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Marburg Fast jeder Vierte im Landkreis ist in Kurzarbeit
Marburg Fast jeder Vierte im Landkreis ist in Kurzarbeit
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14:58 04.05.2020
Auf einem transparenten Würfel ist das Logo der Bundesagentur für Arbeit zu sehen.  Quelle: Felix Kästle/dpa
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Marburg

Das waren 19 Prozent mehr als vor einem Jahr und 15 Prozent mehr als im März. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,8 Punkte auf 5,2 Prozent.

Dazu kommen rund 700 000 Kurzarbeiter. Wegen der Einschränkungen zur Eindämmung des Virus haben in Hessen weit mehr als 52 000 Betriebe für ihre Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet. Das entspricht rund einem Drittel aller Betriebe in Hessen.

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Der positive Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre sei abrupt beendet, erklärte Direktionschef Frank Martin. „Zahlreiche Menschen haben sich arbeitslos melden müssen, weil sie entlassen oder befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Außerdem haben sich deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet, die gezwungen waren, ihre Selbstständigkeit aufzugeben.“

Im Bereich der Arbeitsagentur Marburg waren Ende des Monats 5 902 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 550 mehr als Ende März. Die Arbeitslosenquote stieg im Geschäftsbereich der Arbeitsagentur Marburg auf 4,4 Prozent, Ende April 2019 hatte die Quote noch bei 3,9 Prozent gelegen.

Lediglich im Bereich der Geschäftsstelle Stadtallendorf sank die Arbeitslosigkeit leicht – von 4,7 auf 4,4 Prozent. Das hat mit der Einstellung von Arbeitskräften bei einem großen Süßwarenhersteller zu tun.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das KreisJobCenter betreut (Rechtskreis SGB II), ist im April im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen. Das KreisJobCenter (KJC) weist in seiner aktuellen Statistik 3 141 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 231 Personen (7,9 Prozent) mehr als im März.

„Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt trifft viele auch bei uns im Landkreis unvorbereitet. Das gilt vor allem für die Solo-Selbstständigen und die von Kurzarbeit Betroffenen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow. Beide Gruppen unterstütze der Landkreis auf Grundlage des Sozialschutz-Pakets der Bundesregierung mit Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende.

Ist der Anstieg der Arbeitslosen im April schon dramatisch genug, so trifft dies erst recht auf die Entwicklung der Kurzarbeit zu, erklärt der Leiter der Arbeitsagentur Marburg, Volker Breustedt. Jeder dritte Betrieb im Bereich der Arbeitsagentur hat Kurzarbeit angezeigt. Insgesamt ist Kurzarbeitergeld für mehr als 21 000 Männer und Frauen beantragt. „Das ist unsere Kernaufgabe geworden“, sagt Breustedt: „Wir beraten, und wir zahlen Kurzarbeitergeld aus.“

Nahezu alle Branchen sind von Kurzarbeit betroffen

Die Anträge auf Kurzarbeit kommen aus nahezu allen Branchen, erklärt Dr. Heike Beber, die Pressesprecherin der Arbeitsagentur Marburg. Vor allem sind der Handel, insbesondere der Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe, Berufe des Gesundheits- und Sozialwesens wie Therapeuten oder Zahntechniker, aus dem Bereich der persönlichen Dienstleistungen wie etwa Friseure, das verarbeitende Gewerbe und das Bauhaupt- und nebengewerbe betroffen, so Dr. Beber. Aus diesen Branchen kommen etwa drei Viertel aller Anträge auf Kurzarbeit. Breustedt rechnet im Bereich der Dienstleistungen und des Einzelhandels mit einer leichten Entspannung in den kommenden Wochen, wenn die derzeitigen Beschränkungen gelockert werden, etwa Friseursalons ab Montag wieder öffnen dürfen. Wie sich die Situation bei den produzierenden Betrieben entwickelt, das vermag Breustedt dagegen nicht zu prognostizieren. „Hier gibt es viele Unwägbarkeiten, unter anderem bei den Lieferketten“, so der Agenturleiter. So schnell werde sich die Situation hier aber nicht entkrampfen, vermutet Breustedt. Es gibt aber auch einige Branchen, die profitiert haben von der Entwicklung: der Lebensmittelhandel, Baumärkte, Schutzmittelhersteller und Lieferservices, fügt der Agenturleiter hinzu.

„Die Entwicklung zeigt, dass das Instrument des Kurzarbeitergeldes aber greift“, so Breustedt. Ohne die neuen Regelungen des Kurzarbeitergeldes sei die Zahl der Arbeitslosen wohl noch stärker gestiegen. Breustedt weist in diesem Zusammenhang auch auf die Verlängerung des Arbeitslosengeld I und die Erweiterung des Berechtigtenkreises hin; auch dies helfe, die Folgen der Corona-Pandemie für den Einzelnen zu lindern. Die Arbeitsagentur tue deswegen alles, um die zeitnahe Auszahlung von Kurzarbeitergeld und die Beratung entsprechender Anfragen zu gewährleisten. Die Zahl der Telefonkräfte wurde noch einmal aufgestockt. Der persönliche Zutritt zur Agentur ist weiterhin nicht möglich.

Im Vergleich zum Vormonat gab es 542 Arbeitsstellen weniger.

Kontakte

Fragen von Arbeitgebern beantwortet die Arbeitsagentur montags bis freitags telefonisch unter 08 00 / 4 55 55 20.

Für Arbeitslosmeldungen: 0 64 21 / 60 51 02

Internet: www.arbeitsagentur.de/eService-Geldleistungen

Von Till Conrad

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