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Marburg Fahrschüler brauchen viel Geduld
Marburg Fahrschüler brauchen viel Geduld
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17:58 17.03.2021
Masken und Desinfektionstücher gehören mittlerweile zum Unterrichtsalltag von Fahrschüler Cedric Doleisch von Dolsperg und und Fahrlehrer Klaus Schnitzky.
Masken und Desinfektionstücher gehören mittlerweile zum Unterrichtsalltag von Fahrschüler Cedric Doleisch von Dolsperg und und Fahrlehrer Klaus Schnitzky. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Abstandspflicht, kleinere Klassen, verzögerte Theoriekurse: Fahrlehrer und Fahrschüler werden durch den Lockdown ausgebremst – in Hessen zwar weniger als in anderen Bundesländern, aber bis zum Führerschein ist der Weg deutlich länger geworden. Die heimischen Fahrschulen kämpfen mit Termin-Stau, der wohl noch eine ganze Weile anhalten dürfte.

Im ersten Lockdown mussten Fahrschulen zeitweise schließen, Fahrschüler auf einen Kurs und den Führerschein warten, Ausnahmen gab es später höchstens für Berufskraftfahrer. Im zweiten Lockdown blieben die hessischen Fahrschulen – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – offen, zudem erst ohne strikte Vorgaben, was zu Irritationen führte: etwa weil Fahrschulen wie andere Bildungsanbieter vom Mindestabstand befreit waren, es zudem keine Pflicht zum Tragen einer Maske gab. Der Hessische Fahrlehrerverband riet dagegen dringend dazu, während der praktischen Ausbildung eine OP- oder FFP2-Maske zu tragen.

Sicherheitsabstand im Theorie-Unterricht

Seit dem 8. März dürfen Fahrschulen bundesweit mit Hygienekonzept wieder öffnen, Übungsfahrten werden stellenweise nur mit tagesaktuellem Corona-Test angeboten, etwa in Berlin. In Hessen gilt das nicht, die Regeln sind weniger streng, dafür herrscht beim Theorieunterricht nun doch ein Mindestabstand von 1,5 Metern.

Darauf haben sich die heimischen Fahrschulen längst eingestellt, etwa das „Fahrwerk“ der Fahrschule Schnitzky aus Marburg. Dort findet weiterhin Unterricht in Präsenzform statt, die Theoriekurse haben sich aber deutlich verkleinert, etwa um ein Drittel.

Theorieprüfung nur mit halb so vielen Schülern wie sonst

„Der Abstand von 1,5 Metern muss gewährleistet sein, wenn es hoch kommt, kommen wir auf zehn Schüler zur selben Zeit“, berichtet Klaus Schnitzky auf Nachfrage. Das hat Einfluss darauf, bis wann die Theorie soweit gebüffelt ist, dass die ersten Fahrstunden anstehen. Etwa drei mal so lange wie sonst, denn es gebe für den Unterricht noch eine zeitliche Vorgabe von maximal 180 Minuten, mit Pausen.

Auch an der Theorieprüfung beim TÜV können nun nur halb so viele Schüler auf einmal teilnehmen wie normalerweise, hier wurden Termine mit der Zeit nach hinten geschoben. Und es gibt weitere Lockdown-Nebeneffekte: Die Erste-Hilfe-Kurse verzögern sich, sind aber Pflicht für Fahranfänger. Ebenso hatten lange die Fotografen geschlossen, eigentlich beliebte Alternative für den Passfoto-Automaten. Der Nachwuchs muss sich weiter in Geduld üben, „einen B-Führerschein können wir unter einem halben Jahr nicht mehr machen“, sagt Schnitzky.

Maskenpflicht während der gesamten Fahrt

Mit den Corona-Vorgaben müsse man leben, von einem Corona-Schnelltest vor jeder Fahrt hält er allerdings wenig: „Das bringt nicht viel, es ist ja nur eine Momentaufnahme.“ Der zeitliche Stau werde sich voraussichtlich auch nicht so schnell auflösen. Der nächste Theoriekurs bei seiner Fahrschule startet im April – Schüler, die sich anmelden, kommen aber schon jetzt frühestens ab Mai an die Reihe, „manche Fahrschulen haben auch schon Aufnahmestopp“, berichtet Schnitzky.

Wie wirkt sich der Lockdown in der Praxis aus? Die Fahrten im Fahrschulauto finden wie gewohnt statt, aber auch da gibt es strenge Regeln. Plexiglasscheiben im Auto gibt es zwar nicht – dafür eine Maskenpflicht während der gesamten Fahrt. Weitere Schüler dürfen zudem nicht mitfahren, die eigentlich übliche Praxis, dass diese sich gegenseitig abholen, liegt auf Eis, die Fahrt startet zur Sicherheit auch immer von einem festgelegten Ort aus.

Nach der Fahrstunde wird desinfiziert

Eine Ausnahme bildet bei der Fahrprüfung natürlich der Prüfer, der als dritte Person mitfahren kann. Zwischen zwei Fahrten werden die Wagen zudem 20 Minuten gelüftet, der lückenlose Wechsel zum nächsten Schüler ist so im Moment nicht möglich. Und jeder Fahranfänger desinfiziert nach jeder Stunde Lenkrad und Armaturen, quasi ein neues Ritual im Fahrschulauto.

Das kennt Fahrschüler Cedric Doleisch von Dolsperg schon, der 17-Jährige hat seinen B-Führerschein bereits in der Tasche, hängt gerade den BE-Schein zum Fahren mit Anhänger noch dran. Wie laufen die Fahrten unter Corona-Bedingungen? „Die sind okay, es ist ja nur die Maske, ansonsten geht’s“, berichtet der 17-Jährige bei einer Fahrstunde. Im April steht die Prüfung an, dann sollte er beide Scheine endlich in der Tasche haben, hofft der Fahrschüler.

Von Ina Tannert

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