Bilal Farouk El-Zayat erklärt zum Ramadan: „Es ist ein Monat der Enthaltsamkeit und der inneren Reflexion.“ Vordergründig enthalte sich die Muslima und der Muslim von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang von Essen und Trinken. Ziel dieses Verzichts auf die körperlichen Bedürfnisse sei die Stärkung des eigenen Bewusstseins und die Etablierung einer „dankbaren Grundhaltung sowie die Bewusstwerdung der Lebenswirklichkeit Bedürftiger“.

In Zeiten von Corona, so der Vorsitzende, bekomme Verzicht eine neue Dimension: „Musliminnen und Muslime bemühen sich in dieser Zeit, sich dem Stress und den vielen Ablenkungen des Alltags ein wenig zu entziehen, um ihrer Spiritualität mehr Raum zu geben.“

„Wir werden zum zweiten Mal einen eingeschränkten und außergewöhnlichen Ramadan haben, so wie es unsere christlichen Freunde bereits zu Ostern hatten“, sagte gestern auch Ünal Kaymakci von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH): „Das ist misslich, da zum Ramadan erst die Gemeinschaft die spirituelle Atmosphäre richtig aufkommen lässt.“

Doch wegen der Corona-Pandemie werde das allabendliche Fastenbrechen wohl hauptsächlich im engsten Familienkreis stattfinden. Und bei Gottesdiensten werde beispielsweise auch auf Online-Predigten zurückgegriffen. „Wir müssen auch abwarten, was von der Politik in Sachen Corona-Regeln weiter entschieden wird“, sagte Kaymakci.

Unterdessen hat die hessische Staatssekretärin für Soziales und Integration, Anne Janz, die rund 460 000 Bürgerinnen und Bürger islamischen Glaubens in Hessen zu verantwortungsbewusstem Handeln aufgerufen. „Eine Überlastung der Krankenhäuser gilt es zu verhindern“, sagte sie. Deshalb müssten persönliche und direkte Kontakte soweit wie möglich eingeschränkt werden.

Beten auf dem Ikea-Parkplatz

Schon 2020 stand der Ramadan im Zeichen von Corona. Zum Abschluss des Fastenmonats hatten sich beispielsweise Hunderte Gläubige zum Beten nicht in der Moschee, sondern auf einem Ikea-Parkplatz in Wetzlar versammelt, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Von Carsten Beckmann und unserer Agentur